Ein Charakteristikum des Exils ist das stetige Umherziehen. Dass Exilanten Monate, gar Jahre an ein und demselben Ort verharren, ist eine Ausnahme. Eine solche stellt die französische Mittelmeergemeinde Sanary-sur-Mer dar. Zwischen 1933 und 1942 lebten dort mehr als 60 Intellektuelle der Weimarer Republik – eine…
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Sanary-sur-Mer ist heute eine schmucke Gemeinde mit 16 000 Einwohnern – ohne Betonbausünden der Nachkriegszeit, die vielerorts die einst pittoresken Fischerdörfer und Hafenstädtchen der Côte d’Azur verschandeln. Der zwischen Toulon im Osten und Marseille im Westen gelegene Ortskern wirkt mit seinen pastellfarbenen Häusern wie ein Postkartenmotiv. Betrachtet man Fotos aus den 1930er und 1940er Jahren, so scheint sich Sanary seit jener Zeit kaum verändert zu haben. Bei der Wahl eines Zufluchtsorts, als ein Leben für viele Hitler-Gegner in Deutschland nicht mehr möglich war, spielte es allerdings wohl eine untergeordnete Rolle, wie malerisch sich diese Landschaft ausnahm.
„Wo das Licht heißer ist“: Um die Jahrhundertwende hatten zunächst Maler den Süden für sich entdeckt
Es gab mehrere Gründe dafür, dass es viele Exilanten nach Sanary zog – und dass sie von diesem Ort wussten. Bereits um die Jahrhundertwende hatten Künstler den Süden Frankreichs wegen seines einzigartigen Lichts entdeckt – selbst im Winter konnten sie dort in der freien Natur malen. „Der französische Künstler, der aus dem perlgrauen Licht von Paris sich keine neuen Inspirationen mehr holen zu können glaubt, besteigt den D-Zug und ist nach einer Nachtfahrt dort unten, wo das Licht härter und heißer, zugleich satter, blühender und trockener ist“, schrieben Erika und Klaus Mann, die beiden ältesten Kinder Thomas Manns und Schriftsteller wie ihr Vater, in ihrem 1931 erschienenen Reiseführer „Riviera“ aus der Reihe „Was nicht im Baedeker steht“.
In Sanary malten und trafen sich unter anderen die französischen Künstler André Masson und André Derain, der bulgarische Expressionist Jules Pascin und der aus Polen stammende Surrealist Moïse Kisling. Die Maler kamen in der kalten Jahreszeit, kehrten den Orten wie Estaque, Saint Tropez, Cagnes-sur-Mer oder eben Sanary in den Sommermonaten aber zugunsten der Metropolen Berlin, München, Paris oder Wien wieder den Rücken.
Eine zweite „Kolonie“, welche den beschaulichen Ort entdeckte, bestand aus Engländern und US-Amerikanern. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts waren betuchte Wintertouristen aus dem Norden Europas an die Côte d’Azur gereist, um ihre Leiden unter der südlichen Sonne zu kurieren. So hatte beispielsweise der Philosoph Friedrich Nietzsche in den 1880er Jahren fünf Winter in Folge in Nizza und Umgebung verbracht. Vor allem junge Engländerinnen waren zudem aus dem nasskalten Norden in den sonnigen Süden gereist, in der Hoffnung, von ihrer Tuberkulose befreit zu werden. Doch nicht selten war dieser Klimawechsel Gift für die angegriffenen Lungen, wie ein Besuch des anglikanischen Friedhofs in Nizza belegt.
Auch Katherine Mansfield wählte den Midi, um zu genesen. Die neuseeländische Schriftstellerin verliebte sich in Bandol und das benachbarte Sanary, wo sie während des Ersten Weltkriegs zwei Winter verbrachte. Die Autorin zahlreicher Kurzgeschichten schwärmte ihrem Freund, dem ebenfalls an Tuberkulose leidenden englischen Schriftsteller D. H. Lawrence, von diesem „zauberhaften Ort“ vor, und Letzterer empfahl diesen seinem Freund Aldous Huxley weiter.
