Daniela Schulte hat sich in ihrer Dissertation mit der Frage befasst, wie Stadtzerstörungen durch Brand, Erdbeben oder Überschwemmungen in Texten und Bildern der Schweizer Bilderchroniken vermittelt und gedeutet werden. All diese Ereignisse erscheinen als Katastrophe und werden dramatisch ins Bild gesetzt. Es tauchen immer wieder dieselben Versatzstücke auf: loderndes Feuer, das sich über alle Gebäude der Stadt ausbreitet, durch Überschwemmungen verursachte Fluten, die Menschen oder Tiere hilflos mit sich reißen, abknickende Türme und zerstörte Häuser bei Erdbeben. Auch Kriege werden mit diesen Elementen als Katastrophen dargestellt. Aber auch Gemeinschaft wird betont, wenn alle Stadtbewohner helfen, ein Feuer zu löschen.
Im Text setzt sich die Dramatisierung fort, wenn vor allem beschrieben wird, dass Frauen und Kinder dem Unglück ausgeliefert sind. Durch namentlich genannte Opfer des Unglücks wird ein emotionaler Zugang geschaffen. Die bildliche und textliche Inszenierung von Katastrophen folgt damit Mustern, die zum Teil auch in der heutigen Publizistik Verwendung finden, man denke an die mediale Vermittlung der jüngsten Überschwemmungen.
Im 15. Jahrhundert musste man diesen Katastrophen einen Sinn geben, damit die städtische Ordnung wiederhergestellt wurde. So wurden etwa die natürlichen Ursachen des Ereignisses betont (tagelanger Regen). Frühere Zeiten sahen in Katastrophen eine Strafe Gottes für die sündige Menschheit. Heute betont man die Eigenverantwortung der Menschen, die mit ihren Eingriffen in die Natur (Flussregulierungen, Klimakrise) selbst an der Katastrophe schuld sind.





