Seit 1992 arbeitet der promovierte Historiker daran, die Überbleibsel des Klosters Lorsch, einer der wohlhabendsten und bedeutendsten Abteien des Frankenreiches, museal ins Licht zu setzen. Die Torhalle ist hier das älteste und am besten erhaltene Relikt, zugleich das noch immer rätselhafteste. Als Klosterpforte war der frei stehende Bau erkennbar nicht konzipiert. Wofür aber dann? Zum Empfang prominenter Besucher als „Salutatorium“? Als Gerichtslaube? Immerhin wissen wir mittlerweile, dass er nicht, wie lange angenommen, aus der Zeit Karls des Großen stammt, sondern etwa 100 Jahre später errichtet wurde, allerdings zum Teil mit älterem Material. So hatten die korinthischen Kapitelle wohl schon in einem früheren Gebäude Verwendung gefunden, von karolingerzeitlichen Steinmetzen antiken Modellen akkurat nachgebildet.
In den Jahren um 764 entstand das Kloster auf einer sanften Erhebung, einer eiszeitlichen Wanderdüne, in der Ebene zwischen Rhein und Odenwald der Nibelungenstadt Worms gegenüber. Durch Schenkungen adliger Gönner gelangte es binnen weniger Jahrzehnte zu großem Reichtum. Nach heutigen Grenzverläufen erstreckte sich sein Besitz über sechs europäische Staaten von den Niederlanden bis in die Schweiz. Als Reichsabtei war es dem Herrscherhaus verbunden. Zwei ostfränkische Könige aus der karolingischen Dynastie, Ludwig II. und Ludwig III., fanden in einer Krypta hinter dem Hochaltar die letzte Ruhe.
Die Bibliothek barg Schätze damaligen Wissens. Das „Lorscher Arzneibuch“, ein Produkt aus der Schreibstube des Klosters, ist das älteste nachantike medizinisch-pharmazeutische Werk im westlichen Europa. Die Abhandlung über akute und chronische Krankheiten des römischen Arztes Caelius Aurelianus war in einer einzigen Lorscher Abschrift überliefert. Der um 1170 entstandene „Lorscher Kodex“, eine Sammlung der Urkunden und Besitztitel des Klosters, gilt als Hauptquelle der frühmittelalterlichen Geschichte im westlichen Deutschland.
In späteren Jahrhunderten geriet die karolingische Reichsabtei unter die Herrschaft des Mainzer Erzbischofs, zeitweilig auch des pfälzischen Kurfürsten. Die Reformation in der Pfalz machte 1556 dem Klosterleben ein Ende. Mit Ausnahme der Torhalle und eines Mittelschiff-Überrests der Abteikirche aus der Zeit um 1120 fielen bis etwa 1750 die Konventsgebäude der Spitzhacke zum Opfer. Heute umgeben die weitgehend erhaltenen mittelalterlichen Klostermauern neben den baulichen Resten der Abtei eine um 1590 errichtete Zehntscheune und ein von 1730 datierendes Jagdhaus des Mainzer Erzbischofs. Die alte Scheune sowie das Gebäude einer ehemaligen Marmeladenfabrik aus den Jahren nach 1840 beherbergen die Dauerausstellung des Museums.
Dessen Geschichte begann, als die UNESCO 1991 Lorsch auf die Liste ihrer Welterbestätten setzte, verbunden mit der Auflage, den Ort für Besucher attraktiver zu gestalten. So entstand bis 1995 aus Bild- und Texttafeln eine Ausstellung zur Geschichte des Klosters. Später wurden die seit dem 19. Jahrhundert auf dem Klostergelände ergrabenen oder aus dem Mauerwerk umliegender Gebäude geborgenen Fragmente in der als „Schaudepot“ hergerichteten Scheune zusammengeführt. Blickfang ist hier ein im 9. Jahrhundert gefertigter, mit antikisierenden Pilastern verzierter Sarkophag aus weißem Sandstein. In stählernen Regalen sind Bauplastik und Skulpturen aus der Karolingerzeit bis ins spätere Mittelalter zu sehen.