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So kam es, dass sich Huxley zusammen mit seiner aus Belgien stammenden Frau Maria und seinem zehnjährigen Sohn Matthew 1930 in Sanary niederließ, denn er wollte nicht länger im faschistischen Italien bleiben, das zuvor ihre Wahlheimat gewesen war. Ausgerechnet im beschaulichen Sanary schrieb er „Brave New World“ („Schöne neue Welt“), den verstörendsten Zukunftsroman des 20. Jahrhunderts.
1933: Auf der Flucht vor den Nazis strömen deutsche Intellektuelle in den kleinen Fischerort
Es war also kein Zufall, dass nach der Machtübernahme Hitlers viele Intellektuelle, die aus Deutschland flohen, Sanary als Anlaufstelle wählten. „Wer den Ort gefunden hat, ist umstritten. Wir stießen schon nicht mehr auf die Ur-Einwohner. Als wir landeten, malten bereits [Moïse] Kießling [!] und [Erich] Klossowski dort, ein Sänger [Wilhelm Ulmer] aus München, der erste Parsifal außerhalb Bayreuths, schonte hier seine Stimme“, schrieb der Schriftsteller Ludwig Marcuse in seiner Autobiographie „Mein zwanzigstes Jahrhundert“. Den Weg hatten also die Künstler von Montparnasse und Schwabing einerseits und die anglophonen Schriftsteller andererseits geebnet, denn sie hatten bereits vor 1933 von diesem Ort gesprochen, der zum einen schön gelegen und diskret war und zum anderen mit kleinen Hotels, Pensionen, Cafés, einigen Geschäften und einem Kino ein Minimum an Komfort bot.
Darüber hinaus lebte der deutsche Kunsthistoriker Julius Meier-Graefe seit 1930 im benachbarten Saint-Cyr und half zahlreichen Exilanten, in Sanary und Umgebung Fuß zu fassen. Eine enge Freundschaft verband den großen Kenner des Impressionismus mit dem elsässischen Schriftsteller René Schickele, der 1932 Badenweiler im Markgräfler Land, seine „himmlische Landschaft“, so der Titel eines seiner Essays, verlassen hatte, um aus gesundheitlichen Gründen in Südfrankreich sesshaft zu werden. René Schickele lebte mit seiner Frau Anna und dem gemeinsamen Sohn Hans in der Villa „La Ben Qui Hado“ im Zentrum Sanarys, dessen Geschehen und Bewohner er beobachtete und zu seinem Roman „Die Witwe Bosca“ verarbeitete.
Dieses Buch, das 1933 im Berliner S. Fischer Verlag erschien, ist der Roman über Sanary schlechthin, das darin den leicht zu dechiffrierenden Namen „Ranas“ trägt. Anders, als man es bei diesem denkwürdigen Erscheinungsjahr vermuten würde, blendet „Die Witwe Bosca“ das aktuelle Zeitgeschehen komplett aus und ist vielmehr eine Hymne auf die Wahlheimat, die mit den Worten beginnt: „Die Jahreszeiten der Provence wechseln leise in der Nacht. Du siehst, du hörst sie nicht kommen. Eines Morgens wachst du auf und hast einen neuen Schatz.“
Auch wenn René Schickele weder einen Zeitroman noch einen historischen Roman, der das Hitler-Regime verdeckt kritisiert hätte, geschrieben hatte, war für den Elsässer – er wurde 1883 als Deutscher geboren und nahm nach 1918 die französische Staatsbürgerschaft an – seit Januar 1933 nicht mehr an eine Rückkehr nach Deutschland zu denken. Stattdessen half der überzeugte Pazifist gefährdeten Freunden dabei, vor den Nationalsozialisten zu fliehen. So diente seine Adresse in Badenweiler dazu, einige Habseligkeiten Thomas Manns aus München über den Umweg Baden nach Südfrankreich zu retten. In Sanary waren die Schickeles dem Literaturnobelpreisträger behilflich, eine Bleibe für sich, seine Frau Katia und die vier jüngeren Kinder Michael, Elisabeth, Monika und Golo zu finden.
