Der Empfang ist herzlich. Vielstimmig tönt es „Hallo“ und „Nice to see you“. Sieben Menschen, Frankfurter Jüdinnen und Juden, gerade noch reglos auf ihrem Bildschirm verharrend, geraten in Bewegung, sobald der Besucher auf sie zugeht. Sie stehen vor blauem Himmel und einer weißen Silhouette der Mainmetropole, winken, lachen, rufen den Eintretenden ihr Willkommen zu.
Die Videoinstallation, im Katalog als „interaktive Begrüßungsinszenierung“ verzeichnet, verrät gleich hinter dem Eingang zur Dauerausstellung manches über das zugrunde liegende Konzept. Digitale Museumsdidaktik spielt hier eine Schlüsselrolle. Der Wechsel zwischen Objekträumen und Medienräumen, in Vitrinen geborgenen Erinnerungsstücken, Kunstgegenständen, Gemälden sowie audiovisuellen Installationen, die sich zu eigenem Lernen und Entdecken anbieten, ist ein Strukturprinzip der Ausstellung.
Ein anderes ist, dass hier keine großformatige Erzählung präsentiert wird. „Wir zeigen nicht die jüdische Geschichte, nicht die jüdische Kultur“, sagt Direktorin Mirjam Wenzel. Vielmehr gehe es um die „persönlichen Erfahrungen und Geschichten“ von Juden, die in den vergangenen zwei Jahrhunderten, seit der napoleonischen Zeit, in Frankfurt gelebt haben: „Wir erzählen Geschichte in Geschichten.“
Zeitzeugen berichten über die Ereignisse in der jüdischen Gemeinde der Nachkriegszeit. Ihre Erinnerungen sind an Videostationen zu hören, persönliche Gegenstände der Interviewten daneben hinter Glas zu besichtigen. Im Themenraum über das „Dritte Reich“ begegnet der Besucher den Lebensschicksalen von sieben Frankfurter Jüdinnen und Juden, die dem Regime ausgesetzt waren. Dessen antijüdische Verordnungen und Gesetze werden in ihren Auswirkungen auf einzelne Betroffene dargestellt, deren Geschichten sich auf den Rückseiten reproduzierter Passbilder und Porträtfotos finden.
Das Gebäude, das die Exponate birgt, ist selber, wie es heißt, „das größte Ausstellungsstück“. Das klassizistische Palais am Mainufer, errichtet 1820, gehörte seit 1846 Mayer Carl von Rothschild, dem Enkel des Begründers der Bankiersdynastie. Seit Ende des 19. Jahrhunderts beherbergte es eine Bibliothek, im Familienbesitz blieb es bis zur Nazi-Zeit. Den Krieg überstand es fast unversehrt. Die reichstuckierten Prunkräume sind nach der jüngsten Restaurierung wieder in Gestalt und Farbgebung der Erbauungszeit zu stehen.
Nach dem Krieg diente das Haus den US-Besatzern als Kulturgut-Sammelstelle, später als Filiale des Frankfurter Historischen Museums, bis sich die Stadt 1984 entschloss, hier ein neues Jüdisches Museum unterzubringen. Es waren die Jahre, in denen die wiedererstandene jüdische Gemeinde an Sichtbarkeit gewann, 1986 auch ein neues Gemeindezentrum eröffnet wurde und der Historiker Arno Lustiger zur Einweihung den Satz prägte: „Wer ein Haus baut, will bleiben, wer bleibt, will Sicherheit.“





