Der weltweit gewaltigste Tempelkomplex in Kambodscha, Angkor Wat, das Taj Mahal oder das längste Bauwerk, die Chinesische Mauer, zeugen noch heute von der Größe und Macht vergangener Imperien des frühen Asiens. Ihren Bauherren widmet sich das 240 Seiten starke Werk des australischen Historiker Jim Masselos, der sich zusammen mit einem internationalen Expertenteam mit den mächtigen Reichen Asiens auseinandergesetzt hat. Durch die europazentrierte Geschichtsschreibung sind diese bei uns vornehmlich im Hintergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Autoren spannen den Bogen von den alten Khmer bis zu den Meiji und werfen einen Blick auf die Blütezeit der großen Reiche, die im Laufe der letzten 1000 Jahre ganze Regionen beherrschten und prägten, lange bevor die Europäer vor 200 oder 300 Jahren einen Fuß in diese Landstriche setzten. Dass der Einfluss asiatischer Reiche nicht nur auf das ferne Asien beschränkt war, sondern ihr Wirken auch direkte weltpolitische Auswirkungen auf Europa besaß, zeigt sich beispielsweise an den Mongolen, die 1241 vor den Toren Wiens aufzogen. Mit dem Mongolenreich, das der größte zusammenhängende Herrschaftsbereich der Weltgeschichte war, unterstreicht ein weiterer Superlativ die weltgeschichtliche Bedeutung jener Reiche.
Den Anfang macht eine einleitende Darstellung einiger charakteristischer Eigenarten asiatischer Imperien, ohne dabei einen systematischen Vergleich zu bieten. Das Werk betrachtet der Reihe nach die verschiedenen Regionen Asiens und die Imperien, die sie prägten. Zunächst stehen die Mongolen in Zentralasien (1206-1405) im Fokus der Betrachtung, denen sich die Ming in China (1368-1644), die Khmer in Südostasien (802-1566), die Osmanen in Kleinasien und darüber hinaus (1281-1922), die Safawiden in Persien (1501-1722), das Mogulreich in Indien (1526-1858) und die Meiji-Restauration in Japan (1868-1945) anschließen. Mit Hilfe vieler Abbildungen, Karten und Zeichnungen wird jeweils ein facettenreiches Bild der Imperien geboten. Themen sind dabei die Zentren und Formen der Macht, deren politische und wirtschaftliche Entwicklung sowie ideellen Strukturen und wichtige kulturelle und zivilisatorische Leistungen, die zusammen mit Porträts charismatischer Persönlichkeiten eine lebendige Überblicksdarstellung der imperialen Geschichte Asiens bieten.
Rezension: Philipp Pilson





