Das austrofaschistische Regime unter Kurt Schuschnigg war Anfang 1938 so geschwächt, dass Österreich zur leichten Beute Hitlers wurde: außenpolitisch isoliert, innenpolitisch destabilisiert, von Berlin massiv unter Druck gesetzt. Darüber hinaus begrüßte es ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung, wieder…
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Seit der Annäherung Benito Mussolinis an Hitler-Deutschland in den Jahren 1936/37 hatten Österreich und sein autoritäres konservativ-klerikales Regime den letzten ernsthaften Verbündeten verloren. Der Einfluss der noch illegalen Nazi-Bewegung nahm vor diesem Hintergrund immer mehr zu, und der systematische Druck aus Berlin wurde besonders seit Herbst 1937 verstärkt. Ein gewichtiger Teil der österreichischen Nazis drang ohnehin darauf, die Angliederung Österreichs an das Deutsche Reich, den „Anschluss“, möglichst bald zu vollziehen. Als im Januar 1938 ein von Hermann Göring beförderter, als „Aktionsprogramm 1938“ bezeichneter Übernahmeplan aufgedeckt wurde, verschaffte dies dem diktatorisch regierenden österreichischen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg scheinbar eine Atempause.
„Berchtesgadener Abkommen“: Ergebnis von Bluff und Überrumpelung
In dieser angespannten Situation schien die Einladung Adolf Hitlers an Schuschnigg zu einem Treffen auf dem Obersalzberg am 12. Februar 1938 der Beruhigung der Lage zu dienen. Jedenfalls ließ dies der deutsche Botschafter in Wien, Franz von Papen, den österreichischen Gast glauben. Tatsächlich sollte das Treffen jedoch durch eine inszenierte massive Einschüchterung des Österreichers den raschen Weg zur – je nach Sicht der Dinge – Okkupation (völkerrechtlich gesehen) bzw. Annexion des Nachbarlandes weisen. Trotz aller scharfen Drohungen mit dem sofortigen Einmarschbefehl an die deutschen Truppen – tatsächlich ein plumper Bluff – wurde allerdings von Seiten der NS-Spitze nach wie vor die Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich auf „evolutionärem Weg“ bevorzugt, da, so Hitler, eine „außenpolitische Gefährdung von Jahr zu Jahr geringer“ werde.
Der überraschte und geschockte Schuschnigg knickte ganz im Sinn der von Hitler geplanten Inszenierung völlig ein und unterschrieb das Berchtesgadener Abkommen. Dieses ebnete den Weg zu einer kampflosen Übernahme, indem Arthur Seyß-Inquart – ein österreichischer, katholischer Nazi-Sympathisant – das Innen- und Sicherheitsministerium übernahm und der Generalstabschef des österreichischen Heeres und erklärte „Anschluss“-Gegner, Alfred Jansa, zum Rücktritt genötigt wurde. Zudem signalisierte die ebenfalls im Abkommen vereinbarte, bereits am 16. Februar umgesetzte Amnestie den österreichischen Nazis, dass nun ihre Stunde gekommen war.
Unmittelbar nach Bekanntwerden des Abkommens begann eine Serie immer neuer Provokationen österreichischer Nationalsozialisten. Diese Aktionen irritierten Schuschnigg und den radikalen Kern seiner Anhänger so stark, dass er sich noch einmal zu entschiedenem Widerstand aufraffte. Selbst jetzt zögerte er aber, ein wie auch immer geartetes Bündnis mit den oppositionellen Sozialdemokraten einzugehen. Bei einem Treffen mit der illegalen Gewerkschaftsspitze war er nur zu unverbindlichen Zusagen bereit. Immerhin raffte sich der Kanzler zu einer letzten verzweifelten Tat auf: Am 9. März 1938 gab er im Rahmen einer Versammlung der „Vaterländischen Front“, der Einheitspartei des Regimes, in Innsbruck die Abhaltung einer Volksbefragung unter dem Motto „Für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, für ein christliches und einiges Österreich“ bekannt.
