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Höhenflug und jäher Absturz
Zunehmender Wohlstand in breiten Schichten, abendliches Vergnügen mit Musik, Tanz und Kino, allgemeiner Konsumrausch: Die 1920er Jahre schienen in den USA den Aufbruch in eine helle Zukunft anzukündigen. Aber dann folgte der große Börsenkrach, ausgelöst durch auf Pump finanzierte Aktienspekulationen – die „Roaring…
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Niemand steht so sehr für die „Goldenen Zwanziger Jahre“ in den USA wie die „Flappers“: Die rebellischen jungen Frauen jener Zeit trugen kurze Röcke, Schuhe mit hohen Absätzen, zum Bubikopf geschnittene Haare, sie schminkten sich und wickelten Tücher um ihre Brüste, um möglichst jugendlich zu erscheinen. Damit verkörperten sie das Ideal der modernen US-Amerikanerin, der seit 1920 – mit dem 19. Verfassungszusatz – endlich auch das Wahlrecht eingeräumt worden war.
Der Romancier F. Scott Fitzgerald machte das Image des wilden Mädchens mit roten Lippen populär. Frauen begannen in dieser Zeit zu rauchen, zu trinken, Slang zu sprechen und ausgelassen zu tanzen. Sexualität wurde zunehmend, auch öffentlich, als ein Weg zum Lustgewinn, und nicht nur zur Fortpflanzung, gesehen.
Die neue Damenmode erlaubte den vollen Körpereinsatz beim Tanz von Charleston, Foxtrott und Shimmy. Der wilde, experimentierfreudige Jazz, der aus dem Ragtime hervorgegangen war und auf Traditionen afroamerikanischer Musik basierte, wurde zum „Pop“ dieser Jahre. Konservative Kreise entwickelten Ressentiments gegen die neuen kulturellen Trends; aber den mittleren und gehobenen Schichten in den großen Städten versprachen sie Befreiung und ein neues Lebensgefühl.
Die Vereinigten Staaten werden zum reichsten Land der Erde
Die Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner erlebten die 1920er Jahre als ein Jahrzehnt nie zuvor dagewesenen Wohlstands und neuen persönlichen und nationalen Selbstbewusstseins. Während Europa nach dem Ersten Weltkrieg in Trümmern lag, waren die USA die klaren Sieger in der Welt des 20. Jahrhunderts. Wirtschaftlich hatten sie sich von einer Schuldnernation zum größten Gläubigerland entwickelt. Erstmals lebten mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Die steigenden Grundstückspreise lösten einen Bauboom aus, der mit der Skyline aus Wolkenkratzern (skyscrapers) erstmals ein völlig neues Stadtbild erzeugte.
In weiten Teilen Europas beobachtete man die Entwicklungen jenseits des Atlantik mit Skepsis. Das vernichtende Urteil des deutschen Journalisten und Soziologen Siegfried Kracauer im Jahr 1921 über die „Hässlichkeit der New Yorker City“ spiegelte eine in Deutschland weitverbreitete Meinung wider, wenn er in der „Frankfurter Zeitung“ schrieb: „Turmartige Ungetüme, die ihr Dasein dem ungezügelten Machtwillen raubtierhaften Unternehmertums verdanken“, stehen in New York „wild und regellos durcheinander“.
Die skyscraper der vergleichsweise jungen US-amerikanischen Nation avancierten dennoch weltweit zum Symbol eines prosperierenden Kapitalismus. Die Dynamik der amerikanischen Wirtschaft entwickelte eine große Eigenständigkeit gegenüber dem Staat und verwandelte das gesellschaftliche Wertebewusstsein. Die Arbeitslosigkeit pendelte sich im Bereich von vier Prozent ein, und Wohlstand und Reichtum wurden zum wichtigsten Maßstab gesellschaftlichen Erfolgs. 1920 gab es nicht weniger als 20 000 Millionäre in den USA. In den 1920er Jahren erreichten die USA fast die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung, und die Wirtschaft wuchs, nachdem die Nachkriegsrezession 1920/21 überwunden war, um satte 42 Prozent. Das Realeinkommen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nahm im Lauf der 1920er Jahre um nahezu ein Drittel zu. Die USA konnten sich rühmen, das – gemessen am Pro-Kopf-Einkommen – reichste Land der Erde zu sein.
