Archäologische Holz- und Eisenobjekte zu konservieren stellt Restauratoren immer wieder vor Probleme: Denn während sie im Boden mitunter Jahrtausende überdauert haben, beginnen sie häufig sofort nach der Bergung zu zerfallen – manchmal sogar bis hin zum vollständigen Verlust. Insbesondere bei großen Fundmengen ist daher ein schnelles und effizientes Handeln von Nöten. Dazu gehört zunächst eine sachgerechte Erstversorgung und Lagerung, um die Funde bis zu ihrer restauratorischen und wissenschaftlichen Bearbeitung zu stabilisieren.
Zur dauerhaften Konservierung wurden darüber hinaus in den zurückliegenden Jahrzehnten recht unterschiedliche Behandlungsmethoden entwickelt. Einige der derzeit gängigsten Methoden wurden nun im Rahmen des 3-jährigen KUR-Projektes »Massenfunde in archäologischen Sammlungen« ausgewählt und in Hinblick auf Effizienz, Aufwand und Kosten miteinander verglichen. Die Archäologische Staatssammlung München führte dabei die Untersuchungen im Bereich archäologischer Eisenobjekte, das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz jene an den Objekten aus Holz durch. “Durch die anlässlich des Projektes erstellte Datenbank soll jeder Kollege die Möglichkeit haben, selbst abzuwägen, welche Konservierungsmethode für sein zu restaurierendes Objekt die passende ist”, erläuterte Waldemar Muskalla, Restaurator am RGZM. Cristina Mazzola, Restauratorin bei der Archäologischen Staatssammlung München, möchte durch die Ausstellung nicht nur die im Rahmen der Untersuchungen gewonnenen Erkenntnisse vorstellen, sondern auch die Gesamtproblematik der beiden Materialien einem breiten Publikum näher bringen. “Wir möchten so Interessierten die Gelegenheit geben, sich die Arbeit, die hinter einem Museumsobjekt in der Vitrine steht, besser vorstellen und nachvollziehen zu können”, erklärte Mazzola.
Seit 2008 wird in den Restaurierungswerkstätten des RGZM eines der ältesten Räder der Welt konserviert (spätes 4. Jahrtausend v. Chr.). Während Radfragmente häufiger gefunden werden, überliefert dieser 2002 im Laibacher Moor (Slowenien) geborgene Fund zudem eine komplette Radachse. So kann hieran jedermann nachvollziehen, wie schon in der Steinzeit und nur unter Zuhilfenahme von einfachsten Werkzeugen, ein Rad geformt, zusammengesetzt und befestigt wurde: Das Scheibenrad besteht aus zwei Eschenholzbrettern, die mittels vier schwalbenschwanzförmiger Gratleisten aus Eichenholz miteinander verbunden wurden. Durch eine viereckige Aussparung wurde die Achse geführt. Um eine feste Verbindung zu erreichen, wurden in die Achsenenden zwei kreuzweise angeordnete Spaltkeile eingesetzt. Dabei standen den kupfersteinzeitlichen Menschen weder Säge, noch Leim oder Nägel als Arbeitsmaterial zur Verfügung. Das Rad aus dem Laibacher Moor zählt zu den ältesten Nachweisen für den Gebrauch von Wagen auf der Welt. Für die in der Ausstellung gezeigten Kopie wurde die im Rahmen des Projektes angefertigten 3D-Streifenlichtscans mit einer Gips-Kleber-Mischung “ausgedruckt”, verfüllt, montiert und koloriert.





