Wie eng Musik- und Kunstgeschichte miteinander verbunden sein können, zeigt in eindrucksvoller Weise Dietrich Erben in einer Pinakothek von Komponistenporträts, die die Zeit von der Renaissance bis zur Moderne umfasst. Nach einer Einleitung, die Inhalte und Funktionen der Bilder genauer erläutert sowie dem die ästhetische Dimension des Komponistenporträt nährbringt, werden 86 repräsentative Porträts von bekannten und von schon fast vergessenen Komponisten präsentiert. Es werden Leben und Werk des Komponisten kurz vorgestellt, die Umstände erhellt, unter denen das Bild entstanden ist und dabei eine Brücke zum Porträtmaler geschlagen. Eine detaillierte Bildanalyse erläutert Maltechnik, Entstehungsgeschichte und, falls von Interesse, die Symbole im Bild. Damit wird es dem interessierten Laien ermöglicht, das Bild in seiner Gesamtheit zu fassen. Erben stellt dar, wie Komponisten und bildende Künstler in einen Dialog miteinander treten, der von gemeinsamen künstlerischen Überzeugungen, so etwa bei Claude Debussy und Bildhauer Henry de Groux, oder von kühler, wertschätzender Distanz geprägt sein können, wie zum Beispiel zwischen Morton Feldman und Philip Guston, der das Porträt erst nach dem endgültigen Zerwürfnis mit Feldmann anfertigte. Auf diese Weise lädt der prächtige Band ein, das Gespräch zwischen Musik und bildender Kunst aufzugreifen. Er erschließt spannende und unterhaltsame Momente einer Beziehungsgeschichte, die bis heute lebendig ist. Es verwundert daher nicht, dass es den Malern gelang, in ihren Bildern eben das Element greifbar zu machen, was die Musik der Komponisten auszumachen scheint: Delacroix fängt mit seinem melancholischen Chopinporträt dessen Nocturnes-Zyklus in Bildern ein. Pablo Picasso zeichnet Eric Satie, den Schöpfer der „Möblierungsmusik“, in einfachen und doch markanten Strichen nach, die sich gleich wie Saties Musik irgendwo zwischen Traditionalismus und Moderne zu befinden scheinen.
Die interessanten Literaturhinweise zur Geschichte des Porträts und der des Komponistenporträts laden zur weiteren Beschäftigung mit dem Themas ein.
Rezension: Carmen Fischer