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Millionen von Amerikanern können sich sogar ein eigenes Auto leisten
In nie dagewesenem Ausmaß stiegen vor allem die Gewinne der Unternehmen. Während der 1920er Jahre nahmen diese um gut zwei Drittel zu. Investitionen in neue Technologien trugen zur Steigerung der Produktivität bei und brachten die erste Konsumgesellschaft hervor. Massenproduktion, Massenkonsum und Massenkommunikation gingen Hand in Hand.
Was vor dem Ersten Weltkrieg noch als Spielzeug für die Superreichen gegolten hatte, wurde mit einem Mal für viele Menschen erschwinglich. Dies galt für Waschmaschinen und Radios, Staubsauger und Telefonapparate, ganz besonders aber für das Automobil. Fließbandproduktion und Arbeit im Akkord, wie sie bei Fords legendärem Modell T, der „Tin Lizzy“, angewandt wurden, ließen die Preise für Autos drastisch sinken. Durch die Einführung von Ratenzahlungen rückte der Erwerb eines Automobils für Millionen von Amerikanerinnen und Amerikanern in Reichweite.
Im Jahr 1925 kostete der Standard-Ford nur noch 260 Dollar (weniger als 4000 Dollar in heutiger Währung). In einem einzigen Jahr, 1929, verkauften Ford, Chrysler und General Motors fünf Millionen Wagen; zum selben Zeitpunkt waren in den USA nahezu 27 Millionen Automobile registriert. Damit fuhren 80 Prozent aller Autos weltweit über die Straßen der Vereinigten Staaten.
Die Vermarktung von Gebrauchsobjekten war aufs engste mit der Werbung verbunden, die sich in den 1920er Jahren neu erfand und eine rasch expandierende Branche bildete. Hatten die Firmen vor dem Krieg lediglich über die Existenz von Produkten informiert, etablierte sich jetzt das Marketing als eigenständige Geschäftsstrategie, die Wünsche hervorrufen und Begehrlichkeiten auslösen sollte. Im Jahr 1929 gaben US-amerikanische Firmen über drei Milliarden Dollar für Werbung aus, was einem Anteil von 14 Prozent der gesamten Industrieausgaben entsprach. Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Werbebranche leistete das Radio, das als erstes Kommunikationsmedium die Massen erreichte.
In den Städten schossen „Filmpaläste“ aus dem Boden, manche mit Tausenden von Sitzplätzen. Sie brachten die erste Generation von Filmstars hervor, allen voran Charlie Chaplin, und läuteten mit Al Jolsons Kassenschlager „The Jazz Singer“ im Jahr 1927 die Ära des abendfüllenden Tonfilms ein. Kinokarten waren erschwinglich, und gegen Ende der Dekade wurden (bei einer Bevölkerung von 120 Millionen) wöchentlich bis zu 90 Millionen Tickets verkauft. Im Lauf des Jahrzehnts schob sich die vor allem in Hollywood produzierende Filmbranche im Industrie-Ranking auf Platz fünf vor (nach der Automobil-, der Mineralöl-, der Stahl- sowie der chemischen Industrie).
„Kaufe jetzt, bezahle später“ wurde zum Credo vieler Amerikanerinnen und Amerikaner. Die wenigsten Familien konnten sich alle Annehmlichkeiten und Innovationen, die in Massen preisgünstig auf den Markt kamen, auf einmal leisten. Aber die Kaufhäuser hatten ein Interesse daran, möglichst viele Kühlschränke und Bügeleisen, Mode von der Stange und Waschmaschinen an den Mann oder die Frau zu bringen. Deshalb räumten sie ihren Kundinnen und Kunden großzügige Kreditrahmen ein. Wer wollte, erhielt ein Angebot für „zwölf einfache Monatszahlungen“. Dadurch stieg die Konsumentenverschuldung in den 1920er Jahren um nahezu 100 Prozent an.
