Die Literaturwissenschaftlerin Angela Steidele erzählt das abenteuerliche Leben einer Frau, der ihre abweichenden sexuellen Bedürfnisse zum Verhängnis wurden. In einem zweiten Teil des Buchs werden die wichtigsten Quellen, auf denen die Darstellung beruht, präsentiert. Auch wenn Steidele sich manchmal zu sehr in Mutmaßungen ergeht, bettet sie doch immer wieder den konkreten Lebenslauf in übergeordnete Zusammenhänge ein. So erfahren die Leser etwas über das Leben im Waisenhaus des Pietisten Hermann August Francke, über das Soldatendasein allgemein, über andere Frauen, die sich als Männer verkleideten, oder generell über die Lebensverhältnisse der Unterschichten dieser Zeit. Bedauerlich ist allerdings, daß die Vorannahme der „Frauenfeindlichkeit“ in der Umgebung Lincks und einige ahistorische Urteile der Autorin den Blick auf die historischen Gegebenheiten verstellen – hier hätte ihr die neuere historische Kriminalitätsforschung mit ihren Ergebnissen weitergeholfen.
Rezension: Talkenberger, Heike