Thomas Mann war anlässlich des 50. Todestages von Richard Wagner auf einer Vortragsreihe im Ausland unterwegs, als ihn und seine Frau die Nachricht von Hitlers Machtübernahme erreichte. Auf Drängen seiner politisch engagierten Kinder Erika und Klaus Mann kehrten die Manns nicht nach München zurück, sondern blieben im Ausland. „Wie merkwürdig!“, schrieb Thomas Mann an René Schickele. „Man verlässt sein Vaterland, um in Amsterdam und Paris über Richard Wagner zu sprechen, und als man zurück will, ist es einem davongelaufen.“ Man habe sich gar nicht mit dem Gedanken tragen müssen, ob man nun freiwillig emigrieren wolle oder nicht, hielt Katia Mann in ihrer Autobiographie „Meine ungeschriebenen Memoiren“ fest. Es folgten elf Exilstationen, bevor sich ein Teil der Familie Mann von Juni bis September 1933 in Sanary niederließ.
Der erste Exilsommer: wie ein großes Treffen der Intelligenz
Eine Tür war zugefallen. Trotzdem gaben sich im Sommer 1933 die meisten Exilanten der Illusion hin, dass das, was in Deutschland geschah, nicht von Dauer sein könne. Folglich glich der erste Exilsommer einem großen Treffen all derjenigen, die zur Intelligenz der Weimarer Republik gehört hatten.
Als man René Schickeles 50. Geburtstag im Garten seines Hauses in Sanary feierte, bedauerte Thomas Mann den kleinen Rahmen, worauf Katia Mann das Glas erhob und die Situation mit den Worten rettete: „Na, der Ehrentisch ist ohnehin hier versammelt, und damit wollen wir uns begnügen.“ Während Bertolt Brecht bald der „scheußlichen Ansichtspostkartenlandschaft“, wie er später an den befreundeten Schriftsteller Lion Feuchtwanger schrieb, überdrüssig wurde und nur einige Wochen blieb, wurden es bei Thomas Mann fast vier Monate. Und Ludwig Marcuse sowie Lion Feuchtwanger blieben mehrere Jahre.
Der idyllische, aber kulturell unbedeutende Ort wurde im Lauf des Sommers 1933 zum Zentrum des literarischen Exils. So reiste beispielsweise der Autor und Lektor Hermann Kesten aus Amsterdam in den Midi, um dort Exilschriftsteller für die deutsche Abteilung des holländischen Verlags Allert de Lange zu werben. Klaus Mann plante wiederum von Sanary aus seine sowohl literarische als auch politische Exilzeitschrift „Die Sammlung“, die unter dem Patronat seines Onkels, des Schriftstellers Heinrich Mann, des späteren französischen Literaturnobelpreisträgers André Gide und von Aldous Huxley stand. „Die Sammlung“ sollte trotz ihres kurzen Bestehens von nur zwei Jahren zur bedeutendsten Zeitschrift des Exils werden.
Klaus Mann schrieb aus Sanary an den in Deutschland gebliebenen Schriftsteller Gottfried Benn. Er warf dem expressionistischen Lyriker vor, sich nicht gegen Hitler zu äußern und Deutschland nicht zu verlassen. Statt Klaus Mann direkt auf seinen Brief zu antworten, verlas Gottfried Benn seine „Antwort an die literarischen Emigranten“ im Rundfunk und griff damit alle Exilanten an, die seiner Meinung nach in französischen Badeorten untätig herumsäßen. Der Graben zwischen der Literatur „drinnen“ und der Literatur „draußen“ war von da an unüberwindbar.
