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In den Händen der Korsaren
Jahrhundertelang war die Verschleppung in die Sklaverei auch für Europäer eine reale Gefahr. Die Raubzüge nordafrikanischer Piraten waren besonders berüchtigt. Die Berichte befreiter Sklaven über ihre Jahre in Gefangenschaft entwickelten sich zu einer eigenen literarischen Gattung.
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Der deutsche Kaufmannssohn Balthasar Sturmer segelte in den 1530er Jahren mit einer Schiffsladung Weizen seines Vaters nach Spanien. Den Erlös verprasste er dort innerhalb weniger Wochen. Mittellos heuerte er für einen Monatssold von zwei Dukaten auf einem christlichen Piratenschiff als Büchsenmachergehilfe an. Die Kaperfahrt war erfolgreich: Ein Dutzend türkischer Handelsschiffe fiel der Besatzung in die Hände. Die Beute machte die Männer reich. Sturmer und jeder seiner Mitstreiter kamen in den Besitz von 2000 Dukaten, also ein Tausendfaches des eigentlichen Monatslohns.
Einmal auf den Geschmack gekommen, beschlossen Sturmer und einige andere Besatzungsmitglieder, sich als Piraten im Mittelmeer selbständig zu machen. Sie wollten sich für 150 000 Dukaten eine Galeere bauen lassen. Doch nahe Sizilien griffen plötzlich türkische Korsaren an. Sie töteten die halbe Mannschaft und verkauften die Überlebenden – unter ihnen der schwerverletzte Balthasar Sturmer – in muslimische Gefangenschaft. In der Folge wurde Sturmer zum Dienst an den Rudern einer türkischen Korsaren-Galeere gezwungen. Deren Kommandeur, Chaireddin Barbarossa, war im 16. Jahrhundert der bedeutendste Piratenfürst Nordafrikas.
In der Folge überschnitten sich die Erlebnisse des deutschen Kaufmannssohns mit geopolitischen Großereignissen im Mittelmeer. Sturmer nahm in den 1530er Jahren an zwei Kämpfen um die Stadt Tunis teil. Einmal als Belagerer im Gefolge von Chaireddin Barbarossa, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ganz Nordafrika mit der Ausnahme des Königreichs Marokko dem Einfluss des Osmanischen Reichs unterwarf. 1535 zählte Sturmer dann zu den Verteidigern der Stadt, als der römisch-deutsche Kaiser Karl V. Tunis angriff.
Letzteres Ereignis nutzte Sturmer dann zur Flucht: Während die Kaiserlichen die Mauern überwanden, lief er zu den habsburgischen Verbänden über. Seine Zeit als Sklave war damit zu Ende. Wir wissen all dies aus Balthasar Sturmers selbstverfasstem autobiographischem Bericht, der als Handschrift aus dem 16. Jahrhundert überliefert ist. Es ist eines der frühesten Zeugnisse der Mittelmeer-Piraterie und -Sklaverei, die noch drei Jahrhunderte für Angst und Schrecken sorgen sollte.
Das Schicksal von Hunderttausenden ist weitgehend in Vergessenheit geraten
Von Korsaren entführt, auf dem Sklavenmarkt verkauft und zu Zwangsarbeit auf einem fremden Kontinent gezwungen – so gestaltete sich in der frühen Neuzeit das Schicksal von Hunderttausenden Männern und Frauen. Während die karibische Piraterie auf der Jagd nach dem Gold und Silber der spanischen Kolonien sowie die Plantagensklaverei in der Neuen Welt noch immer allgemein bekannt sind, haben Korsaren und Freibeuter im Mittelmeer und das Schicksal ihrer Gefangenen im heutigen kulturellen Gedächtnis kaum Spuren hinterlassen. Doch von der Mitte des 16. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts hatten diese Phänomene enorme Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft.