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Das Vorhaben war jedoch schon kurz zuvor nach Berlin verraten worden, worauf die NS-Führung ultimativ die Zurücknahme der Entscheidung des Kanzlers forderte. Am 11. März sagte Schuschnigg die Befragung schließlich unter massivem deutschem Druck ab. Er trat zurück, und Seyß-Inquart übernahm als Kanzler die Macht. Nun überschlugen sich die Ereignisse. Da kein ernsthafter militärischer Widerstand mehr zu befürchten war, gab Hitler um 20.45 Uhr den Einmarschbefehl: Am 12. März wurde mit dem Einmarsch deutscher militärischer Einheiten sowie von Polizei- und SS-Formationen – insgesamt rund 130 000 Mann – die Angliederung Österreichs de facto vollzogen, und am 13. März besiegelte ein von der österreichischen Regierung unter Seyß-Inquart beschlossenes Bundesverfassungsgesetz über die „Wiedervereinigung mit dem Deutschen Reich“ in Verbindung mit einem entsprechenden deutschen Reichsgesetz den neuen Status auch rechtlich.
„Anschluss-Taumel“ und Hitlers Rede auf dem Wiener Heldenplatz
Die deutschen Einheiten rückten ungehindert vor, begleitet von einem beispiellosen Freudentaumel der österreichischen Bevölkerung. Wer die Propaganda-Bilder jener Tage kritisch analysiert, muss berücksichtigen, dass sie die stille Wut, die Angst und Lähmung der Hitler-Gegner im Land – seien es die Anhänger des alten Regimes, seien es Sozialdemokraten, Kommunisten oder Monarchisten, ganz zu schweigen von der jüdischen Bevölkerung – natürlich nicht einfingen. Zudem sorgte die dank der Hilfe österreichischer Nazis bereits gut funktionierende NS-Propagandamaschinerie dafür, dass der Jubel umfassend organisiert war.
Das war auch darum möglich, weil seit dem Abschluss des Berchtesgadener Abkommens eine Doppelherrschaft das öffentliche Leben in Österreich kennzeichnete. Es fiel den österreichischen Nazis daher nicht schwer, NSDAP-Anhänger aus allen Landesteilen nach Wien zu karren. Dazu kam die abkommandierte Belegschaft von Großunternehmen. Ein allgemeiner Dienstschluss in den Büros und außerordentliche Schulferien beförderten überdies den Zustrom zum Wiener Heldenplatz. Unveröffentlichte Kameraaufnahmen belegen dennoch, dass dieser gar nicht so vollständig mit Zuschauern gefüllt war, wie das die Bilder der NS-Propaganda suggerieren.
Aber ohne Zweifel verband ein beträchtlicher Teil der Massen mit dem „Anschluss“ einen Befreiungsschlag, der sich zu einem geradezu ekstatischen Erlebnis verdichtete. Den Höhepunkt des hysterischen Taumels bildete schließlich Hitlers Rede auf dem Heldenplatz am 15. März 1938. Darin verkündete er pathetisch als Vollzugsmeldung „vor der Geschichte“ den Eintritt seiner Heimat in das Deutsche Reich. Den Anblick der anschließenden zweistündigen Militärparade verbanden wohl nicht wenige Zuschauer mit dem Gefühl, wieder einer Großmacht anzugehören.
Tatsächlich folgte der Ablauf des „Anschlusses“ weniger einem festgelegten Plan, als es im Nachhinein scheinen mochte. Selbstverständlich war der Diktator voll davon überzeugt, dass mit diesem Akt eine längst überfällige gesamtdeutsche Vereinigung vollzogen würde. Und sicherlich ging für Hitler auch ein persönlicher Traum in Erfüllung. Anlässlich seiner von begeisterten Zuschauern begleiteten Fahrt von München über Linz nach Wien erinnerte sich Seyß-Inquart daran, der „Führer“ sei minutenlang sprachlos und zu Tränen gerührt gewesen.
