Dabei ist der Band nicht ausschließlich auf Kriege des Westens fokussiert, sondern weist eine globale Rahmung auf. Er widmet sich der Entwicklung militärischer Konflikte, von den Revolutions- und Kolonialkriegen bis hin zum modernen Krieg. Nach den Weltkriegen in all ihrer Totalität folgen asymmetrische und symmetrische, staatliche und nicht-staatliche, hybride, konventionelle und unkonventionelle Kriegsformen, vom Kalten Krieg bis zum Krieg in Syrien.
Grundsätzlich wird der moderne Krieg als ein ständiger Transformationsprozess, als kultureller und gesamtgesellschaftlicher Akt verstanden. Folglich handelt dieses Buch nicht nur von militärischen, sondern auch von zivilen Akteuren, Lebenswelten und Erfahrungen. Der multiperspektivisch angelegte Sammelband bleibt dabei nicht auf die Beschreibung von Kriegen beschränkt. Es werden auch Kriegserfahrungen von Soldaten – auch Kindern – oder Zivilistinnen und Zivilisten sowie sexualisierte Gewalt, aber auch Kriegsgefangene oder -verweigerer in den Blick genommen.
Ferner widmet sich das Buch (erinnerungs)politischen, juristischen, sozialen und kulturellen Folgen von Krieg – exemplarisch genannt seien etwa Flucht und Vertreibung, Besatzung, Friedensschlüsse oder die sowohl kollektive als auch psychische Verarbeitung von Krieg. Daneben finden sich Beiträge zu Kriegstechnologisierung, -medizin und -ökonomie, aber auch zu Krieg und Ökologie.
Aus der Vielzahl formidabler Aufsätze seien hier lediglich drei Beiträge hervorgehoben: Erstens widmet sich Richard Overy seinem wissenschaftlichen Spezialgebiet, dem Bombenkrieg, unter besonderer Fokussierung auf die (zivile) Sicht „von unten“. Zweitens blickt Hew Strachan, wie Overy ein „Altmeister“ unter den Militärhistorikern, auf den Wandel der Bedeutung von Schlachten seit der Zeit der napoleonischen Kriege. Und drittens sei der für den Rezensenten besonders lesenswerte Aufsatz von Sheldon Garon genannt, welcher mit seinem Artikel der oft üblichen Überbetonung der angeblich „fanatischen“ Kriegsmobilisierung Japans im Zweiten Weltkrieg entgegensteuert.
Insgesamt macht Cabanes’ Werk dem Leser die Komplexität des Themas bewusst. Doch wie der Herausgeber selbst ganz richtig einräumt, liefert er nicht die, sondern eine Geschichte des modernen Krieges, der zu vielschichtig ist, als dass man alle Aspekte und Dimensionen erfassen könnte. Doch ganz egal, ob Militärhistoriker oder Friedensforscher, Experte oder interessierter Laie – für alle, die sich mit dem Thema beschäftigen, stellt diese interdisziplinär angelegte Geschichte des Krieges ein lehrreiches, wertvolles und daher höchst willkommenes Kompendium dar.
Rezension: Dr. Takuma Melber