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In der frühen Neuzeit behinderten das christliche Europa und das muslimische Nordafrika einander gegenseitig in ihren Handelsunternehmungen. Sie beauftragten aktiv Freibeuter oder tolerierten es zumindest, dass Piraten Schiffe oder die Küste der jeweils anderen Seite überfielen. So zeugen etwa die über 100 genuesischen Wachtürme an der Küste Korsikas von der damals omnipräsenten Bedrohung durch nordafrikanische Korsaren.
Diese Aktivitäten beschränkten sich aber nicht nur auf das Mittelmeer. Auch entlang der Atlantikküste, am Ärmelkanal und sogar darüber hinaus konnte man Opfer von Überfällen werden. Die begehrteste „Beute“ der Korsaren waren Schiffsbesatzungen und Passagiere sowie die Bevölkerung der Küstenregionen. Die Menschen mussten für Lösegeld freigekauft werden, oder sie wurden versklavt. Wichtige Sklavenmärkte gab es auf europäischer Seite in Málaga, Malta und Livorno sowie in den nordafrikanischen Städten Algier, Tripolis, Tunis und Salé.
Es wird angenommen, dass zwischen dem frühen 16. und dem frühen 19. Jahrhundert bis zu einer Million Europäer von muslimischen Piraten in der sogenannten Barbarei, wie die nordafrikanische Küstenregionen des heutigen Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko genannt wurden, als Sklaven festgehalten wurden. Die genaue Zahl ist Gegenstand hitziger wissenschaftlicher Debatten. Doch selbst vorsichtige Schätzungen gehen von mehreren hunderttausend europäischen Sklaven aus. Man darf allerdings nicht vergessen: Eine vergleichbar große Zahl an Menschen aus Nordafrika wurde Opfer der europäischen Sklavenjäger.
Immense Geldsummen mussten aufgebracht werden, um versklavte Bürger freizukaufen. Zu solchen Verhandlungen kam es aber ohnehin nur bei einem geringen Prozentsatz der Verschleppten. Der Tiroler Bauer Georg Kloibenschädl, der um 1612 auf einer Pilgerreise in die Hände tunesischer Piraten gefallen war, ließ seinen Hof in der Heimat verkaufen, um zumindest die Hälfte des geforderten Lösegeldes aufbringen zu können. Die andere Hälfte streckten mehrere Bürgen in Tirol für ihn vor. Als Kloibenschädel nach 20 Jahren aus der tunesischen Gefangenschaft zurückkehrte, konnte er seine Schulden in der Heimat nicht begleichen. Seine Gläubiger zogen daher vor Gericht.
Selbst Bewohner von Binnenstädten konnten in Gefahr geraten, so wie die Augsburger Kupferstecher Andreas Matthäus Wolffgang und Johann Georg Wolffgang. Der Vater schickte die beiden Brüder zur Ausbildung nach Holland. Dort sollten sie ihre Fertigkeiten als Kupferstecher verfeinern. Sie missachteten die explizite Warnung ihres Vaters, unter keinen Umständen ein Schiff zu besteigen, und setzten nach England über. 1684 wurden sie auf der Rückreise von algerischen Piraten gefangen genommen. Diese verschleppten die beiden nach Algier. Dort mussten die Brüder aus Augsburg im Palast des Dey (diesen Titel trugen die örtlichen Herrscher in Nordafrika) als Haussklaven dienen.
Nach ihrer Rückkehr schmückten sie ihren Bericht mit selbstangefertigten Kupferstichen aus, die interessante Einblicke in den Alltag in Algier gewähren. Einer der Stiche zeigt Andreas Matthäus Wolffgang in der Aufmachung eines Haussklaven.
Die Korsaren dringen bis nach Island vor
Bewohner von Küstenstädten – egal ob in Nordafrika oder auf europäischer Seite – lebten jahrhundertelang in der Angst vor Überfällen. Im Jahr 1607 entführten christliche Ritter des Sankt-Stephans-Ordens 2000 Bewohner der algerischen Stadt Beleb el-Anab (das heutige Annaba).
