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Kein „imperium sine fine“
Kaiser Augustus träumte noch von einem Weltreich „sine fine“ – ohne Grenze. Doch irgendwann begannen seine Nachfolger, Mauern und Wälle um ihren Herrschaftsbereich zu bauen. Rom war nicht die erste antike Großmacht, die zu solchen Mitteln griff.
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Hadrian war ein reisefreudiger Mann. Viele tausend Kilometer legte er während seiner 21-jährigen Herrschaft zurück: zu Pferd und im Reisewagen, auf den befestigten Straßen des Imperiums, auf morastigen Wegen und querfeldein. Der Reisekaiser „erfuhr“ buchstäblich sein gigantisches Reich, das sich vom Atlantik bis zum Euphrat erstreckte und rund 60 Millionen Einwohner zählte. 122 n. Chr. weilte er in Britannien, jener unwirtlichen Insel ganz im Nordwesten des Reiches, die man erst wenige Jahrzehnte zuvor in zähen Kriegen den Barbaren abgerungen hatte.
Und selbst das nur zum Teil: Der Norden Britanniens, das heutige Schottland, sperrte sich hartnäckig gegen die Eroberung durch die Römer. In den 80er Jahren des 1. Jahrhunderts war man zwar bis nördlich des Flusses Tay vorgestoßen und hatte hier, hoch im Norden, sogar viel Geld in militärische Infrastruktur investiert. Doch die Römer hatten sich später wieder auf die Stanegate (altnordisch für „steinerne Straße“) genannte Römerstraße zwischen Luguvalium (das heutige Carlisle, Grafschaft Cumbria) im Westen und Coriosopitum (Corbridge, Grafschaft Northumberland) zurückziehen müssen. Vielleicht waren die Kaiser auch nur zu dem Schluss gelangt, dass Kaledonien, wie man das Land nördlich der Solway-Tyne-Linie nannte, nicht die gesunden Knochen auch nur eines einzigen römischen Legionärs wert war.
„Die Barbaren von den Römern trennen“
Wie dem auch sei: Die Provinz war verwundbar durch Einfälle aus dem Norden. Hadrian hatte deshalb vor Antritt seiner Reise Befehl gegeben, eine gut zu verteidigende Linie etwas nördlich der Stanegate, zwischen Solway und Tynemündung, massiv zu befestigen. Die Hadrian-Biographie der „Historia Augusta“, einer spätantiken Sammlung von Kaiserviten, berichtet lapidar: „Nachdem er das Heer mit gehöriger Strenge reformiert hatte, machte er sich auf den Weg nach Britannien, wo er viele Missstände beseitigte und als Erster eine Mauer von 80 Meilen Länge errichtete, die den Zweck hatte, die Barbaren von den Römern zu trennen.“
80 römische Meilen: Das sind fast 120 Kilometer Erd- und Steinmauer mit einem davor liegenden Graben über Hügel, durch Täler und sogar über Flüsse hinweg. Verstärkt wird die fünf Meter hohe und zwei bis drei Meter breite Mauer im Abstand von genau einer Meile von 80 milecastles, kleinen Kastellen mit einer Grundfläche von 15 mal 18 Metern, die an der Südseite der Mauer angelegt waren und 20 bis 30 Mann Platz boten.
Zwischen den Milecastles befanden sich immer zwei 8,50 Meter hohe Wachtürme, in denen jeweils sechs bis acht Soldaten Dienst schoben. Auf die Topographie nahmen die Baumeister des Walls keine Rücksicht: Stur zieht sich das Bollwerk durch die Hügellandschaft Cumbrias und Northumberlands. Die Aufsicht über die Bauarbeiten führte der Statthalter der Provinz Britannia, Aulus Platorius Nepos, ein enger politischer Weggefährte Hadrians, in den der Kaiser volles Vertrauen setzte.
