Tilsit heißt heute Sowetsk und liegt in der russischen Exklave Kaliningrad. Käse wird hier längst keiner mehr produziert. An das alte Ostpreußen erinnern noch einige Häuser mit Fassaden aus der Kaiserzeit. Davon konnten sich die Teilnehmer der DAMALS-Leserreise bei einem Spaziergang durch die Innenstadt überzeugen.
Der Name Tilsit ist untrennbar mit dem Jahr 1807 verbunden. Damals wurde hier zwischen Preußen, Russland und Frankreich auf einem Floß in der Memel der Friede von Tilsit unterzeichnet. Der Fluss war die Demarkationslinie zwischen dem von Napoleon beherrschten Europa und dem Zarenreich.
Der Auftritt von Königin Luise, der Gattin des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III., im Vorfeld der Friedenshandlungen ging dabei ebenfalls in die Geschichte ein. Da Preußen durch die Niederlagen bei Jena und Auerstädt arg in Bedrängnis geraten war, wollte die Königin Kaiser Napoleon bei einem persönlichen Gespräch milde stimmen und reiste daher nach Tilsit, dorthin wo sie nach ihren eigenen Worten „nicht begraben sein wollte“.
Was bei dem Gespräch unter vier Augen gesagt wurde? Keiner weiß es genau. Allein ihr Mut, Napoleon zu konfrontieren, trug jedenfalls zum Luise-Mythos bei.
Ihr zu Ehren wurde 1907 die Königin-Luise-Brücke eingeweiht, die Tilsit mit dem auf der anderen Seite der Memel gelegenen Memelland verband. Gemäß dem Versailler Vertrag wurde das Memelland 1920 von Ostpreußen abgetrennt und unterstand als autonomes Gebiet dem Völkerbund.
1944 sprengten deutsche Truppen die Brücke. In den 1960er Jahren wurde sie wieder aufgebaut, inklusive historischer Bauelemente. Im riesigen Reich der Sowjetunion wurde damals nur ein Fluss überquert, seit der Unabhängigkeit Litauens 1990 markiert die Memel (Neman) wieder eine Staatsgrenze – das Besondere: Russland liegt hier im Westen und die EU (Litauen) im Osten.