Aber wie der Eingliederung Österreichs genau ablaufen sollte, war lange unbestimmt gewesen. Hitler sprach bezeichnenderweise im Oktober 1937 einmal von einem „Aufplatzen der
österreichischen Frage“. Eindeutig Hitlers Vergangenheit geschuldet waren jedoch mit dem „Anschluss“ verbundene, schon länger geplante erste Schritte. Mit Linz, seinem Schulort und dem Sterbeort seiner heißgeliebten Mutter, hatte er große Pläne, sein ehemaliges Scheitern in Wien (er hatte es nicht auf die Kunstakademie geschafft) konnte er jedoch trotz des Jubels, der ihm dort entgegenbrandete, nicht verwinden – überhaupt verachtete er die alte Donaumonarchie abgrundtief.
Entsprechend galt die Tilgung des Namens Österreich – aus Nieder- und Oberösterreich wurden Nieder- und Oberdonau, aus Österreich insgesamt die „Ostmark“ – nicht nur der Abkehr vom bisherigen österreichtümelnden Dollfuß-Schuschnigg-Regime, das auf einen „deutschen“ Österreich-Patriotismus gesetzt hatte, sondern auch der Zurückweisung des früheren Vielvölkerreichs. Dieses sah Hitler als „undeutsch“ an, und dessen Bevölkerung lehnte er zumindest in den von der slawischen und jüdischen Zuwanderung stärker betroffenen Teilen als „rassisch minderwertig“ ab. Daher wurde aus Österreich auch kein Land wie etwa Bayern, sondern es wurde in sieben Reichsgaue aufgeteilt. Wien verlor dabei seine Hauptstadtfunktion.
Unmittelbarer Auslöser der Ereignisse war die Initiative Schuschniggs, eine Volksbefragung abhalten zu wollen. Daraus entwickelte sich mehr oder minder ad hoc der Einmarschbefehl („Einsatz Österreich“), dessen es dann gar nicht bedurft hätte. Was danach kommen sollte, stand keineswegs im Detail fest. Hitler ging bei seiner Fahrt von München nach Linz noch von einer Personal- und Wirtschaftsunion aus, die als erster Schritt gedacht war. Erst nach der Woge der Euphorie, die ihn begleitete, und angesichts des nicht vorhandenen Widerstands änderte er seine Pläne in Richtung einer sofortigen „Wiedervereinigung“. Zu diesem Zweck musste übrigens die historische Realität einigermaßen verbogen werden, denn „wiedervereinigt“ konnte eigentlich nur das 1806 erloschene „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ werden – und das war kein moderner Nationalstaat gewesen.
Innerhalb der NS-Spitze drängte besonders Hermann Göring zur Eile. Seine kriegswirtschaftlichen Ziele ließen sich nur durch den baldigen Zugriff auf die Gold- und Devisenreserven der Österreichischen Nationalbank – immerhin im Wert von rund 230 Millionen Reichsmark –, die Ausbeutung von in Österreich befindlichen Bodenschätzen (besonders Eisen, aber auch Mangan, Wolfram, Blei, Zink) und die Nutzung vorhandener Energiequellen (Wasserkraft, Erdöl) erreichen. Zudem lockten rund drei Millionen österreichische Arbeitskräfte, deren Potential in einer von der Weltwirtschaftskrise gebeutelten und daher unterausgelasteten Volkswirtschaft nicht ausgeschöpft war. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil des „Anschlusses“ lag auch in dem damit verbundenen Ausgreifen Hitler-Deutschlands Richtung Ostmittel- und Südosteuropa. Der Griff nach der Tschechoslowakei wurde nun immer wahrscheinlicher.
Die neuen Machthaber verlieren keine Zeit und sind gut vorbereitet
Die Machtübernahme vollzog sich in drei Phasen. Phase eins: Unmittelbar nach der Radioansprache von Schuschnigg, die dieser mit „Gott schütze Österreich“ beendet hatte, verschwanden die in der Hoffnung auf ein baldiges „Pro-Österreichisches-Plebiszitergebnis“ auf den Straßen präsenten Anhänger des alten Regimes, die sich zuvor Schreiduelle mit den Nazi-Anhängern geliefert hatten, innerhalb kurzer Zeit aus dem öffentlichen Raum.
