264 US-Produktionen kamen zwischen 1933 und 1940 in Deutschland zur Aufführung. Das heimische Angebot war zwar dreimal so groß, aber beim Publikum nur zweite Wahl, vor allem in der Reichshauptstadt: „Sehr oft läuft in diesem oder jenem Berliner Uraufführungskino ein amerikanischer Film mit sehr großem Erfolg“, berichtete 1937 das Regierungsblatt „Der Deutsche Film“, „er läuft vier, acht, zwölf Wochen, manchmal gar ein halbes Jahr. Und wenn inzwischen deutsche Filme, von denen man sich einen besonderen Erfolg erhoffte – Filme zum Beispiel mit besonders stilisiertem Weltanschauungsgehalt – längst abgesetzt wurden, so läuft dieser Film sich immer noch in einem und demselben Uraufführungstheater allabendlich heiß“.
Damals galten die Laufzeiten als aussagekräftigste Erfolgsindikatoren. Auf jeweils rund 40 Tage in den Berliner Premierenkinos kamen die deutschen Spitzenproduktionen „Amphitryon“, „Allotria“, „Der Mustergatte“ und „Der Maulkorb“ – doch das war nur Mittelmaß. Die ersten Plätze belegten routinemäßig Filme „made in Hollywood“: 1935 der fünffache Oscar-Preisträger „Es geschah in einer Nacht“ mit 56 Tagen, im Jahr darauf das Musical „Broadway Melodie“ mit 129 Tagen und 1937 das Erdbebenmelodram „San Francisco“ mit 68 Tagen; der Film mit Clark Gable und Jeanette Mac Donald galt damals als erfolgreichste Produktion aller Zeiten. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ schwärmte: „Vor diesem blutigen Realismus sitzt man fassungslos und fragt sich, fast zitternd vor dem Übermaß technischer Raffinesse, ob der Kinotechnik wirklich keine Grenzen gesetzt sind.“ Der „Völkische Beobachter“ sekundierte: „Besser konnte er nicht gemacht werden, und es dürfte schwer sein, ihn in absehbarer Zeit zu schlagen.“ …
Dr. Markus Spieker