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Als Hadrian Britannien besuchte, war der Bau schon recht weit fortgeschritten. Auf der gesamten Strecke waren die Fundamente verlegt, die Milecastles und Türme ragten schon über der Baustelle auf, während der Wall selbst erst allmählich in die Höhe wuchs. Soldaten von drei Legionen waren mit dem Bau beschäftigt, der sechs Jahre in Anspruch nahm. Und auch dann waren die Lücken noch nicht vollständig mit einer Steinmauer geschlossen. Das westliche Stück der Grenze, rund 45 Kilometer, sicherte zunächst ein Wall aus Holz und Erde; die Straße, über die im Rücken der Befestigung schnell Truppen verschoben werden konnten, wurde sogar erst Jahrzehnte später angelegt.
Als Hadrians Nachfolger Antoninus Pius (138–161) die Grenze noch weiter nordwärts verschob, auf eine Linie zwischen dem Firth of Clyde und dem Firth of Forth, wurde das noch immer nicht ganz fertige Bauwerk sogar für rund 50 Jahre obsolet. Doch gegen Ende des 2. Jahrhunderts gaben die Römer das südliche Schottland wieder auf und zogen sich hinter den Hadrianswall zurück.
Die berühmteste aller Mauern entsteht im kaiserlichen China
Der Hadrianswall ist weder die älteste römische Grenzbefestigung, noch waren die Römer die Ersten, die zum Schutz vor äußeren Feinden Mauern bauten. Weltbekannt ist die sogenannte Chinesische Mauer im Reich der Mitte, die in der jetzigen Form aus der Zeit der Ming-Dynastie (1368 –1644) stammt, allerdings auf unzählige Vorgängerbauwerke zurückblicken kann. Schon im 1. Jahrtausend v. Chr. errichteten chinesische Staaten vor allem im Norden Grenzbefestigungen, die das Kulturland gegen die in der Mongolei beheimateten nomadischen Stämme schützen sollten.
Kaiser Qin Shi Huangdi (221– 210 v. Chr.), der erste Herrscher über einen chinesischen Einheitsstaat, ließ eine 4100 Kilometer lange Mauer errichten, die vom westchinesischen Hochland nördlich an Peking vorbei und bis zur Küste des heutigen Nordkorea führte. 300 000 Menschen sollen für ihren Bau zu Zwangsarbeit verpflichtet worden sein, ganze Landstriche wurden buchstäblich entvölkert. Unter den Han-Kaisern (202 v. Chr. – 220 n. Chr.) wurde die Mauer repariert und zu einem regelrechten Grenzbefestigungssystem ausgebaut, das tief in die Wüste Gobi reichte und die östlichen Ausläufer der Seidenstraße vor Überfällen nomadischer Gruppen schützte. Das Kulturland und die Arterien des Fernhandels gegen die Barbaren aus der Wüste zu schützen blieb bis in die Frühmoderne eine Kernaufgabe des Zentralstaats in China – und eine seiner wesentlichen Legitimationsgrundlagen.
Bereits die ersten Imperien bauen Bollwerke gegen ihre Nachbarn
Die Geschichte von Bollwerken gegen Nomaden reicht allerdings viel weiter zurück. In Mesopotamien war im späten 4. Jahrtausend v. Chr. eine Stadtlandschaft entstanden, die sich auf die intensive Nutzung der weiten Ebenen an Euphrat und Tigris stützte und das Zweistromland dank einer ausgeklügelten Bewässerungstechnologie zur ertragreichen Kornkammer machte.
Die Ebenen waren jedoch zugleich die Winterweide der mit ihren Herden wandernden Viehzüchternomaden Vorderasiens. Der saisonale Weidewechsel führte die Hirten regelmäßig ins Kulturland – und dort unvermeidlich zu Konflikten mit dessen Ackerbau treibenden Bewohnern. Doch nicht nur das satte Grün Mesopotamiens zog die Viehzüchter an. Dort lockten auch die Städte mit ihren Schätzen und vielen nützlichen Dingen.