Gleichzeitig tauchten aber auch die österreichischen Nazis ab – nur zu einem ganz anderen Zweck. Denn am Abend des 11. März erklärte Seyß-Inquart alle illegalen SA- und SS-Angehörigen zur Hilfspolizei. Allein in Wien schwärmten in kurzer Zeit Tausende österreichische SA- und etwa 500 SS-Leute aus. Sie begannen, die jüdische Bevölkerung und andere NS-Gegner, soweit sie ihrer habhaft werden konnten, zu terrorisieren und oft auch zu verprügeln. Vereinzelt kam es bereits zu Morden.
Beteiligt waren daran auch die Mitglieder der „Österreichischen Legion“, Nazis, die, um der politischen Verfolgung in Österreich zu entgehen, nach Deutschland geflüchtet waren. Seit dem 12. März verwandelten sich die Übergriffe in einen kollektiven, etwa sechs Wochen andauernden Raubzug, den auch „Trittbrettfahrer“ zu nutzen wussten. Wohnungen jüdischer Familien wurden gestürmt und geplündert sowie die Bewohner gezwungen, ihre Wertgegenstände auszuliefern, Geldvermögen zu überweisen und die letzten Habseligkeiten herzugeben.
Besonders schlimm verlief der Terror in Wien und in den jüdischen Gemeinden des Burgenlandes. Die pogromartigen, zunächst durchaus vom Regime wohlwollend unterstützten Ausschreitungen gewannen eine derartige Eigendynamik, dass es selbst dem von Hitler als Chef der NSDAP in der Ostmark eingesetzten späteren Gauleiter von Wien, dem Saarländer Josef Bürckel, erst Ende April gelang, die Situation in den Griff zu bekommen.
Phase zwei: Die NS-Machtübernahme von oben steuerte nicht der als Reichsstatthalter installierte Seyß-Inquart, sondern Bürckel, dessen starke Stellung dadurch unterstrichen wurde, dass er direkt Hitler unterstand. Mit sofortiger Wirkung wurden alle Juden (im Sinn der Nürnberger Rassengesetze) und Anhänger des alten Regimes aus dem öffentlichen Dienst entlassen und zumeist durch Parteigenossen ersetzt. Die sozialdemokratisch gesinnte Arbeiterschaft, soweit sie nicht schon opportunistisch durch die Hoffnung auf Arbeit und höhere Löhne zu den Nationalsozialisten abgewandert war, wurde hingegen umworben, auch weil ursprünglich mit Widerstand im ehemals „Roten Wien“ gerechnet worden war.
Lediglich von Seiten der Kommunisten und Monarchisten bildeten sich Widerstandszellen, ohne allerdings irgendwelchen Einfluss auf die Geschehnisse nach der Machtübernahme zu haben. Eine von SA, SS und Gestapo durchgeführte Massenverhaftungswelle sorgte dafür, dass eine nahezu vollständige Einschüchterung von Schwankenden und eventuell Widerstandswilligen gelang. Rund 70 000 Personen gerieten zumindest kurzfristig in Haft, manche sogar mehrmals. Offiziell einige hundert, tatsächlich wohl eine weit größere Zahl, begingen aus Verzweiflung Selbstmord.
Phase drei: Noch viel früher als „sein Führer“ landete Heinrich Himmler am Morgen des 12. März auf dem Flugfeld Aspern in Wien. Und Himmler leitete jene dritte Phase der Machtübernahme, jene von außen, umgehend ein. Die Exekutive wurde bereits am 12. März 1938 von reichsdeutscher Polizei und SS übernommen und konnte durch die vom österreichischen Sicherheitsdienst der SS geführte „Gegnerkartei“ gezielt auf Amtsträger des ehemaligen Regimes zugreifen. Von Wien führte Himmler der Weg in das an der Donau gelegene Mauthausen. Himmler und der Chef des SS-Hauptamtes Verwaltung und Wirtschaft, Oswald Pohl, besichtigten auch Gusen, um die dortigen Steinbrüche auf ihre Tauglichkeit als Konzentrationslager zu prüfen. Bereits am 16. Mai 1938 nahm das Konzentrationslager seinen provisorischen Betrieb auf.
