In der unmittelbaren Nachkriegszeit fand etwa eine Viertelmillion Juden eine vorübergehende Heimat in sogenannten DP-Camps, die die Alliierten im besetzten Deutschland einrichteten. Während die Überlebenden des Holocaust und Flüchtlinge aus Osteuropa meist auf ihre Weiterreise nach Palästina bzw. Israel oder auch die USA warteten, entwickelten sich unter den Displaced Persons provisorische Gesellschaften mit einer lebendigen Alltagskultur. Dazu gehörte auch die Produktion von hunderten von Schriften, wie etwa Zeitungen, zionistische Pamphlete oder auch Liederbücher. Die Staatsbibliothek zu Berlin widmet sich seit 2009 der Sammlung dieser Werke.
Unbekanntes Kapitel jüdischer Präsenz in Deutschland
Das Jüdische Museum Berlin zeigt nun etwa 40 dieser seltenen Publikationen aus DP-Lagern in den westlichen Besatzungszonen und beleuchtet damit ein wenig bekanntes Kapitel jüdischer Präsenz in Deutschland. Ausgestellt sind neben Nachrichtenblättern, politischen Traktaten oder Schulbüchern auch Prosa- und Gedichtbände. Die Publikationen sind meist weder aufwendig ausgestattet noch prächtig illustriert. Nichtsdestotrotz sind sie wertvolle Zeugnisse jüdischen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg.
Zwischen Vergangenheit und Zukunft
So zeigen gerade die autobiografischen Texte eindrucksvoll, wie die Überlebenden unmittelbar nach Kriegsende damit begannen, über ihre traumatische Vergangenheit zu schreiben. Auch Zeitschriften wie beispielsweise „Fun leztn Churbn” (Von der letzten Zerstörung) thematisierten die schrecklichen Erfahrungen der Juden während der NS-Zeit. Gleichzeitig deuten Titel wie „Unser Mut”, „Unser Weg” oder „Unterwegs” aber auch die Hoffnung auf einen Aufbruch in ein neues Leben an. Einige Texte zeigen außerdem, wie die jüdischen Displaced Persons ihre momentane Situation in Deutschland wahrnahmen: Die Begegnung mit der deutschen Zivilbevölkerung war vor allem von Hass und Trauma gezeichnet.
Die Ausstellung „Im fremden Land” ist noch bis Dezember 2015 im Rafael Roth Learning Center im Jüdischen Museum Berlin zu sehen.





