Woher kam das Geld zum Kauf von Fürstentitel und Fürstentum? Wie der Ruhm der Dynastie beruht es ursprünglich auf der herausragenden Bedeutung des Francesco de Tassis (1459–1517). Ihm gelang es zu Be-ginn der Neuzeit, zunächst das Kurierwesen König Maximilians I. (1459–1519) zu organisieren, danach von dessen Sohn Philipp „dem Schönen“ von Burgund das Postwesen Burgunds übertragen zu bekommen und schließlich von Philipps Sohn Karl I. von Spanien (dem späteren Kaiser Karl V.) zum Generalpostmeister Spaniens in einem entstehenden Weltreich eingesetzt zu werden. Seine Posten revolutionierten das Kommunikationswesen, das man – in Abwandlung des von dem kanadischen Kommunikationswissenschaftler Herbert Marshall McLuhan geprägten Begriffs „Gutenberg-Galaxis“ – als „Taxis-Galaxis“ bezeichnen könnte. Das Postwesen der Taxis lieferte den Prototyp für die frühneuzeitliche Kommunikationsrevolution, der in ganz Europa und später der ganzen Welt nachgeahmt wurde.
Die Familie der Tassis (Taxis, Thurn und Taxis) stammt aus der Lombardei. Im Umfeld des Städtchens Cornello, im Hinterland von Bergamo, florierten im Spätmittelalter mehrere Zweige der Sippe der Tassi. Die Schreibweise des Namens variierte, wie damals üblich. Tasso ist das italienische Wort für Dachs, und dieser war und ist tatsächlich das Wappentier der Familie. In den romanischen Ländern hieß sie meist „de Tassis“, in den deutschsprachigen Ländern und in Böhmen „von Taxis“. Der Einfachheit halber nennen wir sie hier alle „Taxis“.
Bergamo war im Frühmittelalter Mittelpunkt eines langobardischen Herzogtums. Im Spätmittelalter waren die lombardischen Städte unter die Herrschaft der Herzöge von Mailand geraten, einem Lehen des Heiligen Römischen Reiches. 1428 wurde das Gebiet um Bergamo der Republik Venedig einverleibt, zu der es bis in die Zeit Napoleons gehörte.
Diese Verbindung wurde für die Taxis schicksalhaft. Denn wie andere Männer aus den Alpen verdingten sich Familienmitglieder in Venedig als Kuriere, zusammengeschlossen in der Zunft der „Corrieri bergamaschi“. Auch wenn die Taxis in ihrer Heimat wohl einer Art niederem Stadtadel angehörten – Berufsbezeichnungen lauten etwa „notarius“ oder „publicus mercator“ –, darf man sich ihre Posi-tion bei den Kurieren nicht allzu gehoben vorstellen. Den Nachkommen von Mutius de Tassis (gest. 1450), zu denen auch der Dichter Torquato Tasso zählt, gelang jedoch der Sprung nach Rom, wo der Kaufmann Ser Alessandro de Tassis de Cornello (gest. 1485) eine Bank betrieb. Die Söhne dieses Alessandro/Sandro, die sich Sandri nannten, nahmen als erste im Nachrichtenwesen eine gehobene Stellung ein.
Der „nobilis et egregius vir“, der „edle und hervorragende Mann“ Christophorus Sandri (gest. 1488) war Kuriermeister des Papstes Sixtus IV. (1471–1484) und venezianischer Botenmeister in Rom. Die Sandri leiteten das päpstliche Kurierwesen von 1474 bis 1539. Diese römischen Taxis errichteten in ihrer Heimatstadt Cornello Paläste und stifteten aufwendige Grablegen. Auch Franz von Taxis stiftete noch 1515 eine Glocke für die Kirche Santa Maria Camerata bei Cornello. Zu dieser Zeit war er bereits spanischer Generalpostmeister mit Sitz in Brüssel.





