Für zahllose Beschwerden gibt es sie in feindosierter Form; die kleinen Globuli gehören mittlerweile zum festen Bestandteil vieler Haushaltsapotheken. Die medizinische Wirksamkeit ist wissenschaftlich nach wie vor umstritten, doch schwören immer mehr Ärzte auf diese natürlichen Arzneimittel. Die homöopathische Methode geht auf den aus Meißen stammenden Arzt Samuel Hahnemann zurück, der 1810 in seinem „Organon der rationellen Heilkunde“ einen ganz neuen Weg der Behandlung beschritt, den er in 291 Paragraphen formulierte. Sein Grundsatz beruht auf der von ihm im Selbstversuch entwickelten Ähnlichkeitsregel: „Wähle um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll“. Wirkstoffe, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Symptome hervorrufen, würden demnach bei einem Patienten mit denselben Anzeichen zu einer Besserung führen. Ähnliches sollte mit Ähnlichem behandelt werden (griechisch „homoios pathein“ – ähnlich leiden). Dabei entdeckte Hahnemann, dass selbst kleinste Mengen eine heilende Wirkung entfalten können und somit Stoffe, die in Reinform giftig sind, ihre schädliche Wirkung verlieren. Das 200jährige Jubiläum des homöopathischen Grundlagenwerks, von dem Hahnemann bis 1842 fünf überarbeitete Versionen vorgelegte, nimmt das Deutsche Medizinhistorische Museum zum Anlass, sich der Geschichte der Homöopathie in einer Sonderausstellung zu widmen. Im Zentrum der Ausstellung steht das Werk selbst, dessen originale Erstausgabe sich im Besitz des Museums befindet. Moderne mehrsprachige Ausgaben liegen in einer Leseecke des Museums aus. Briefkorrespondenzen zwischen Hahnemann und seinen Patienten geben Aufschluss über Anwendungsgebiete und Verfahren der frühen Homöopathie. Die Ausstellung beantwortet Fragen nach der Person Hahnemann und seiner Idee einer neuen Therapieform; darüber hinaus wird dem Besucher der grundlegende Stand der Medizin zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgezeigt. Welche Pflanzen für die Homöopathie genutzt wurden und werden, erklärt ein zum Museum gehörender Arzneipflanzengarten.





