Die Geschwister Scholl sind zwar inzwischen zu Ikonen des Widerstands geworden, doch steht in der Regel Sophie Scholl stärker im Mittelpunkt. Eine fesselnd erzählte Biographie über ihren Bruder Hans hat die Historikerin Barbara Ellermeier nun vorgelegt. Sie beginnt mit der Verhaftung Hans Scholls durch die Nationalsozialisten – nicht etwa 1943 wegen seiner Aktivitäten im Rahmen der „Weißen Rose“, sondern 1937, als junger Rekrut und Jungzugführer der Hitler-Jugend, der jedoch Praktiken der bündischen Jugend fortgeführt und sich deshalb missliebig gemacht hatte. Dieses Erlebnis erschütterte Hans Scholl tief; unter dem Einfluss des katholischen Publizisten Carl Muth wandte er sich schließlich vom Nationalsozialismus ab. Gestützt unter anderem auf den persönlichen Nachlass ihres Protagonisten, entwirft Ellermeier ein dichtes Lebensbild des Studenten, Wehrmachtsangehörigen und Widerstandskämpfers im Kontext seiner familiären Prägungen und religiösen Überzeugungen. Leider fehlen dem Text jedoch die Anmerkungen, und statt wenigstens Quellennachweise für den interessierten Leser im Buch zur Verfügung zu stellen, wird auf die Internet-Seiten von Verlag und Verfasserin verwiesen – ein umständliches Verfahren, das verärgert.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





