An der Westküste Siziliens liegt inmitten einer geschützten Lagune die kleine Insel San Pantaleo, früher Motya. Wegen ihrer strategisch günstigen Lage siedelten auf ihr schon ab der Bronzezeit Menschen und nutzten die reichen Fischbestände als Nahrung und die Lagune als geschützten Hafen. Mit Beginn des achten Jahrhunderts vor Christus erreichten phönizische Siedler die Insel und entwickelten Motya zu einer wichtigen Hafenstadt mit Handelsbeziehungen im gesamten zentralen und westlichen Mittelmeerraum. Das brachte Motya in Konflikt mit Karthago und mündete in einen Krieg, in dem Motya im 6. Jh. vorübergehend zerstört, dann aber größer und stärker befestigt wieder aufgebaut wurde.
Wasserbecken gibt Rätsel auf
Schon Anfang des 20. Jahrhunderts stießen Archäologen auf die Überreste der phönizischen Stadt und gruben unter anderen eine Stadtmauer, Relikte von Tempeln und eines Hafens aus. Im Süden Motyas wurden zudem die Reste eines rechteckigen, gut 52 Meter langen und 37 Meter breiten Beckens gefunden. Weil sich an einem Ende dieses Beckens ein Kanal bis zum Meer zu erstrecken schien, interpretierten Archäologen es damals als sogenannten Kothon. “Der Begriff Kothon wurde von griechischen und lateinischen Quellen verwendet, um den Militärhafen von Karthago zu beschreiben”, erklärt Lorenzo Nigro von der Sapienza Universität Rom. Dabei handelte es sich um einen künstlich angelegten Binnenhafen in der phönizischen Stadt.
Wegen der Ähnlichkeit zum karthagisch Kothon galt auch das Becken von Motya nach bisherigen Lesart als ein solcher Binnenhafen. In den letzten 20 Jahren haben jedoch Archäologen der Sapienza Universität um Nigro das Gebiet um das vermeintliche Hafenbecken weiter erforscht und ausgegraben und dabei zahlreiche Funde gemacht, die nicht zu dieser früheren Interpretation passen. So ergeben Datierungen, dass der vermeintliche Verbindungskanal zum Meer erst von den Römern und damit lange nach der phönizischen Ära angelegt wurde. Zuvor wurde das Becken nur durch drei Süßwasserquellen gespeist, wie das Team berichtet.