Die Korsaren wiederum dehnten ihre Beutezüge bis nach Island aus. 1627 erbeuteten algerische und marokkanische Piraten, angeführt von europäischen Renegaten, das heißt zum Islam übergetretenen Christen, 400 isländische Männer, Frauen und Kinder, die in Nordafrika als Sklaven verkauft wurden.
Von einer beträchtlichen Anzahl früherer Sklaven in nordafrikanischer Gefangenschaft liegen uns zeitgenössische biographische Berichte vor. Obwohl wie erwähnt auch eine ähnlich große Zahl Nordafrikaner das Schicksal der Gefangenschaft und Sklaverei durchlebte, gibt es hier so gut wie keine längeren narrativen Zeugnisse.
Im vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) geförderten Forschungsprojekt ESCAPE wurden ungefähr 200 bekannte europäische Sklavenerzählungen aus der Barbarei in allen wichtigen europäischen Landessprachen erhoben.
Diese Zeugnisse stellen eine unschätzbare Sammlung von Quellen zum kulturellen Kontakt aus drei Jahrhunderten der frühen Neuzeit dar. Sie decken eine breite Palette an Erfahrungen ab. Dazu zählen christliche Piraten, christliche Galeerensklaven auf Korsarenschiffen, Haussklaven im Palast des Herrschers und Sklaven in der Landwirtschaft. Zudem gab es religiöse Überläufer, soziale Aufsteiger in der Gefangenschaft, Unternehmer-Sklaven mit eigenem Gewerbe und weibliche Gefangene, die im Harem des Sultans zu höchstem Einfluss gelangten.
Diesen Sklavenerzählungen kann man auch entnehmen, wie es zu einer Befreiung aus der Sklaverei kommen konnte. Möglich war dies etwa durch Freikauf, Sklavenaustausch, religiöse Bekehrung oder Flucht. So berichtet der aus England stammende Sklave William Okeley, wie er Mitte des 17. Jahrhunderts zusammen mit einigen Gefährten in einem selbstgebauten Faltboot von Algier nach Mallorca ruderte. Eine Woche waren die geflohenen Sklaven auf dem Meer unterwegs.
Die Erzählungen über die Gefangenschaft in den Barbareskenstaaten haben aber auch die europäischen Vorstellungen von Islam und Nordafrika maßgeblich geprägt. Die Berichte machten zum einen deutlich, dass es einen erheblichen militärischen, diplomatischen und politischen Austausch zwischen Europa und Nordafrika gab, gleichzeitig verfestigten sich durch sie Stereotype über die islamische Religion und den Orient.
Die autobiographischen Erzählungen waren zu ihrer Zeit Bestseller. Der Bericht des katholischen flämischen Adligen Emanuel d’Aranda aus der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde über kulturelle, politische und konfessionelle innereuropäische Grenzen hinweg ins Holländische, Französische, Deutsche und Englische übersetzt und immer wieder neu aufgelegt.
Europäische Sklaven genossenteilweise relativ viel Freiheit
Genauso, wie man heute Sklaverei oft nur noch mit den aus Afrika entführten Menschen in den Plantagen der Neuen Welt assoziiert, war aus Sicht der frühen Neuzeit der typische Sklave ein in Nordafrika festgehaltener Europäer. Obwohl diese Menschen als Sklaven bezeichnet wurden bzw. sich selbst so nannten, konnten sich die meisten europäischen Gefangenen in Nordafrika im Gegensatz zu afroamerikanischen Plantagensklaven relativ frei in den Städten bewegen.
Viele mussten sogar ihre eigenen unternehmerischen Fähigkeiten einsetzen, um ihren Lebensunterhalt in der Knechtschaft zu verdienen. Der bereits erwähnte versklavte Engländer William Okeley, der in Algier ein äußerst lukratives Import-Export-Geschäft führte, war nach eigener Aussage nun wohlhabender als zuvor in England als freier Mann.