Die positive Erfahrung mit Kriegsanleihen hatte in den USA ein neues Interesse an Investitionen ausgelöst. Immer mehr Menschen kauften Aktien und begannen zu spekulieren. Die Verfügbarkeit von Aktien auf Kredit (on the margin) tat ein Übriges. Radioaktien stiegen zum Beispiel innerhalb von anderthalb Jahren 1928/29 von 94 Cent auf über fünf Dollar; und im Jahr 1929 gab es nicht weniger als 20 Millionen Aktionäre in den USA. Der Wohlstand der Gesellschaft hing damit mehr und mehr von der allgemeinen konjunkturellen Entwicklung ab.
In der Politik markierten die Wahlen von 1920 einen Erdrutschsieg für die Republikaner. Im Krieg hatten die USA unter der Führung des Demokraten Woodrow Wilson (1913 –1921) eine moderne Bürokratie zur zentralen Lenkung von Kriegsproduktion und Kriegführung aufgebaut. Nach 1918 gewann das Misstrauen gegenüber den Zentralisierungsbestrebungen aber die Oberhand. Staatliche Eingriffe in das gesellschaftliche Leben stießen auf Ablehnung, und sozialistische Ideen galten selbst unter Arbeitern als überholt.
Republikanische Präsidenten und ihr Glaube an die Kraft des Marktes
In dieser Situation schlug die Stunde der Republikaner und ihres Präsidentschaftskandidaten Warren G. Harding (1921–1923). Mit seiner Parole „Amerika braucht keine Heldentaten, sondern Heilung; keine Geheimmittel, sondern Normalität, keine Revolution, sondern Erneuerung“ traf der Senator aus Ohio den Nerv der Zeit. Der Präsident erhielt einen höheren Stimmenanteil als alle seine Amtsvorgänger und -nachfolger. Amerika sehnte sich nach Normalität. Harding war freundlich und leutselig und erschien unkompliziert. Dass sich der Präsident, der in nächtlichen Pokerrunden notorisch dem Whiskey zusprach (obwohl er als Senator für die Prohibition gestimmt hatte), leicht manipulieren ließ, machte ihn aus Sicht führender republikanischer Kreise zum idealen Amtsinhaber.
Die Zusammensetzung von Hardings Kabinett, dem mehrere Multimillionäre angehörten, spiegelte die wirtschaftsfreundliche Agenda der Republikaner wider, die vehement für Steuererleichterungen und Schutzzölle eintraten. Der Bergbauingenieur Herbert Hoover wurde Wirtschaftsminister, und Bankier Andrew Mellon, der die Regierung als ein „Unternehmen“ bezeichnete, „das nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden kann und soll“, übernahm die Führung des Finanzministeriums. Trotz einiger – auch außenpolitischer – Erfolge gilt die Regierung Harding als skandalumwoben, da sich der Präsident mit einer dubiosen Entourage umgab.
Mit seinen Feinden wisse er schon umzugehen, meinte Harding, aber die Machenschaften seiner Freunde, die es mit der Verflechtung von öffentlichen und privaten Interessen nicht allzu genau nahmen, bereiteten ihm schlaflose Nächte. Tatsächlich landete unter anderem Hardings Innenminister Albert Fall im Zusammenhang einer Bestechungsaffäre, in der es um die Vergabe von Ölförderrechten ging, als erstes Kabinettsmitglied in der US-Geschichte hinter Gittern.