Sargon von Akkad (um 2334 – 2279 v. Chr.) dehnte seine Herrschaft über ganz Mesopotamien und sogar bis nach Syrien aus. Er schuf so das erste Imperium der Weltgeschichte, das diesen Namen auch verdient. Das Reich brach um 2150 v. Chr. zusammen, weil Nomaden – die Gutäer – aus dem Zagros-Gebirge einfielen und die zentralstaatliche Ordnung zerfiel.
Die Lektion, dass Nomaden Unheil bringen, brannte sich dem kulturellen Gedächtnis des alten Orients ein. Nachdem um 2100 v. Chr., diesmal von Ur ausgehend, abermals ganz Babylonien unter imperialer Herrschaft vereint worden war, ließ Sulgi, der zweite König der Dynastie, eine Mauer bauen, um den Süden des Zweistromlands besser gegen ungebetene Gäste verteidigen zu können. „König Sulgi hat die Mauer gebaut“, lautet der Eintrag der Chronisten des Königs in dessen 37. Regierungsjahr – 2056 v. Chr.
Gegen wen oder was sich die Mauer richtete, verraten die Texte nicht, doch auch Sulgis Enkel Schu-Suen rühmt sich eines Mauerbaus: „Schu-Suen, der König von Ur, hat die Amurriter- Mauer [namens] ‚Die die Ditnum fernhält‘ gebaut.“ Der Begriff „Amurriter-Mauer“ scheint inzwischen als geläufig in den Sprachschatz Mesopotamiens eingegangen zu sein. Der akkadische Begriff Amurru, sumerisch Martu, bezeichnete im Raum des mittleren Euphrat lebende Nomaden, die Ditnum waren ein Teilstamm der Amurriter, in deren Land Schu-Suen nur ein Jahr vor dem Mauerbau einen blutigen Krieg geführt hatte.
Wenn der Mauerbau sogar zur Datierung von Dokumenten herangezogen wird, spielt er für die Selbstdarstellung der Könige von Ur eine besondere Rolle. Er erlaubt es ihnen, sich ihren Untertanen als fürsorgliche Herrscher zu empfehlen, die sie vor Gefahren schützten. Ein hoher Offizier, der an Sulgis Mauer Dienst tat, pries den Herrscher für sein Tun: „Mein Herr hat für das Leben der Truppen und seines Heimatlandes die große Mauer ‚Front des Gebirges‘ wegen der üblen Feinde für sein Volk und Heimatland errichtet. Er hat Truppen ausgehoben.“
Doch es wurden auch kritische Töne laut. Die Mauer war wohl an mehreren Stellen beschädigt und musste instand gesetzt werden – von Soldaten, die nun andernorts fehlten. „Der Feind hat für die Schlacht seine Truppenstärke erreicht“, schreibt der General, „seine Truppen liegen im Innern des Gebirges.“
Man fühlt förmlich die Anspannung angesichts der drohenden Gefahr: Auch die Mauer bot keinen vollständigen Schutz. Aber sie markierte eine auch symbolische Grenze zwischen Kulturland und Steppe, zwischen Zivilisation und Barbarei. Sie bannte das Unheimliche, Unbekannte: Die Geister der unwirtlichen Welt jenseits des Garten Eden, den das alte Mesopotamien für die Juden des Alten Testaments war, müssen draußen bleiben.
Auch der Hadrianswall wirft die Frage nach dem Warum auf. Die römischen Legionen kämpften normalerweise nicht von Befestigungsanlagen herab, sondern in lockerer Formation auf freiem Feld. Dieser Taktik dienten die vielen Durchlässe im Hadrianswall: Jedes Milecastle war mit einem Tor ausgestattet, durch das Soldaten ins Vorfeld der Grenzanlage ausschwärmen konnten.
Wozu also baute man aufwendig eine Befestigungslinie, wenn die Legionäre vorzugsweise davor und nicht darauf kämpften? Etliche britische Archäologen sind deshalb der Überzeugung, dass auch der Hadrianswall – wie jedes andere Grenzbefestigungssystem des römischen Imperiums – vor allem symbolische, weniger praktische Bedeutung hatte. Archäologen versuchen seit geraumer Zeit, die Wälle, Mauern und Türme aus ihrer Isolation zu lösen und in den Zusammenhang der sie umgebenden Landschaft zu stellen. Imperiale Grenzen werden nicht länger als in den Raum gezogene Linien betrachtet, sondern als ausladende Grenzzonen, die weit ins Grenzvorland, aber auch in die rückwärtigen Gebiete ausstrahlen.
