Kriege, die Kolonien in Übersee, Misswirtschaft sowie maßloser Prunk und Luxus am Hof hatten Frankreich in eine schwere Finanzkrise gestürzt. Als die Regierung Ludwigs XVI. keinen Ausweg aus dem drohenden Staatsbankrott fand, berief der König im Mai 1789 erstmals seit 175 Jahren die drei Generalstände in das Schloss Versailles ein. Bei seinem Vorhaben, die Eintreibung der Steuern weiter zu verschärfen, konnte er sich auf die Stände des Klerus und des Adels stützen. Hingegen sah der „dritte Stand“, jener der Bürger und Bauern, die historische Stunde für eine Nationalversammlung gekommen, um dem Herrscher „von Gottes Gnaden“ die Grenzen der Macht aufzuzeigen.
Zum Eklat kam es beim Antrag auf Änderung des Abstimmungsmodus: Nicht nach Ständen, sondern „nach Köpfen“, also der Anzahl der Abgeordneten, solle aus Sicht des Dritten Stands künftig abgestimmt werden, damit eine feudale Elite nicht länger ihren Willen 98 Prozent der Franzosen aufzwingen könne. Als Klerus und Adel im Sinn des Königs den Antrag abschmetterten, erhob sich am 17. Juni 1789 der Stand der Bürger und Bauern selbst zur Nationalversammlung als einziger, legitimer Volksvertretung. Erzürnt über den Affront, verwies Ludwig XVI. die Ständevertreter des Schlosses.





