Am 7. Juli 1005, etwa drei Jahre nach seinem Herrschaftsantritt, machte Heinrich II. dem Adalbertstift in Aachen eine Schenkung. In der darüber ausgestellten Urkunde beschrieb er seine königliche Verantwortung: “Im reich gefüllten Haus Gottes sind wir, so ist uns bewußt, die obersten Verwalter. Wenn wir die Verwaltung getreu ausüben, werden wir selig werden und, indem wir in die Freuden des Herrn eingehen, dessen Güter besitzen. Wenn wir aber untreu sind, dann werden wir in die Folterkammer hinabgestoßen und bis zum letzten Glied gefoltert werden.” Der König wird mit dem Verwalter im Evangelium verglichen, dem der Herr sein Geld anvertraut (Matthäus 24,49). Wenn er die Talente vermehrt, winken ihm die himmlischen Freuden. Andernfalls wird er in die Dunkelheit der ewigen Verdammnis verwiesen, wo es Heulen und Zähneklappern gibt. So würde es auch dem König ergehen, wenn er das “Haus Gottes” nicht ordentlich verwalte. Gott selbst also war sein Vorgesetzter. Ihm hatte er dereinst Rechenschaft abzulegen über seine Königsherrschaft.
Heinrich II. war erfüllt von seinem göttlichen Auftrag, und seine gesamte Rolle im Ordnungsgefüge des Reiches war davon bestimmt. Er stand nicht einem Staatswesen vor, sondern war Oberhaupt einer übergreifenden Gemeinschaft, in der sich die Menschen nach den Vorgaben der Kirche (ecclesia) einzurichten suchten.
Durch die göttliche Beauftragung war es die Aufgabe des Königs, diejenigen, die in der irdischen Gemeinschaft eine leitende Funktion auszuüben hatten, im Sinne eines heilbringenden Zusammenwirkens zu stärken oder anzuleiten und den göttlichen Geboten zur Durchsetzung zu verhelfen. Die politische Ordnung war also darauf ausgerichtet, etwas Umfassenderes zu regeln und zu lenken als ein “Staatswesen”. In diesem Sinne war der König “Mittler zwischen Kirche und Welt”, wie es im Ordo, dem liturgischen Formelbuch, für die Königskrönung heißt.
Schon vor seiner Königszeit hatte Heinrich als Herzog von Bayern seine Herrschaft ganz in den Dienst Gottes gestellt. Als er 995 von seinem Vater, Heinrich dem Zänker, das bayerische Herzogtum übernahm, verfolgte er konsequent das Ziel einer kirchlichen und klösterlichen Reform. Dafür war er am Hof seines Vaters in Regensburg bestens vorbereitet worden. Regensburg stellte im Reich dieser Zeit den einzigen Ort dar, den man als Hauptstadt ansprechen könnte. Die karolingischen Herrscher hatten hier ihre Pfalzen errichtet, und um das Jahr 1000 war die Zentralfunktion dieser Stadt so gewichtig, daß alle Bischöfe und mächtigen Adelshäuser Bayerns hier einen Hof unterhielten.




