Wirkmächtig“ war er, da sind sich die Enzyklopädien einig. Fragt man im Freundeskreis, mit welchen Ideen Georg Wilhelm Friedrich Hegel sich diesen Ruf erarbeitet hat, weichen die meisten auf Aphorismen aus: „Das haben wir im Hegel’schen Sinn gelöst“, so werde doch manchmal das Erreichen eines Kompromisses kommentiert. Richtig: These, Antithese, Synthese – Dialektik spielt bei Hegel eine wichtige Rolle.
„Hegel für Anfänger“, der Titel der multimedialen Präsentation zu Beginn des Rundgangs klingt vielversprechend, um Wissenslücken zu füllen. Zwei aus dem Fernsehen bekannte Schauspieler, Nina Siewert und Walter Sittler, führen als lebensgroße Avatare durch das 15-minütige Porträt des Philosophen. Die Begrüßung erfolgt auf Schwäbisch: „Kommet se rei, koscht nix.“
Hegel verbrachte immerhin seine gesamte Jugend in Stuttgart, und er soll bis ins hohe Alter einen starken schwäbischen Akzent gehabt haben, der den Studenten mitunter ebenso Kopfzerbrechen bereitete wie die Gedankengänge ihres Professors.
1788 ging Hegel zum Studium nach Tübingen. Am Evangelischen Stift fand sich die „Boygroup des deutschen Idealismus“, so die Präsentation: Hegel lebte in Tübingen zeitweise mit Friedrich Hölderlin und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling unter einem Dach. Aus heutiger Sicht eine Geistesgrößen-WG, wie es sie in der Geschichte wohl nur selten gab.
Hegel ließ nach dem Studium seine Gedanken reifen. Bevor er sich endgültig der Philosophie verschrieb, arbeitete er einige Jahre als Hauslehrer in Bern und Frankfurt. Letztere Stelle wurde ihm durch Hölderlin vermittelt. Mit 31 Jahren wechselte er als Dozent nach Jena, damals ein Zentrum der deutschen Philosophie. Diesmal war es Schelling, der Hegels Karriere einen Schub gab. Goethe setzte zudem durch, dass mit der Stelle auch ein kleines Gehalt verbunden war.
Die Flucht vor den 1807 in Jena einmarschierenden napoleonischen Truppen sorgte nochmals für einen Bruch im Lebenslauf: Hegel versuchte sich ein Jahr lang als Zeitungsredakteur in Bamberg, anschließend übernahm er für sieben Jahre die Stelle eines Schulrektors in Nürnberg. Die Professur in Berlin, wo er seine bahnbrechenden Vorlesungen halten sollte, trat er im Alter von 48 Jahren an, als Nachfolger von Johann Gottlieb Fichte (1762 –1814).
In den weiteren Räumen des Museums werden die Inhalte der multimedialen Einführung vertieft. Den Ausstellungsmachern war es wichtig, dass die Besucher der geistig schweren Kost auch mit ihren Händen zu Leibe rücken können – etwa, indem Tafeln mit Kurzporträts von Hegels Zeitgenossen umzudrehen oder seine Lieblingsbücher auf Scanner zu legen sind, damit man dazu weitere Informationen erhält.





