Auf dreifache Weise präsentiert diese neue Biographie von Hubert Houben den Kaiser: als Herrscher, als Menschen, als Mythos. Man könnte die drei Teile auch andersherum lesen. Dann würde man den Politiker des 13. Jahrhunderts aus seinen späteren Benutzungen und Verformungen herausschälen. Mit ausge-zeichneter Quellenkenntnis beschreibt Houben das staufische und normannische Erbe, das Königtum in Sizilien, Deutschland und Jerusalem, die Kaiserherrschaft sowie die Kämpfe mit den Päpsten.
Interessant ist das Kapitel über Friedrich II. als Mensch. Hier werden Spuren des Individuellen aus mittelalterlichen Stereotypen destilliert. Schemenhaft tritt der Kaiser mit seinen Ehefrauen, seinen Geliebten, seinen ehelichen und unehelichen Kindern hervor, als Jäger wie Intellektueller, als Christ oder Skeptiker.
Fast alles, was heute über Friedrichs Progressivität erzählt wird, stammt bei näherer Betrachtung aus den Verleumdungen seiner Feinde. Damals galten die Tugenden heutiger Multikulturalität noch als Nachweis teuflischer Verstrickung: vertrauter Umgang mit Muslimen, mediterrane Weltläufigkeit, skeptischer Geist, Zweifel an der Alleingültigkeit der christlichen Religion. Wer die Quellen wirklich beherrscht, erliegt ihren suggestiven Verfälschungen nicht so rasch wie die flotten Jäger nach der Moderne im Mittelalter.
Houben zeigt das in seinem glanzvollen Kapitel über die Friedrichsbilder vom 13. bis zum 21. Jahrhundert. Zum Schluss skizziert er wichtige Forschungsaufgaben. Vergleiche Friedrichs mit den Königen von Kastilien und Aragón zeigen typisches Handeln in mediterranen Kontaktzonen von Christen und Muslimen. Friedrich II. war eben niemals ein „deutscher Kaiser“, sondern immer ein römischer!
Der weite Blick des im süditalienischen Lecce lehrenden deutschen Historikers Hubert Houben entwirft jenseits nationaler Mythen jene weite Welt des 13. Jahrhunderts, die es wieder zu entdecken gilt.
Rezension: Schneidmüller, Bernd





