Nachwuchswissenschaftler der Geisteswissenschaften befänden sich in einer schwierigen Situation, erklärt der VHD in einer Pressemitteilung. In der Regel würden sie erst mit etwa 40 Jahren eine dauerhafte Arbeitsperspektive erhalten – „wenn sie sie erhalten”. Dieser Missstand bedeute für viele einen sehr langen Zeitraum persönlicher Unsicherheit. Entscheidungen zur Familiengründung könnten oft erst spät getroffen werden, der Einstieg in ein außerakademisches Berufsfeld werde im Alter von 40 Jahren oder später schwierig.
Verschiedene Fachvertreter nehmen im aktuellen „VHD Journal” zur Situation des Nachwuchses aus ihrer fachlichen Perspektive heraus Stellung und gewähren Einblicke in ihre Karriereverläufe. Die Autoren vertreten ein vielfältiges Spektrum unterschiedlicher Epochen und Disziplinen, sind sich aber in einem Punkt einig: Es müsse sich etwas ändern. Und sie machen konkrete Vorschläge, wie etwa der Rektor der Universität Mannheim zur Einführung eines Tenure-Programms neuen Zuschnitts.
Politik belasse es bislang bei Ankündigungen
Die jüngste Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes und die Äußerungen von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, dem wissenschaftlichen Nachwuchs bessere Bedingungen bereiten zu wollen, seien zwar Zeichen für einen politischen Wandel. Doch handele es sich laut VHD bislang nur um Ankündigungen. „Ob Programme zur Förderung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aufgelegt werden und ob gar strukturelle Reformen folgen, ist noch nicht absehbar”, so Martin Schulze Wessel, Vorsitzender des VHD. Dies sei jedoch wichtig, denn nur wenn die beruflichen Bedingungen für Nachwuchskarrieren von Historikerinnen und Historikern stimmen, könne sich die Geschichtswissenschaft gut entwickeln.
Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V. (VHD) ist die Interessenvertretung des Faches Geschichte gegenüber gesellschaftlichen Organisationen und staatlichen Behörden, er unterstützt die internationale Vernetzung der Geschichtswissenschaft, setzt sich für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein und veranstaltet im zweijährigen Rhythmus den Deutschen Historikertag. Der VHD hat zurzeit 3000 Mitglieder.





