Imre Josef Demhardt, Aufbruch ins Unbekannte. Legendäre Forschungsreisen von Humboldt bis Hedin. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2011, 168 Seiten, € 39,90. Mehr zum Thema Ulli Kulke, Vasco da Gama. Die Suche nach den Gewürzinseln. Verlag Frederking & Thaler, München 2011, 136 Seiten, € 24,95. Peter Laufmann, Richard Francis Burton. Reise ins Herz Afrikas. Verlag Frederking & Thaler, München 2011, 136 Seiten, € 24,95. Ray Howgego, Das Buch der Entdeckungen. Primus Verlag, Darmstadt 2010, 359 Seiten, € 49,90.
deren Karten – ein reiches Quellenmaterial zur Verfügung. Es hat sich wahrlich gelohnt, dieses aus den Archiven zu holen. Allerdings muss kritisch angemerkt werden, dass die heutige Drucktechnik offenbar nicht mehr in der Lage ist, die Schärfe von Karten und Beschriftung adäquat wiederzugeben. Der Autor, durch zahlreiche kleine Arbeiten zu diesem Quellenmaterial ausgewiesen und derzeit Inhaber einer Professur für Geschichte der Geographie an der Universität Arlington (Texas), ordnet sein umfangreiches Material den Biographien der von ihm ausgewählten deutschsprachigen Forscher zu. Dabei wird dem langjährigen Herausgeber der genannten Zeitschrift August Petermann auch die Ehre eines eigenen Kapitels zuteil. Er war allerdings weniger als Reisender denn als Organisator und Netzwerker tätig, sorgte für die Publikation von Reiseeindrücken und Forschungsergebnissen und bemühte sich intensiv um die Finanzierung aufwendiger Unternehmungen. Galt das Hauptaugenmerk der bedeutenden Reisen nach Alexander von Humboldts Südamerika-Reise zunächst vor allem Afrika (Heinrich Barth, Johann Krapf, Gerhard Rohlfs unter anderen), so fehlten später auch die Polargebiete (Julius von Payer, Carl Weyprecht, Erich von Drygalski, Alfred Wegener), Südamerika (Rudolf Philippi, Johann von Tschudi) und der Orient (Alfred Philippson), Zentralasien (Sven Hedin) und der Pazifik (Otto Finsch) nicht. Exkurse zur Methode der Geländeaufnahme und Gegenüberstellungen von Karten unterschiedlichen Erkenntnisstandes verdeutlichen, wie die bis dahin unbekannten Zonen auf den Landkarten verzeichnet werden konnten. Die Kriterien für die Auswahl der Entdecker werden nicht ganz deutlich und sind vermutlich durch das kartographische Quellenmaterial und die vielfach zitierten Vorarbeiten des Autors bedingt. Neben denjenigen, denen ein eigenes Kapitel gewidmet wurde, finden noch andere
Reisende Erwähnung, die innerhalb der Kapitel exkursartig vorgestellt werden. Die Tatsache, dass die zahlreichen Exkurse mehr als den Umfang des fortlaufenden Textes einnehmen und diesen immer wieder unterbrechen, erschwert einerseits eine durchgängige Lektüre, ermöglicht es aber andererseits, zusätzliche Informationen und Kartenbeispiele einzubinden. Prof. Dr. Jörg Stadelbauer
Boykott von unten Das Thema antijüdischer Boykott dürfte bei vielen historisch Interessierten ähnliche Assoziationen hervorrufen, weil in den Fernsehdokumentationen der letzten 20 Jahre stets dieselben Filmaufnahmen zu sehen waren: SA-Männer ziehen in Berlin am 1. April 1933 vor jüdischen Geschäften mit Plakaten auf und skandieren: „Deutsche, wehrt euch, kauft nicht bei Juden!“ Dabei entsteht beim heutigen Fernsehzuschauer unweigerlich der Eindruck, dass antijüdische Boykottaktionen ein Spezifikum des NS-Regimes und reichsweit von oben nach unten organisiert gewesen seien – eine Vorstellung, die