Vizepräsident Calvin Coolidge (1923 –1929 Präsident), der nach Hardings plötzlichem Tod im August 1923 ins Weiße Haus einzog, gelang es, das Vertrauen der Bevölkerung in die Integrität der Regierung wiederherzustellen. Zugleich setzte er die unternehmerfreundliche Politik seines Amtsvorgängers fort. In einer Rede vor US-Zeitungsverlegern im Januar 1925 ließ Coolidge jenen legendären Satz fallen, der bis heute als Schlüssel für die wirtschaftspolitische Philosophie der 1920er Jahre gilt: „Das Hauptgeschäft des amerikanischen Volkes ist das Geschäft“. Die republikanischen Präsidenten Warren Harding, Calvin Coolidge und dessen Nachfolger Herbert Hoover (1929 –1933) setzten alle auf einen weitgehend ungezügelten Kapitalismus. Ihr nationalistisch geprägter Optimismus ließ keine Zweifel an der Devise aufkommen, dass ein sich selbst überlassener Markt den Amerikanern anhaltendes Wachstum, Fortschritt, Glück und Wohlstand bringen werde.
24. Oktober 1929: Die Blase platzt – die Börsenkurse stürzen ab
Der Absturz der US-Wirtschaft im Jahr 1929 kam für die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner aus heiterem Himmel. Zwar hatten einige Experten bereits vermutet, der Markt könne sich überhitzen: Am 25. März warnte zum Beispiel die US-Notenbank vor den Folgen exzessiver Spekulation. Aber durch das Eingreifen der National City Bank, die 25 Millionen Dollar in den Markt schüttete, konnte die Talfahrt der Wirtschaft vorübergehend gestoppt werden. Der Produktionsrückgang in der Stahlindustrie, ein Nachlassen des Baubooms sowie sinkende Verkaufszahlen auf dem Automobilmarkt verhießen jedoch nichts Gutes, zumal die Verschuldung der Bevölkerung anstieg und der Industrieindex Dow Jones bald wieder in die Höhe schoss. Vergeblich warnte der Prognostiker und Finanzexperte Roger Babson im September 1929 vor einem „Börsensturz, der schrecklich sein“ könne.
Erst als die Kurse am 24. Oktober 1929, dem „Black Thursday“ (in Europa wegen des Zeitunterschieds „Black Friday“ bzw. „Schwarzer Freitag“ genannt), zum Börsenauftakt in New York um elf Prozent nachgaben, wurden die Umrisse der sich anbahnenden Krise sichtbar. Präsident Hoovers Beschwichtigungen, die Wirtschaft stehe auf einer „soliden Basis“, verhallten im Nu. Bis zum November verloren amerikanische Anlegerinnen und Anleger mehr als die Hälfte ihrer Aktienwerte.
Die Ursachen für die Krise, die sich rasch über den ganzen Globus ausbreitete, waren vielfältig: „Golden“ waren die 1920er Jahre, wie sich im Rückblick zeigte, vor allem für die Unternehmer. Da die Umsätze in der Industrie schneller wuchsen als die Löhne und Gehälter der Beschäftigten, kam es zur Überproduktion bei gleichzeitig sinkendem Konsum, eine gefährliche Mischung, die sich angesichts der eklatant ungleichen Einkommensverteilung in den USA noch verschärfte: Während die Reichsten, ein Prozent der Bevölkerung, ihr Einkommen in den 1920er Jahren um 75 Prozent hatten steigern konnten, lag die Rate im gesellschaftlichen Schnitt bei nur neun Prozent.
Hinzu kam die auf Überproduktion beruhende Dauerkrise in der Landwirtschaft. Sinkende Preise im Agrarsektor erhöhten den Schuldendruck sowohl auf die Farmer als auch auf viele Banken im ländlichen Bereich, die aus Mangel an Liquidität zusammenbrachen. Mit der Senkung der Zinsen im Jahr 1927 hatte die Regierung von Calvin Coolidge das Spekulationsfieber angeheizt. Da viele Anleger ihre Aktien mit geliehenem Geld erworben hatten, kam das Finanzsystem vollends ins Wanken. Statt weiter Kredite zur Verfügung zu stellen, reagierte die US-Notenbank mit Kreditbeschränkungen. Letzteres machte die Panik unter den Anlegern perfekt.
