Hadrian war ein reisefreudiger Mann. Viele tausend Kilometer legte er während seiner 21-jährigen Herrschaft zurück: zu Pferd und im Reisewagen, auf den befestigten Straßen des Imperiums, auf morastigen Wegen und querfeldein. Der Reisekaiser „erfuhr“ buchstäblich sein gigantisches Reich, das sich vom Atlantik bis zum Euphrat erstreckte und rund 60 Millionen Einwohner zählte. 122 n. Chr. weilte er in Britannien, jener unwirtlichen Insel ganz im Nordwesten des Reiches, die man erst wenige Jahrzehnte zuvor in zähen Kriegen den Barbaren abgerungen hatte.
Und selbst das nur zum Teil: Der Norden Britanniens, das heutige Schottland, sperrte sich hartnäckig gegen die Eroberung durch die Römer. In den 80er Jahren des 1. Jahrhunderts war man zwar bis nördlich des Flusses Tay vorgestoßen und hatte hier, hoch im Norden, sogar viel Geld in militärische Infrastruktur investiert. Doch die Römer hatten sich später wieder auf die Stanegate (altnordisch für „steinerne Straße“) genannte Römerstraße zwischen Luguvalium (das heutige Carlisle, Grafschaft Cumbria) im Westen und Coriosopitum (Corbridge, Grafschaft Northumberland) zurückziehen müssen. Vielleicht waren die Kaiser auch nur zu dem Schluss gelangt, dass Kaledonien, wie man das Land nördlich der Solway-Tyne-Linie nannte, nicht die gesunden Knochen auch nur eines einzigen römischen Legionärs wert war.