Vorerst mussten Gegner des Regimes und rassisch Verfolgte freilich anders „versorgt“ werden. Im Lauf des Jahres 1938 wurden rund 8000 Österreicher in das KZ Dachau gebracht, schon auf der Hinfahrt geschlagen, gedemütigt, bis zur physischen Vernichtung gequält. Am 1. April 1938 fand der erste „Prominententransport“ statt. Die Flucht gelang nur wenigen, auch weil die Tschechoslowakei und Ungarn alle am 11. März abends Flüchtenden mit österreichischem Pass wieder über die Grenze „zurück ins Reich“ schickten. Schon bald nach dem „Anschluss“ setzte eine Auswanderungswelle ein, die es einem Teil der jüdischen Bevölkerung unter Verlust nahezu ihres gesamten Vermögens erlaubte, in das westliche Ausland zu fliehen.
99,7 Prozent Zustimmung: der Traum jedes Propagandisten
Zur nachträglichen Legitimierung des „Anschlusses“ – das sah bereits das einschlägige Bundesverfassungsgesetz vor –, bedurfte es einer Volksabstimmung, die nun aber nicht nur in Österreich, sondern im ganzen Deutschen Reich abgehalten wurde. Um diese wunschgemäß ausfallen zu lassen, beauftragte Hitler Bürckel mit der Organisation der Wahlpropaganda. Und Bürckel enttäuschte Hitler nicht. Ein propagandistisches Trommelfeuer ergoss sich über jene, die vielleicht noch schwankten. Flugzettel, Plakate, Aufmärsche, Beflaggungen, Schmückungen öffentlicher Plätze, Massenausspeisungen, kollektive Kinobesuche und große, im Rundfunk übertragene Wahlreden sollten für eine überwältigende „Ja“-Stimmung sorgen. Dazu kam die Haltung oppositioneller Gruppierungen aus Sozialdemokratie, Kirche sowie der beträchtlichen tschechoslowakischen und slowenischen Minderheit, die durch ein „Ja“ zum „Anschluss“ einer künftigen Schlechterstellung oder gar der Verfolgung zu entgehen hofften.
Ohnehin blieb auch den Gegnern kaum etwas anderes übrig, als mit „Ja“ zu stimmen, da die Abstimmung in der überwiegenden Zahl der Wahllokale „offen“, also nicht in der Wahlkabine, durchgeführt wurde. Eindeutige Aufforderungen des Wahlleiters, das „Richtige“ anzukreuzen, begleiteten die Abstimmenden. Zudem waren von den 4,3 Millionen wahlberechtigten Frauen und Männern im Alter von 20 und mehr Jahren 240 000 von der Wahl ausgeschlossen, darunter etwa 200 000 Juden.
Es verwundert daher nicht weiter, dass die Volksabstimmung eine überwältigende Zustimmung zum „Anschluss“ erbrachte. Wahrscheinlich erscheint, dass unter demokratischen Bedingungen der Anteil der „Ja“-Stimmen sich in jenen Dimensionen bewegt hätte, wie diese für die von Schuschnigg geplante Volksbefragung mit rund 60 bis 70 Prozent von diesem selbst geschätzt wurde – nun allerdings mit umgekehrten Vorzeichen, einmal gegen und einmal für den „Anschluss“. Für diese Schätzung spricht auch die Reaktion aus Berlin auf die Ankündigung einer Volksbefragung seitens Schuschniggs. Dennoch war selbst der innere Kreis um Hitler vom Abstimmungsergebnis von 99,7 Prozent „Ja“-Stimmen überrascht. Ein solches Ergebnis hatte wohl selbst ein Propaganda-Profi wie Joseph Goebbels nicht erwartet.
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