Tietz hebt die Leistungsfähigkeit der römischen Agrar- und Viehwirtschaft unter freilich günstigen naturräumlichen Umständen hervor. In der frühen Kaiserzeit waren die Menschen in Italien deutlich besser genährt als noch im ganzen 19. Jahrhundert. Die „mediterrane Trias“, also Getreide, Oliven(öl) und Wein als Basisnahrungsmittel, wurde durch Hülsenfrüchte und Fleisch von verschiedenen Arten von Tieren ergänzt.
Die ganze Antike hindurch blieb der bäuerliche Familien‧betrieb, entweder vom Eigen‧tümer oder einer Pächterfamilie betrieben, vorherrschend. In diesem Rahmen, aber auch bei der im 3./2. Jahrhundert v. Chr. aufkommenden Villenwirtschaft, lag es nahe, für Vielfalt bei der Tier- und Pflanzenzucht zu sorgen – eine solche Diversifizierung steht heutzutage wieder hoch im Kurs, nachdem die ökonomischen und ökologischen Probleme einer großflächigen Monokultur – die es ihrerseits schon in der Antike gab – nicht mehr ignoriert werden können. Ein kleines Unter‧kapitel behandelt denn auch die Umweltgeschichte der römischen Landwirtschaft.
Das Buch bündelt prägnant neue, gängigen Lehren widersprechende Forschungsergebnisse. So waren die Unterscheide zwischen Männern und Frauen nach Arbeits- und Lebensbereichen viel weniger ausgeprägt als in der Stadt; es gab auf dem Land „keine Tätigkeit, die eines der Geschlechter wirklich exklusiv durchführte“. Auf wenigen Seiten entmythologisiert Tietz ferner die von der gracchischen Agitation heraufbeschworene und von da an in die antike Überlieferung wie in die moderne Forschung eingedrungene „Krise des italischen Kleinbauerntums“ im 2. Jahrhundert v. Chr. und setzt ein regional sehr viel differenzierteres Bild dagegen.
Der Autor hat zuvor ein originelles Buch über das Essen im politischen und kulturellen Diskurs der römischen Elite vorgelegt; daher werden auch Luxusproduktion und Idealisierung des einfachen Lebens erörtert. In den Abschnitten zur Kaiserzeit stehen von den Regionen Gallien und Germanien exemplarisch im Vordergrund. Durchgängig kommen die antiken Autoren ausführlich zu Wort und beleben die gut lesbare Darstellung zusätzlich.
Rezension: Prof. Dr. Uwe Walter





