Die Kurilen waren das letzte Kampfgebiet des Zweiten Weltkriegs – und wenn man so will, dann sind sie dies heute noch. Die 32 Inseln zwischen Hokkaido und Kamtschatka waren und sind ein Zankapfel zwischen den “fremden Nachbarn” Moskau und Tokio. Historisch gesehen kann kein Zweifel bestehen: Die umstrittene Inselkette gehörte zu Japan. Jedoch hatte Tokio 1951 im Friedensvertrag von San Francisco mit den USA einen einseitigen Verzicht auf seine im Krieg eroberten Gebiete erklärt und dabei auch ausdrücklich die Kurilen aufgeführt. Obwohl dieser Vertrag von der Sowjetunion nie anerkannt wurde, ist er völkerrechtlich bindend. Dadurch wurden die Kurilen “für eine juristische Sekunde” zu herrenlosem Territorium – und die UdSSR vom Besatzer zu ihrem rechtmäßigen Besitzer. Doch rasch bereute Japan den vorschnellen Verzicht und versuchte fortan, ihn zu revidieren. Ohne Erfolg. Nur einmal zeigte sich kurz ein Silberstreif: Im Sommer 1955 nahmen Vertreter der beiden Staaten in London Verhandlungen auf, die den offiziell noch immer geltenden Kriegszustand beenden sollten. Dabei bot Rußland völlig überraschend eine Rückgabe der beiden am nächsten bei Japan liegenden Südkurilen an – ganz ohne Gegenleistungen zu fordern. Bislang hatten die sowjetischen Unterhändler stets durchblicken lassen, eine Rückgabe komme nur in Frage, wenn Japan sein Sicherheitsbündnis mit den USA aufkündige. Eine merkwürdige Melange aus innenpolitischen Vorgängen und amerikanischer Einmischung jedoch verhinderte eine Einigung. Vor allem der Druck des US-Außenministers John Foster Dulles band der einigungswilligen japanischen Delegation die Hände: Er wollte der UdSSR die strategisch wichtigen Stützpunkte im Nordpazifik ganz entwinden und drohte mit Konsequenzen. So wurde diese Chance vergeben, und die am 19. Oktober 1956 verkündete “Gemeinsame Erklärung” beendete zwar offiziell den Kriegszustand zwischen der UdSSR und Japan, überließ die Beilegung des Territorialstreits aber einem noch auszuhandelnden Friedensvertrag. Bis heute wurde er nicht geschlossen.





