Die Frage, wie es möglich war, daß nach 1945 ein nicht unbeträchtlicher Teil der Funktionselite Hitlers zu einer neuen Karriere, vornehmlich in der Bundesrepublik, durchstarten konnte, wird erst seit einigen Jahren in der Forschung verfolgt. Namen wie Hermann Josef Abs, Werner Best, Henri Nannen oder Reinhard Gehlen stehen für diese problematischen “Karrieren im Zwielicht”, die jetzt auch Thema des von Norbert Frei herausgebenen Begleitbandes zu einer sechsteiligen ARD-Serie sind. Während es für die politischen Führungsschicht des Dritten Reichs keine Zukunftsmöglichkeiten in der BRD gab, konnten die Funktionselite anderer Berufsgruppen relativ schnell erneut aufsteigen. Fünf Gruppen werden einer genauen Analyse unterzogen: die Mediziner, die Unternehmer, die Offiziere, die Juristen und die Journalisten. Wie die einstigen (und zum Teil fortgesetzten) Befürworter von Rassenwahn, Euthanasie und Judenmord, die Profiteure des Unrechts, zu neuen Ehren gelangten, das ist beklemmend zu lesen. Ein Lichtblick: Es gab schließlich auch ein Ende des Verschweigens und damit einen politischen Willen zur Aufdeckung der unhaltbaren Verhältnisse. Ein wichtiges Buch über ein dunkles Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte.
Rezension: Talkenberger, Heike