Auch bestand zumindest theoretisch für die meisten Sklaven die Möglichkeit, ihre Unfreiheit durch Lösegeldzahlung zu beenden oder ihr Schicksal durch religiöse Bekehrung zu verbessern. Die große Zahl von Sklavenberichten aus Nordafrika erlaubt es, die Grade freier und unfreier Arbeit, die die frühneuzeitliche Sklaverei charakterisierten, differenziert nachzuzeichnen.
Um Mitgefühl für die Opfer zu erzeugen, sparten die Berichte nicht mit Beschreibungen grausamer Folter und Misshandlungen, zudem zeichneten sie ein hartes Bild der muslimischen Andersartigkeit. Die Texte sollten die Leserschaft dazu animieren, für die kirchlichen Orden zu spenden, die sich auf den Rückkauf christlicher Sklaven spezialisiert hatten. Eine wichtige Rolle spielten hier die Orden der Trinitarier und der Mercedarier. Um den Menschen in den europäischen Großstädten das harte Schicksal der entführten Europäer vor Augen zu führen, zogen von den Trinitariern freigekaufte Menschen in Ketten und Sklavenkleidern durch die Straßen.
Solche Aktivitäten und die biographischen Berichte forderten indirekt auch zu politischem Handeln auf. Mit militärischen Maßnahmen sollten die Aktivitäten der Piraten eingedämmt und die Befreiung von Sklaven vorangetrieben werden. Zu den diplomatischen Initiativen zählten bilaterale Verträge zwischen verschiedenen europäischen Nationen und nordafrikanischen Korsaren. Gegen Geldzahlungen verzichteten diese zeitweise auf ihre Raubzüge.
Zur Vorsorge wurden in protestantischen norddeutschen Städten „Sklavenkassen“ eingerichtet, eine Art Versicherung gegen Menschenraub. Aus diesen Kassen zahlte man das Lösegeld für die Seeleute und Besatzungsmitglieder.
Zwischen dem 16. und dem frühen 19. Jahrhundert gingen verschiedene Nationen auch militärisch gegen die nordafrikanischen Korsaren-Hochburgen vor. Eine besondere Rolle sollten hier die Vereinigten Staaten von Amerika einnehmen. Obwohl die junge Republik zeitweise bis zu 20 Prozent ihrer Staatseinnahmen für Schutzgelder an die Staaten der Barbarei einsetzte, kam es immer wieder zur Entführung von US-Bürgern. Schließlich setzte die U. S. Navy in zwei Kriegen (1801–1805 und 1815) dem Treiben der Korsaren ein Ende.
Den Rückkehrern wird Konversion unterstellt
Viele europäische Sklaven sahen sich nach ihrer Rückkehr dem Vorwurf ausgesetzt, sie seien zum Islam übergetreten, um ihr Los in der Fremde zu verbessern. In ihren Berichten betonten sie, dass dem nicht so gewesen sei. Doch in einigen Fällen traf der Vorwurf tatsächlich zu. Diese sogenannten Renegaten machten nach ihrer Konversion mitunter erfolgreich Karriere. Gerade das Militär bot hier Chancen. Einzelne frühere Sklaven wurden sogar selbst zu Kapitänen auf Korsarenschiffen. Der niederländische Renegat Jan Janszoon, später bekannt als Murat Reis, organisierte in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts Beutefahrten nach Island und Irland.
Im Fall von Sklavinnen wie der britischen Gefangenen Elizabeth Marsh aus dem 18. Jahrhundert halfen autobiographische Zeugnisse auch dabei, den Unterstellungen entgegenzuwirken, freiwillig oder unfreiwillig sexuelle Kontakte mit ihren muslimischen Entführern gehabt zu haben. Diese Stereotype finden sich auch in der Populärkultur wieder, etwa in Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“, deren Handlung rund um die Frage der Standhaftigkeit europäischer Sklavinnen kreist.