Wer kein Haus hat, dem bleibt als Treffpunkt nur das Café
Doch noch ein Graben wurde im Exil immer größer, nämlich der zwischen den von Aldous Huxley als „Dichterfürsten“ bezeichneten Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und Franz Werfel und den „Exilbettlern“, zu denen laut Hermann Kesten alle anderen Exilanten gehörten. Während Thomas Mann, René Schickele und Lion Feuchtwanger in den weitläufigen Gärten und auf den Terrassen ihrer Häuser Lesungen veranstalten konnten, hatten die anderen Exilanten nur einen Treffpunkt: das Café. In Sanary waren es „La Marine“, „Chez Schwob“ und „Café de Lyon“, die nebeneinander am Hafen lagen und die man noch heute besuchen kann.
Dieser Ort war für die meisten Exilanten die einzige Möglichkeit, sich zu treffen, denn es fehlten ihnen die eigenen vier Wände. Hermann Kesten schreibt dazu in „Dichter im Café“: „Im Exil wird das Café zu Haus und Heimat, Kirche und Parlament, Wüste und Wallstatt, zur Wiege der Illusionen und zum Friedhof. Das Exil macht einsam und tötet. Freilich belebt es auch und erneuert. Im Exil wird das Café zum einzigen kontinuierlichen Ort … Ich saß im Kaffeehaus des Exils und schrieb.“
Das Café war auch der einzige Ort, an dem man theoretisch in Kontakt zur Bevölkerung Sanarys treten konnte. Doch diesen suchten die wenigsten. Sanary bot die ideale Abgeschiedenheit, um in Ruhe arbeiten zu können. So waren die sieben Jahre, die Lion Feuchtwanger in Sanary verbrachte, die produktivsten seines Lebens. Während dieser Zeit brachte er unter anderem die Exilromane „Die Geschwister Oppermann“ (1933) und „Exil“ (1939), Teil zwei seiner „Josephus“-Trilogie („Die Söhne“, 1935), den historischen Roman „Der falsche Nero“ (1936), den Reisebericht „Moskau 1937“ und Teile seiner autobiographischen Aufzeichnungen über Internierung und Flucht („Der Teufel in Frankreich“, 1942) zu Papier.
Brauchte er kulturelle Abwechslung, fuhr er nach Paris – und freute sich danach wieder über die Rückkehr nach Sanary. Liest man folgenden Abschnitt aus „Der Teufel in Frankreich“, würde einem niemals in den Sinn kommen, dass er von einem Exilort spricht: „Wenn ich etwa, von Paris mit dem Nachtzug zurückkommend, des Morgens das blaue Ufer wiedersah, die Berge, das Meer, die Pinien und Ölbäume, wie sie die Hänge hinaufkletterten, wenn ich die aufgeschlossene Behaglichkeit der Mittelmeermenschen wieder um mich fühlte, dann atmete ich tief auf und freute mich, dass ich mir diesen Himmel gewählt hatte, unter ihm zu leben. Und wenn ich dann den kleinen Hügel hinauffuhr zu meinem weißen, besonnten Haus, wenn ich meinen Garten wiedersah in seiner tiefen Ruhe und mein großes, helles Arbeitszimmer und das Meer davor und den launischen Umriss seiner Küste und seiner Inseln und die endlose Weite dahinter und wenn ich meine lieben Bücher wieder hatte, dann spürte ich mit all meinem Wesen: hier gehörst du hin, das ist deine Welt. Oder wenn ich etwa den Tag über gut gearbeitet hatte und mich nun in der Stille meines abendlichen Gartens erging, in welcher nichts war als das Auf und Ab des Meeres und vielleicht ein kleiner Vogelschrei, dann war ich ausgefüllt von Einverstandensein, von Glück.“
Im September 1939 endet das mediterrane Glück
Mit diesem „Glück“ war es spätestens mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auch für die begüterten Exilanten vorbei. „Das gastliche Frankreich wurde vorübergehend zum ungastlichsten Land der westlichen Hemisphäre“, hielt der deutsche Schriftsteller Alfred Kantorowicz fest. Schon Mitte September 1939 wurden alle deutschsprachigen Exilanten Sanarys erstmals in der Ziegelei von Les Milles in der Nähe von Aix-en-Provence interniert. Auf den offiziellen Dokumenten der Stadt war plötzlich nicht mehr von „sujets allemands“ oder „sujets autrichiens“, also deutschen oder österreichischen Staatsbürgern, sondern von „ressortissants ennemis“, zu Deutsch „feindlichen Ausländern“, zu lesen.
