Hexenglaube und Hexenverfolgung gehören zu den Themen, die über ein anhaltendes Forschungsinteresse hinaus auch ein breiteres Publikum zu fesseln vermögen. Die Mischung aus Teufelsritt, Hexentrank und Scheiterhaufen erscheint auch der ARD so zugkräftig, daß sie den Hexen eine dreiteilige Sendung widmet (29. 3., 5. 4. und 7. 4., jeweils 21.45 Uhr). Zu dieser Sendung hat Rainer Decker das Begleitbuch verfaßt. Der weite Bogen reicht vom Stellenwert der Magie in der Antike und der Einrichtung der Inquisition im Mit?telalter über den Höhepunkt der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit bis hin zum Schwinden – wenn auch nicht völligen Verschwinden – des Hexenglaubens. Decker gelingt es, den gewaltigen Stoff übersichtlich und gut verständlich zu präsentieren und die Mechanismen der Verfolgung, auch anhand von Fallbeispielen, präzise zu beschreiben. Die Vielzahl der prägnanten Quellenzitate läßt das Buch sehr anschaulich werden, doch ist Decker nicht immer der Versuchung entgangen, durch besonders drastische Quellenzitate eine gewisse Sensationslust zu befriedigen. Außerdem bleibt die Analyse an mehr als einer Stelle zurück. Weder werden die möglichen Gründe für den Irrsinn der Hexenverfolgung jenseits der Sündenbocktheorie ausreichend diskutiert, noch wird genügend deutlich, daß die Hexenverfolgung nicht nur eine Sache der Obrigkeit war, sondern daß sie nie eine solche Wucht hätte erlangen können, wenn der Verfolgungswille nicht „von unten“, von der breiten Bevölkerung selbst, getragen worden wäre.
Rezension: Talkenberger, Heike