Auf literarischer Ebene haben barbareske Sklavenberichte – mit ihrem authentischen Inhalt, ihren exotischen Schauplätzen und dramatischen Handlungen – wichtige Elemente des modernen Romans vorweggenommen. Dazu haben auch Gefangene beigetragen, die später Schriftsteller wurden, wie Miguel de Cervantes, dessen fünf Jahre währende Erfahrungen als Sklave in Algier seinen Roman „Don Quijote“ sowie einige seiner Dramen entscheidend geprägt haben.
Aber auch wenn Autoren keine biographische Verbindung zur nordafrikanischen Sklaverei hatten, übernahmen sie häufig Handlungselemente aus populären Gefangenenberichten des 17. Jahrhunderts. Daniel Defoe hat dies etwa bei seinem 1719 erschienenen Roman „Robinson Crusoe“ getan. Es wird bei der Lektüre oft übersehen, dass der Held des Romans zwei Jahre in marokkanischer Sklaverei verbracht hatte, bevor er auf einer einsamen Insel strandete.
Der immense Erfolg von „Robinson Crusoe“ führte nun wiederum dazu, dass nachfolgende Sklavenerzählungen Erzählstrategien des Romans übernahmen. Die biographischen Texte wurden so zu ausgefeilten literarischen Werken.
Die Erzählungen aus Nordafrika dienten bald als Modell für Gefangenschaftsberichte im Allgemeinen. Dies begann mit Mary Rowlandsons Bestseller über ihre Zeit unter amerikanischen Ureinwohnern im späten 17. Jahrhundert. Aber auch afroamerikanische Sklavenerzählungen seit dem späten 18. Jahrhundert, wie der äußerst populäre Bericht des ehemaligen Plantagensklaven Olaudah Equiano, sind ebenfalls dieser Gattung verpflichtet.
Sklavenerzählungen prägen die moderne Literatur
So beeinflussten die autobiographischen Erzählungen über die Jahre in der Sklaverei in Nordafrika den Aufstieg des modernen europäischen Romans, verschiedene Formen der modernen Autobiographie und die afroamerikanische Sklavenerzählung.
Die Frage nach der inhaltlichen Authentizität ist dabei eng mit dem Verschwimmen der Grenzen der literarischen Gattungen verbunden. Zum Beispiel entpuppte sich die englischsprachige Erzählung von Maria Martin (1807), angeblich eine Übersetzung aus dem Italienischen, bei näherer Betrachtung als rein fiktiver Text mit einer Vielzahl plagiierter Passagen aus verschiedenen älteren Sklavenberichten und anderen Texten.
Die Robinsonade des Österreichers Leonhard Eisenschmidt aus dem Jahr 1807 hingegen erwies sich trotz ihrer üppigen Anlehnungen an Defoes Bestseller im Kern als authentisches Zeugnis eines Gefangenen in Algier.
Die beiden Kriege der U. S. Navy und die kolonialen Eroberungen europäischer Nationen in Nordafrika im frühen 19. Jahrhundert haben der Mittelmeer-Piraterie und -Sklaverei ein Ende bereitet. Relativ schnell fiel dieses Phänomen, das drei Jahrhunderte europäischer Geschichte dominiert hatte, innerhalb weniger Jahre weitgehend in Vergessenheit.
Nur vereinzelt taucht es in verdeckter Form auch in der Weltliteratur wieder auf. So erscheint Albert Camus’ Roman „Die Pest“ aus dem Jahr 1947, dessen Handlung man nach den jüngsten Pandemie-Erfahrungen als Beschreibung eines seuchenbedingten Lockdowns der algerischen Stadt Oran bezeichnen könnte, wie eine Neuauflage frühneuzeitlicher Barbaresken-Sklavenberichte. Die in Oran eingeschlossenen Europäerinnen und Europäer versuchen, ähnlich wie die einstigen Gefangenen in der nordafrikanischen Sklaverei, zurück nach Europa zu fliehen.
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