Zwar erschienen in den letzten Jahren Arbeiten zu Bürgis Uhren und Globen, dennoch blieb er der wissenschaftlich und technisch interessierten Öffentlichkeit höchstens als Miterfinder der Logarithmen bekannt. Die Gründe dafür dürften nicht zuletzt in der Person Bürgis liegen: Der 1552 geborene Schweizer taucht nach einer nur notdürftigen Ausbildung in seiner Kindheit und einer heute unbekannten Jugend plötzlich in Kassel am Hof des gebildeten Landgrafen Wilhelm IV. als Uhrenmacher auf. Es dauerte nicht lange, bis man Bürgi den Beinamen „zweiter Archimedes“ gab, doch scheint ihm die mangelnde Schulausbildung zum schweigsamen Erfinder zu machen: Die wenigen selbstverfassten Schriften zeugen von seiner eingeschränkten Ausdrucksfähigkeit. Diese wird vermutlich mitunter Schuld daran tragen, dass Bürgi sich und seine Erfindungen nicht in Szene setzte. Die von ihm entwickelten Instrumente und angestellten Überlegungen sprechen jedoch für das Verdienst des Genies: Staudacher stellt Bürgis wichtigsten Errungenschaften vor und behält dabei den regen wissenschaftlichen Austausch zwischen Bürgi und seinen Mitarbeiter am Prager Hof vor Augen. Deutlich wird, dass nur dieses Zusammenwirken des heute bekannteren Mathematikers Johannes Kepler mit dem Astronomen Tycho Brahe und dem Erfinders Bürgi zu einer Erfolgsgeschichte mit revolutionären Erkenntnissen werden konnte.
Staudacher erklärt verständlich die Arbeiten des Schweizers und stellt deren Bedeutung heraus. Sprachlich trennt er deutlich das Wissen aus erhaltenen Quellen und seine Mutmaßungen auf Grundlage eigener Recherchen und Überlegungen. Der akribische Versuch, alle Details aus der Biographie zusammenzutragen, hätten an einigen Stellen etwas gestrafft werden können. Doch helfen sie jedem, sich in die Geschichte eines Wissenschaftlers am Beginn der Neuzeit einzudenken und so ein vielschichtiges Profil der Person Bürgis zu entwickeln.
Rezension: Sabrina Tatz





