Die Ausstellung lotet das Verhältnis der deutschen Gesellschaft zu Hitler aus, wie Thamer in Berlin sagte. Sie nehme eine neue geschichtswissenschaftliche Perspektive ein, indem sie den Blick nicht nur auf den Diktator richte, sondern auch auf die Funktion des deutschen Volkes für das NS-Regime. „Erstmals konzentriert sich eine solche Präsentation auch auf das Zusammenspiel zwischen Hitlers Machtausübung und den Hoffnungen und Interessen großer Teile der Gesellschaft“, so Thamer. „Wie konnten Hitler und der Nationalsozialismus, die für Krieg, Verbrechen und Völkermord verantwortlich waren, bis zum Schluss auf breite Akzeptanz bauen?“
DHM-Kuratorin Erpel fügte hinzu: „Es ist einfach an der Zeit, mit den Mitteln einer Ausstellung das Verhältnis der deutschen Gesellschaft zu Hitler zu beleuchten.“ Das sei allerdings „kein leichtes Unterfangen, denn auch 65 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg bleiben der Diktator und der Nationalsozialismus brisante Themen, und bisher hat jede Nachkriegsgeneration aufs Neue die Frage gestellt, wie Hitler möglich war.“
Die Ausstellung ist thematisch stark mit den Forschungsthemen des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ verknüpft, wie Historiker Thamer ausführte. „Wir verdeutlichen in der Schau, dass der Nationalsozialismus auch als eine politische Religion zu verstehen ist“, so der Experte. „Zugleich zeigen wir die Anpassung der Kirche an das NS-Regime.“ Beeindruckendes Zeugnis dieser ideologischen Nähe sei etwa ein evangelischer Kirchenteppich mit Hakenkreuz, der seit der Nazizeit nicht mehr öffentlich zu sehen war. Jede Sequenz der Berliner Ausstellung präsentiert Fotos, Plakate und Ensembles von Objekten, die die zentralen Botschaften veranschaulichen. Sie stammen aus DHM-Beständen sowie von öffentlichen und privaten Leihgebern des In- und Auslands.
Thamer verwies auf die vielfältigen Aktivitäten, mit denen der Exzellenzcluster „Religion und Politik“ sich an eine breite Öffentlichkeit wendet, wie Ringvorlesungen, Filme, Konzerte und Podien. „Der Berliner Ausstellung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.“ Das Thema stelle gewiss ein Feld dar, auf dem ein breites Publikum wissenschaftliche Ergebnisse interessiert aufnehmen werde. Thamer forscht im Cluster zu politischer Religion, Utopie und Gewalt im 19. und 20. Jahrhundert.