Grenzen sind gleichzeitig Zonen der Durchlässigkeit
Die Ränder des Römischen Reiches waren Zonen der Abgrenzung, gleichzeitig aber auch Räume der Durchlässigkeit, die routinemäßig von Soldaten, Diplomaten, Händlern, aber auch von Pilgern und sonstigen Reisenden durchquert wurden. Grenzen sind nie völlig undurchlässig. Selbst der Eiserne Vorhang des Kalten Krieges war porös, hatte Schlupflöcher, die legale und illegale Grenzübertritte ermöglichten.
Erst recht durchlässig waren Grenzen vormoderner Staaten, auch die der expandierenden Imperien mit wandernden Eroberungs- und Siedlungsgrenzen. Manches spricht also dafür, dass eine befestigte, in der Landschaft unübersehbare Grenzlinie vor allem dazu diente, den Raum zu markieren, dem in der Natur Unbegrenzten eine sicht- und greifbare Einfassung zu geben. Indem der Herrschaftsraum des Imperiums physisch begrenzt wurde, gewann er gleichsam an Dichte – und bot seinen Bewohnern die Möglichkeit, ihre Identität auf ihn zu gründen.
Die Schutzfunktion der Grenzen tritt in den Vordergrund
Diese Deutung scheint eine fragmentarische Inschrift zu bestätigen, die in einer sachsenzeitlichen Kirche in Jarrow am Tyne, unweit des Hadrianswalls, gefunden wurde: „Der Sohn aller Vergöttlichten Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus [Hadrian] setzte als Konsul zum [?] Mal, nachdem ihm aus göttlicher Vorsehung die Notwendigkeit auferlegt worden war, das Reich innerhalb seiner Grenzen zu bewahren, und nachdem die Barbaren zerstreut und die Provinz zurückerlangt worden waren, Britannien einen Limes zwischen den Ozeanküsten von 80 Meilen, den das Heer der Provinz als Wall fertigte, unter der Aufsicht von Aulus Platorius Nepos, dem Statthalter des Augustus, Propraetor.“
Hadrian begegnet uns in der Inschrift als göttliches Werkzeug, dem der Auftrag gegeben worden ist, das Imperium zu bewahren, „innerhalb seiner Grenzen“ – intra fines. Was sich heute so selbstverständlich liest, war im Jahr 122 n. Chr. ein geradezu revolutionärer Gedanke. Das Reich hatte Grenzen, und es musste innerhalb dieser Grenzen konsolidiert und gegen äußere Feinde verteidigt werden. Zu bewerkstelligen war das, indem man die unsichtbaren Grenzen, fines, durch sichtbare Grenzen, limites, markierte.
Knapp 150 Jahre bevor Hadrian Britannien seinen denkwürdigen Besuch abstattete, hatte sich das noch völlig anders gelesen. Der Dichter Vergil, der mit seiner „Aeneis“ den Römern ihr Nationalepos schrieb und dem Kaiser Augustus ein bleibendes literarisches Denkmal setzte, lässt im 1. Gesang den Göttervater Jupiter verkünden, er setze der Herrschaft der Römer „weder in Zeit noch Raum“ Grenzen: „his ego nec metas rerum nec tempora pono“. Er, Jupiter, verleihe dem Volk des Romulus ein „imperium sine fine“, eine „Herrschaft ohne Grenze“.
Diese anmaßend klingende Behauptung nahmen die Römer durchaus wörtlich. Die Herrschaft des Augustus erstreckte sich nicht auf diese oder jene Provinz, sie war als Weltherrschaft konzipiert. Das Imperium kannte Grenzen ebenso wenig wie eine Außenpolitik, die Grenzen voraussetzt.
