Am 30. Dezember wurden Boten ausgesandt. Doch die Kardinäle, die mit wehender Soutane zum Palazzo del Re geeilt waren, mussten wieder nach Hause geschickt werden: Die Wehen hatten doch noch nicht eingesetzt. Einen Tag später war es dann so weit: Charles Edward Stuart erblickte das Licht der Welt, aus Sicht der Jakobiten gab es damit wieder einen Thronfolger, einen Prince of Wales. In London nannte man diesen den „Young Pretender“.
Der Papst wird zum neuen Gönner der Stuarts
Jakob III. war zwei Jahre zuvor in Rom angekommen. Nach seiner Abreise aus Paris und der gescheiterten Rebellion in Schottland von 1715 hatte er mit dem Papst einen neuen Gönner gefunden. Clemens XI. (1700 –1721) erwies sich als ähnlich großzügig wie anfangs Ludwig XIV. und stellte Jakob III. nicht nur ein Stadtpalais in Rom, sondern auch ein Schloss auf dem Land zur Verfügung. 1718 bezog Jakob III. den Palazzo Muti. Während des Aufenthalts der Stuarts war er als Palazzo del Re, als Residenz des Königs, bekannt.
Insgesamt hielten sechs Päpste den Stuarts zwischen 1718 und 1766 die Treue. Ihr Motiv lag auf der Hand: Mit den Stuarts sollte eine Rückkehr Großbritanniens in den Schoß der katholischen Kirche erreicht werden.
Das Jahr 1719 brachte für Jakob III. eine weitere positive Entwicklung: Er heiratete Maria Clementina Sobieska, die Tochter eines reichen polnischen Geschäftsmanns – und Enkelin des polnischen Königs Johann Sobieski, der 1683 die türkische Belagerung von Wien beendet hatte. Die Juwelen der Familie Sobieska sollten die Stuarts immer wieder aus finanziellen Schwierigkeiten retten.
Nach ihrem Tod 1735 erhielt Maria ein Staatsbegräbnis und wurde in der Krypta des Petersdoms bestattet. Das etwas später für sie errichtete Grabmal löste einen kleinen Skandal aus. Auf einem daran angebrachten Gemälde ist sie dekolletiert zu sehen, was viele nicht gerade passend für eine Kirche fanden. Papst Clemens XII. (1730 –1740) und Jakob III. sahen das anders: Sie solle aussehen wie eine Königin, nicht wie eine Nonne.
Die Zusammensetzung des Hofs der Stuarts wandelte sich in Rom. Die Zahl der tatsächlichen Exilanten ging zurück. Selbst die engsten Berater waren nun oft Italiener oder Spanier. Herzöge und Grafen wurden durch Kardinäle ersetzt. Zur rechten Hand Jakobs III. entwickelte sich Kardinal Antonio Gualterio (1660 –1728).
Jakob III. war in Rom nach dem Papst die ranghöchste Persönlichkeit. Bei allen öffentlichen Anlässen wurde er wie eine königliche Majestät behandelt. Königin Maria galt sogar – der Papst hatte nun mal keine Frau – als First Lady des Staates.





