Zwei Themen dominieren die Erinnerungsliteratur an den Holocaust. Während die eine Gruppe der betroffenen Juden in bewegenden Berichten ihre Leiden in den Konzentrations- und Arbeitslagern der Nazis schildert, bringt eine andere Gruppe nicht minder beklemmende Erzählungen zu Papier. Sie handeln vom Überleben auf der Flucht, im Versteck, im Untergrund, was etwa 3000 Juden im Nazi-Deutschland gelang. Eine dieser fast unglaublich anmutenden Lebensgeschichten, nämlich die der Essener Jüdin Marianne Strauß, hat der englische Historiker Mark Roseman in seinem äußerst lesenswerten Buch “In einem unbewachten Augenblick” ungewöhnlich gewissenhaft rekonstruiert. Als im August 1943 ihre Familie nach Theresienstadt deportiert wird, gelingt Marianne die Flucht. Ständig wechselt sie nun den Aufenthaltsort, erlebt Angst und Entbehrung, aber auch Hilfs- und Risikobereitschaft bei ihren Freunden und Bekannten. Das Buch bietet so eine differenzierte Sicht auf die damalige Gesellschaft, die sich nicht nur in Täter und Opfer aufteilen läßt.
Rezension: Talkenberger, Heike





