KILIMANDSCHARO Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges
Christof Hamann/Alexander Honold, Kilimandscharo. Die deutsche Geschichte eines afrikanischen Berges. Wagenbach Verlag, Berlin 2011, 190 Seiten, € 22,90.
Ein Deutscher, der Geograph Hans Meyer, hatte ihn als Erster bestiegen und damit einen höchst symbolischen Beitrag zur wissenschaftlichen Erkundung der Welt geleistet. Um den schneebedeckten Berg am Äquator rankten sich nämlich allerlei Gerüchte, sogar, dass es ihn überhaupt gab, wurde von wissenschaftlichen Autoritäten immer wieder bezweifelt. Schnee am Äquator, wie sollte es das geben in der heißesten Zone des Globus? Andererseits würde die Existenz schneebedeckter Bergkuppen an den Quellen des Nils die Nilschwemmen erklären, eines der großen geographischen Rätsel seit der Antike. Wie Christof Hamann und Alexander Honold in ihrem beeindruckenden Buch schildern, vermischte sich die Suche nach dem mysteriösen Schneeberg am Äquator mit der nach den mindestens gewww.damals.de
nauso geheimnisvollen Ursprüngen des Nils. Wem diese „Entdeckung“ gelang, dem war nicht nur persönlicher Ruhm sicher, sondern auch der Dank seiner Nation, denn die Jagd nach Rekorden, Entdeckungen und Erstbesteigungen war im beginnenden Imperialismus längst keine Privatsache mehr, und auch keine Angelegenheit nur der Wissenschaft. „Entdeckungen“ wurden jenseits von Ruhm und Ehre in ganz konkrete Besitzansprüche umgemünzt, so auch beim Kilimandscharo, diesem „Kollektivsymbol, mit dem Schulkinder ebenso wie Erwachsene im Kaiserreich die Macht und die Größe assoziierten“, wie die Autoren treffend schreiben. Überzeugend rekonstruieren Hamann und Honold die Kulturgeschichte des Kilimandscharo und bringen dabei längst Vergessenes ans Licht. Sie beschreiben nicht nur den Berg als „Populärsymbol deutscher Größe“, sondern auch, wie wichtig koloniale Phantasien für das deutsche Selbstverständnis waren. Dass die Autoren dies in die internationale Geschichte der europäischen Erschließung Afrikas einbinden, macht das Buch noch lesenswerter. Prof. Dr. Jürgen Zimmerer
Der btb Verlag (Random House/Bertelsmann) nimmt den Jahrestag zum Anlass, die vom Historiker und Journalisten Henrik Berggren in schwedischer Sprache verfasste Palme-Biographie auch dem deutschsprachigen Publikum vorzulegen. Der Verfasser lädt zu einer Reise durch das nicht allzu lange, gleichwohl aber außerordentlich ereignis- und begegnungsreiche Leben seines Protagonisten ein. Besonders viel Raum gibt er dabei den prägenden Jahrzehnten vor der eigentlichen Karriere als Regierungschef. So begann Olof Palmes politische Laufbahn schon in jungen Jahren im Umfeld der Studentenbewegung, und der Schwede war eben nicht nur Gesprächspartner von Brandt, Schmidt oder Kreisky, sondern bereits von Churchill und Ollenhauer. Insgesamt wird deutlich, dass Palme viele Jahrzehnte lang Schweden nach innen wie außen prägte, aber auch ein großer Europäer und Weltbürger war. Das ikonenhafte Bild, welches vom schwedischen Staatsmann nach seiner Ermordung in der Öffentlichkeit gezeichnet wurde, wird aufgebrochen, indem Palme als Mensch mit all seinen Stärken und Schwä-





