
„Die Dosis macht das Gift“: Diese Regel gilt bekanntlich für viele Wirkstoffe und beim Schwarzen Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) ist dies ganz besonders der Fall. Diese in Europa weitverbreitete Vertreterin der Nachtschattengewächse bildet potenziell lebensgefährliche Alkaloide. In geringer Dosierung haben sie dagegen eine psychoaktive Wirkung: Es kommt zu Halluzinationen oder Rauschzuständen. Vermutlich schon seit Urzeiten wird das Bilsenkraut aber auch für medizinische Zwecke verwendet. Schriftlich belegt ist dies bei antiken Autoren wie dem römischen Gelehrten Plinius dem Älteren (23 bis 79 n. Chr.). Sie berichten von der Wirkung und Verwendung von Pflanzen die sich den Bilsenkräutern zuordnen lassen. Vor allem wird die schmerzstillende Wirkung beschrieben. Die antiken Autoren berichten aber auch von den halluzinogenen Effekten und warnen vor der Vergiftungsgefahr.
Direkter Nachweis des Einsatzes
Bisher gab es aber nur wenige direkte Hinweise auf die pharmakologische Nutzung von Bilsenkraut. Es wurden zwar auffallend häufig Samen oder sonstige Überreste der Pflanzen an archäologischen Fundorten entdeckt. Es ließ sich dabei aber meist nicht eindeutig klären, ob die Pflanzen gezielt genutzt wurden, oder ob sie nur natürlicherweise an den archäologischen Stätten gewachsen waren. Bei der Entdeckung, über die das Forschungsteam um Maaike Groot von der Freien Universität Berlin berichtet, zeichnet sich nun dagegen der praktische Einsatz des Krauts eindeutig ab. Der Fund stammt von der Ausgrabungsstätte „Houten-Castellum“ in den Niederlanden. Dort befand sich in der Ära der römischen Herrschaft über die Region eine ländliche Siedlung.
Wie das Team berichtet, handelt es sich bei der Entdeckung um das etwa sieben Zentimeter lange Stück eines Beinknochens eines Schafs oder einer Ziege. Das weiche Knochenmaterial in der Mitte war offenbar gezielt beseitigt worden, um das Knochenstück in ein Gefäß zu verwandeln. Verschlossen war es durch einen Pfropfen, bei dem es sich den Untersuchungsergebnissen zufolge um einen Klumpen Birkenpech handelt. Dieser Verschluss verhinderte offenbar einst, dass der feinkörnige Inhalt herausrieselte: Die Forschenden entdeckten in dem Knochen-Gefäß hunderte von Samen. Wie die anschließenden Untersuchungen zeigten, stammen sie ausschließlich vom Schwarzen Bilsenkraut.





