Bekannt ist das Große Abendländische Schisma, während dessen es zwischen 1378 und 1417 zur Einsetzung mehrerer Päpste gleichzeitig kam. Doch auch zu anderen Zeiten fanden Doppelwahlen statt, oder es gab vergebliche Anläufe so manches Aspiranten, das höchste Amt der katholischen Kirche zu erringen. Diese „Gegenpäpste“ wurden bisher nur wenig historisch beleuchtet. Mit dem Buch von Christiane Laudage ändert sich das nun. Sie problematisiert zunächst den Begriff „Gegenpapst“, da er abwertend sei. Gleichwohl will sie in Ermangelung einer besseren an der griffigen Formulierung festhalten. Laudage erzählt sodann schwungvoll vom Schicksal zahlreicher Gegenpäpste von der Antike bis zum späten Mittelalter. Viele schreckten vor dem Einsatz von Gewalt nicht zurück, wie etwa Damasus I. (366 –384), der den Lateran, Amtssitz des römischen Bischofs, kurzerhand besetzte, oder sein Konkurrent Urbinus, der wahre Straßenschlachten entfesselte und Anhänger seines Kontrahenten ermorden ließ. Klar wird, dass der Kampf um den Stuhl Petri nicht nur individuelle Motive hatte, sondern oft Ausdruck von Machtkämpfen zwischen verschiedenen rivalisierenden Parteien war – sei es zwischen Kaiser und Papstkirche, sei es zwischen verschiedenen römischen Adelsfamilien.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