Unter Hadrian erfolgte in der Wahrnehmung des Reiches und seiner Umwelt ein veritabler Paradigmenwechsel. Der Weltherrschaftsanspruch der Caesaren war in der Zwischenzeit mit der Realität konfrontiert und als uneinlösbar enttarnt worden. Wenn sich die Welt schon nicht zur Gänze erobern ließ, wollte man sich andererseits auch nicht mit vagen, variablen, buchstäblich dehnbaren Randzonen zufriedengeben. Mit der Erkenntnis der Endlichkeit wuchs das Bedürfnis nach klar markierten, eindeutigen Grenzen.
Mächtige Mauern als Symbol der Überlegenheit
Die Transformation des römischen Imperiums in einen Identitätsraum, dessen Bewohner sich als Schicksalsgemeinschaft wahrnahmen, ist die Kehrseite dieses Prozesses: Wer eine Außenwelt kennt, die er als fremd und anders wahrnimmt, verfügt auch über einen Begriff des Eigenen. Für die Soldaten, die an den schier endlosen Grenzen in Britannien, Germanien, im Donauraum, in Kleinasien, Mesopotamien, Arabien und Nordafrika stationiert waren, wurde sogar die Grenze selbst zum Identitätsraum: ein ganz besonderes Habitat, das die Legionäre mit Fug und Recht als ihre Heimat betrachteten.
Es griffe nun aber zu kurz, die römischen Grenzanlagen allein unter symbolischen und identitätspolitischen Gesichtspunkten zu deuten. Das hieße, die praktische Bedeutung zu verkennen, die sie – selbstverständlich – auch hatten. Obwohl die Mauern, Wälle, Gräben und Palisaden vermutlich ungeeignet waren, um den konzentrierten Ansturm von Barbaren abzuwehren, erleichterten sie in Zeiten des Friedens doch das Grenzmanagement. Auch hierin bestand schließlich die Aufgabe der Garnisonen, die Roms Grenzen bewachten. Händler und Reisende spazierten nicht einfach ins Imperium hinein oder aus ihm heraus, sie mussten sich Kontrollen unterziehen. Rom wollte wissen, wer ins Reich kam, wer es verließ und was er bei sich führte.
Zudem hatte eine massive Mauer, mehr noch als eine Palisade, abschreckende Wirkung auf potentielle Eindringlinge. Sie führte den ungehobelten Barbaren des Nordens eindrucksvoll vor Augen, was römische Ingenieure und Soldaten zu leisten vermochten. Die Mauern und Wachttürme waren geradezu steinerne Zeugen für die technologische Überlegenheit des Imperiums, das herauszufordern aus der Froschperspektive dessen, der sich dem Limes oder Hadrianswall näherte, wie schiere Hybris wirkte.
Drittens hatten die Grenzbefestigungen auch eine unmittelbar militärische Funktion. Sie mochten wirkungslos sein, wenn es darum ging, Barbaren dauerhaft an der Grenze aufzuhalten. Doch sie waren ein Hindernis und verlängerten die Vorwarnzeit. Die Infrastruktur im rückwärtigen Raum erleichterte das Heranziehen von Verstärkung dort, wo Not am Mann war. Wachttürme erlaubten es den Besatzungen, das Grenzvorland großräumig zu überwachen.
An manchen Stellen – in der Wetterau etwa – war der Limes sogar so angelegt, dass er wie ein Sporn ins Barbarenland hineinragte. Kombiniert mit Nachrichtenübermittlungsanlagen wie Zeigertelegraphen, ermöglichte das Grenzbefestigungssystem also nicht nur das Hinhalten des Gegners, sondern auch die schnelle Weitergabe von Informationen.
Vorsprung durch Technik: So lautete die Devise des römischen Imperiums an seinen Grenzen. Jahrhundertelang ging diese Rechnung auf. Das Reich war an seine Grenzen gestoßen, aber es sorgte dafür, dass sie gut bewacht wurden.
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