Den Königen, so glaubte man im Mittelalter, wohne die besondere Kraft inne, Kranke durch das Auflegen ihrer Hand heilen zu können. Dies war aber nur ein Aspekt ihres sakralen Charakters, mit dem sich das Buch des Passauer Historikers Franz-Reiner Erkens befaßt. Die Sakralität äußerte sich in vielfältiger Form: Die Herrscher wähnten sich als von Gott eingesetzt, als seine Vertreter auf Erden und nahmen auch priesterähnliche Funktionen wahr. Ein wichtiges Ergebnis des eher für das Fachpublikum geeigneten Buchs ist, daß um 1100 ein Wandel stattfand: Nach dem Investiturstreit konnten die Könige ihre „priesterliche Aufgabe der Seelenführung“ nicht mehr wahrnehmen. Dafür trat die königliche Rechtspflege in den Vordergrund, die aber ebenfalls sakral gedeutet wurde. Somit blieb der sakrale Charakter der Herrscher – dessen Ursprünge nach Erkens schon im Alten Orient liegen – bis ins 18. Jahrhundert und darüber hinaus intakt.