Auch Stephan Bierling überzeugt mit seiner kompetenten, flüssig und anschaulich geschriebenen Geschichte Kaliforniens. Er zeigt, daß dieser Staat ebenfalls ein Kind des Krieges ist. Die wirtschaftlichen, politischen und demographischen Impulse des Zweiten Weltkriegs waren ebenso nachhaltig wie die Auswirkungen des legendären „Goldrauschs“ nach 1848, wenn nicht sogar gewichtiger. Jenseits dessen verdeutlicht das Buch die magische Anziehungskraft dieses Staates, das Ineinander von wirtschaftlicher Verheißung und kulturellen Sehnsüchten. Kalifornien als Tummelplatz von reaktionären Kleingeistern und radikaler Avantgarde, von Spießigkeit und Weltoffen-heit – Bierling wird jeder Dimension gerecht. Vor allem zeigt er, welchen Verwerfungen eine Gesellschaft ausgesetzt ist, die im Zeitraffer ihren Weg in die Moderne geht. Und welche Chancen sie bei der Bändigung einer schwindelerregenden Beschleunigung genutzt hat. Ob allerdings Kalifornien auch heutzutage noch der „kulturelle Trendsetter der Nation“ ist, muß dahingestellt bleiben. Zu wünschen wäre indes, daß der Verfasser auch hier richtig liegt.
Rezension: Greiner, Bernd





