Schon aus der Ferne macht das Deutsche Spionagemuseum in leuchtend grünen Lettern auf sich aufmerksam. Das Gebäude am Leipziger Platz steht auf historischem Grund. Zwischen Leipziger und Potsdamer Platz verlief die Schnittlinie zwischen Ost und West, die Mauer, die Berlin in zwei Hälften teilte und zur berüchtigten „Hauptstadt der Spione“ werden ließ. Ein Ort, wie gemacht für ein solches Museum. Genauso wie ein anderer historisch bedeutender Schauplatz des Kalten Krieges, die Glienicker Brücke zwischen dem damaligen West-Berlin und Potsdam, weltbekanntes Gelände des Agentenaustauschs. Dreimal fand er dort während des Kalten Krieges statt, zuerst 1961, danach zweimal in den 1980er Jahren unter den Augen der internationalen Presse. Ein Modell mit detailgetreuer Nachstellung dieses Ost-West-Kuhhandels ist im Museum zu sehen.
Als „SPY Museum“ 2015 von dem Journalisten Franz Michael Günther gegründet und nach Wechsel des Betreibers 2016 als „Deutsches Spionagemuseum“ wieder eröffnet, finanziert es sich ausschließlich durch Einnahmen. Ein wissenschaftliches Team um Museumsleiter Rückel erarbeitete ein neues Konzept, das die historischen Exponate mit Multimedia-Stationen und derzeit 28 interaktiven Elementen verbindet. So können Besucher etwa ihr Talent an einem Morsegerät aus dem Ersten Weltkrieg erproben oder sich einem Lügendetektor-Test unterziehen. Zeitzeugen-Interviews ehemaliger Ost- und Westagenten ergänzen das Museumsangebot, das sich gezielt auch an ein junges Publikum wendet.
Ob Stasi, KGB, Bundesnachrichtendienst, MI 6 oder CIA – von ihren verdeckten „Arbeitsmethoden“, Täuschungsmanövern, Verschlüsselungspraktiken, von der zunehmend raffinierten technischen Ausstattung ihrer Operationen erzählt das Museum in Berlin Mitte. Doch nicht nur davon. Es ist deutschlandweit das einzige Museum, das die Geschichte der Spionage darstellt und bis in die Gegenwart der „Giftattentate“ sowie der Welt der Hacker und Whistleblower fortschreibt. In der Dauerausstellung werden auf rund 3000 Quadratmetern über 500 Exponate auf zwei Ebenen präsentiert – von Julius Caesars Chiffrierscheibe bis zum Observierungsbus des Militärischen Abschirmdienstes (MAD).
Was heute an Spionagetechnik im Museum zu sehen ist, stammt vielfach aus Ankäufen privater Kollektionen. Das sei oft mit viel Recherche verbunden, berichtet Sammlungsleiter Florian Schimikowski. Jedes erworbene Exponat, jede Technik werde wissenschaftlich verifiziert.
Bereits die Ägypter, Perser, Griechen und Römer spähten ihre Feinde wie auch die eigene Bevölkerung aus. Die erste Geheimschrift tauchte um 1500 v. Chr. auf. Ein Töpfer aus Nordmesopotamien hatte sie entwickelt, indem er Buchstaben der Keilschrift so veränderte, dass das Rezept seiner speziellen Keramikglasur vor Konkurrenz geschützt blieb. Es ist der erste nachgewiesene Einsatz von Chiffrierung. Im Jahr 325 v. Chr. nutzte der spartanische Feldherr Lysander ein Verschlüsselungsverfahren, genannt „Skytale“. Dabei wurde ein Lederband spiralförmig um einen Stab gewickelt und das Band in Längsrichtung mit einer Botschaft beschrieben. Anhand eines Nachbaus können Besucher diese Methode ausprobieren.