Zwar hatte die Bevölkerung Sanarys zuvor keinen Kontakt zu den Exilanten gepflegt, aber man war im Ort schon immer an Touristen gewöhnt gewesen und sah die zahlenden Exilanten als solche an. Doch das Verhalten der Sanaryens änderte sich nun schlagartig: Schnell listete man die Besitztümer der begüterten Feinde auf, zum Beispiel das Luxusauto von Marta und Lion Feuchtwanger oder die Dunkelkammer der Fotografin Ilse Salberg – all dies wertete man als Beweis für deren vermeintliche Spionagetätigkeit.
Doch es gab auch Sanaryens, die Exilanten bewusst schützten. Am 13. Mai 1940 erblickte im Krankenhaus von Ollioules, das zu Sanary gehörte, die Tochter des deutschen Arztes und Schriftstellers Friedrich Wolf das Licht der Welt. Drei Tage nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Frankreich war die kleine Catherine als Kind eines deutschen Kommunisten – ihr Halbbruder war der später berüchtigte Chef der DDR-Auslandsspionage Markus Wolf – und einer deutschen Jüdin und Kommunistin in der südfranzösischen Provinz geboren worden, während ihr Vater in Le Vernet, einem der schlimmsten Internierungslager Frankreichs, inhaftiert war. Hätte das Krankenhauspersonal nach den geltenden Bestimmungen gehandelt, hätte es die in den Wehen liegende Ruth Herrmann an die Behörden ausliefern müssen. Doch es gab an, unter den Wöchnerinnen gebe es keine deutschsprachigen Frauen, und rettete damit Mutter und Kind das Leben, die anschließend gemeinsam nach Mexiko weiterfliehen konnten.
Was wurde aus den deutschsprachigen Intellektuellen, die seit 1933 in Sanary lebten? Schaut man auf die Gedenktafeln entlang dem „parcours des exilés“, der seit Beginn der 2000er Jahre durch den Ort führt, ist offenkundig, dass es die „Hauptstadt der deutschen Literatur“, wie Ludwig Marcuse Sanary in seiner Autobiographie nannte, spätestens seit 1942 nicht mehr gab. Das Exil hatte die Sanary-Exilanten weitergetrieben, die meisten in Richtung Westen in die Vereinigten Staaten, einige in Richtung Osten in die Sowjetunion.
Die wenigsten blieben in Sanary. Der Flaneur und Schriftsteller Franz Hessel starb 1941 an den Folgen der zweiten Internierung (Mai/Juni 1940) in Sanary und wurde auf dem dortigen Friedhof begraben. Der Maler Erich Klossowski, Vater des Malers Balthus und des Philosophen Pierre Klossowski, starb nach dem Zweiten Weltkrieg unbehelligt, aber vergessen in Sanary. Der Hörspielpionier Hans Arno Joachim wurde im Februar 1944 festgenommen, über Drancy nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, ebenso wie Ernst Meyer, der Sohn der Fotografin Ilse Salberg.
Die meisten Sanary-Exilanten, darunter Bertolt Brecht, Ludwig Marcuse, Thomas Mann mit Familie, Marta und Lion Feuchtwanger, Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel, trafen sich in Los Angeles wieder, wo viele von ihnen versuchten, für die Hollywood-Studios zu arbeiten. Die Nachbarn waren dieselben wie in Sanary, nur die Distanzen waren größer, weshalb Lion Feuchtwanger Los Angeles ein „gigantisches Sanary“ nannte – eine zweite Illusion unter Palmen, diesmal am Pazifik.
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