In einer Wahlkampfrede 1928 hatte der angehende Präsident Herbert Hoover noch vollmundig erklärt: „Wir in Amerika sind heute dem endgültigen Triumph über die Armut näher als je zuvor in der Geschichte irgendeines Landes. Wir werden bald, mit der Hilfe Gottes, den Tag in Sicht haben, an dem die Armut aus dieser Nation verbannt sein wird.“ In Wirklichkeit folgten auf den Börsenkrach Arbeitslosigkeit und Hunger, wie sie die USA noch nie gesehen hatten. Agrarprodukte gab es im Land im Überfluss, aber der Transport und Verkauf von Lebensmitteln warf keinen Gewinn mehr ab. In der Folge fielen die Preise für Agrarprodukte um 60 Prozent.
Hunderttausende Menschen wurden binnen weniger Monate obdachlos. Ihre Häuser standen leer, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen konnten und zwangsevakuiert wurden. Bruttosozialprodukt und Einkommen schrumpften zwischen 1929 und 1932 auf etwa die Hälfte. Um die Wende zum Jahr 1933 waren über 15 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner, und damit fast ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung, ohne Arbeit.
Hoover zögert und zeigt keine Empathie für die Betroffenen
Die Regierung verfügte über kein wirksames Konzept, um der Krise zu begegnen. Hoover setzte anfangs auf die „Selbstheilungskräfte des Marktes“ und auf eine Rhetorik der Hoffnung und des Durchhaltens, anstatt Gelder in Straßen oder öffentliche Bauten zu investieren, was ihm die Experten vom „Emergency Board for Employment“ nahelegten. Statt den Konjunkturrückgang 1929 wie anfangs mit „Panic“ zu betiteln, wählte Hoover nun „Depression“ – und prägte somit den bis heute gängigen Begriff für diese Periode.
Keine Erleichterung brachte das protektionistische „Smoot-Hawley-Zollgesetz“ vom Juni 1930, das die Steuer auf Einfuhren für 20 000 Produkte um 30 Prozent anhob. Es verschärfte stattdessen die Krise, strangulierte den Welthandel und ließ den US-Außenhandel binnen kurzem auf das Vorkriegsniveau zusammenschrumpfen. Erst seit Anfang 1931 sprach sich Hoover für eine Reihe von Maßnahmen aus, die die Krise konsequent eindämmen sollten. Nacheinander wurden Arbeitsbeschaffungsprojekte wie der „Hoover Dam“ (eine Talsperre auf der Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Nevada und Arizona, 1931 bis 1935 errichtet) aufgelegt und das „Federal Farm Board“ geschaffen – ein Fonds zur Preisstabilisierung bzw. zur Drosselung der landwirtschaftlichen Überproduktion. Außerdem wurden Kredite an Eisenbahngesellschaften und andere Unternehmen sowie an die Einzelstaaten vergeben.
Aber die Maßnahmen kamen zu spät und gingen nicht weit genug. Der ihm zugeschriebene Ausspruch „Wohlstand gibt es gleich um die Ecke“ trug dem Präsidenten Hohn und Spott ein. Die Elendsviertel des Landes nannte man „Hoovervilles“, Zeitungen, mit denen sich Wohnungslose notgedrungen zudeckten, liefen unter dem Spitznamen „hoover blanket“, und der Ausdruck „hoover flag“ bezeichnete eine umgestülpte leere Hosentasche.
Trotz der sozialen und ökonomischen Misere blieben Protestaktionen eine Seltenheit. Zu einer spektakulären Aktion riefen etwa 10 000 Weltkriegsveteranen auf, die 1932 mitten in Washington kampierten, um Sonderzahlungen (Boni) vorzeitig einzufordern. Das vom Präsidenten angeordnete harsche Vorgehen regulärer Truppen gegen die Protestierenden – die mit Angehörigen auf rund 40 000 Menschen angewachsene „bonus army“ wurde gewaltsam vertrieben, ihr Lager niedergebrannt – trug vollends zum Ansehensverlust eines Regierungschefs bei, der der Krise nicht gewachsen war und dem es überdies an Mitgefühl für die Notlage der Bevölkerung mangelte.
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