Einige der beeindruckenden Kunstwerke sind heute in Museen zu bewundern: In den altindianischen Hochkulturen wurden Türkise zu Mosaiken zusammengesetzt, die Flächen, Schilde, Masken und viele andere Artefakte schmückten. Vor allem Türkis-Kunstwerke der Mixteken sind erhalten geblieben. Sie bildeten zur Zeit der spanischen Eroberung eine der größten Volksgruppen im heutigen Mexiko. Teilweise wurden sie zu dieser Zeit von den Azteken beherrscht, die ebenfalls mit Türkisen besetzte Pracht schätzten, wie Funde dokumentieren. So war beispielswiese auch der Templo Mayor – das rituelle Zentrum des Aztekenreichs in der Hauptstatdt Tenochtitlan – mit Mosaiken aus den kostbaren blaugrünen Steinen geschmückt.
Kritischer Blick auf eine traditionsreiche Annahme
Doch woher kamen die üppig eingesetzten Edelsteine? Aus Mittelamerika selbst sind bisher keine direkten Spuren des Türkisabbaus aus jener Zeit bekannt. Bisher nahm man deshalb an, dass die Steine aus dem heutigen Südwesten der USA importiert wurden. Denn dort befinden sich bekannte Türkisabbaustätten mit alten Wurzeln und auch präkolumbianische Handelsverbindungen der Völker Mittelamerikas in diese Region sind gut belegt. So gingen Experten bisher davon aus: Türkise wurden im Austausch gegen andere Güter wie Kupfer, Kakao oder Papageien aus dem Norden in den Süden transportiert.
Ob diese Annahme tatsächlich zutrifft, hat nun ein Team aus US-amerikanischen und mexikanischen Experten durch Vergleiche der Isotopenmuster bestimmter Elemente in den Türkisen aus Museumsstücken und geologischen Strukturen in Nord- und Mittelamerika untersucht. Isotopenanalysen liefern eine Art Fingerabdruck eines Materials, sodass Rückschlüsse über dessen Herkunft möglich sind. Vergleichsmaterial lieferten im Rahmen der Studie Proben von Türkis-Funden aus den Überresten des Templo Mayor im heutigen Mexiko Cyty und von aztekischen beziehungsweise mixtekischen Kunstschätzen aus dem Smithsonian National Museum in Washington DC.
Isotopensignaturen passen nicht
Die Analysen ergaben: Die Türkise der Artefakte wiesen Isotopensignaturen auf, die nicht mit der Geologie im Südwesten der USA übereinstimmen. Sie passen hingegen eher zu Kupfervorkommen und Krustengesteinen Mittelamerikas, berichten die Forscher. Dies deutet darauf hin, dass doch heimische Lagerstätten den Azteken und Mixtek die Türkise lieferten und sie nicht über den Fernhandel bezogen wurden, wie bisher angenommen. “Unsere Ergebnisse unterstreichen damit auch erneut, dass häufig Skepsis gegenüber etablierten Ansichten angebracht ist”, kommentiert Co-Autorin Alyson Thibodeau vom Dickinson College in den USA.
Den Forschern zufolge hat das Studienergebnis durchaus weitreichende Bedeutung: “Die Ergebnisse werfen neues Licht auf die Verfügbarkeit von Türkisen, die im alten Mesoamerika ein so hochgeschätztes Luxusgut darstellten”, sagt Thibodeau. Offenbar dienten sie nicht als Gegenwert beim bekannten Handel zwischen den Regionen. “Diese Erkenntnisse können unser Verständnis von Art und Ausmaß von Fernkontakten zwischen mesoamerikanischen und südwestlichen Gesellschaften in Nordamerika grundlegend verändern”, resümiert die Wissenschaftlerin





