Im Vorfeld von Heinrich Heines Todestag, der sich 1906 zum 50. Mal jährte, rief der Kritiker Alfred Kerr dazu auf, ein Denkmal für den im Exil verstorbenen Lyriker zu errichten. Schon bald regte sich dagegen heftiger Widerstand. Der antisemitische Publizist Adolf Bartel verfasste eine Kampfschrift, mit der er nicht nur das in Hamburg geplante Monument verhindern wollte (übrigens mit Erfolg), sondern auch diejenigen schmähen, die Kerrs Aufruf unterzeichnet hatten: „Sind von den Unterzeichnern … auch vier Juden, jüdischer Rasse, und ein fünfter mit einer Jüdin verheiratet, … so müssen doch Max Klinger, Gerhart Hauptmann und Engelbert Humperdinck unbedingt als Künstler entschieden nationaler Prägung gelten, und es begreift sich schwer, wie sie sich für einen Heine ins Zeug legen konnten.“
Tatsächlich aber hatte sich Humperdinck wesentlich intensiver und früher mit Heine auseinandergesetzt, als es der Antisemit Bartels wahrhaben wollte. So hatte Humperdinck als junger Mann Heines Gedicht „Die Wallfahrt nach Kevlaar“ 1879 als Ballade vertont.





