Wäre Konstantin, der Sohn des Constantius Chlorus, kurz vor 312 n.Chr. gestorben, stünde er als ein letztlich erfolgloser Mitbewerber um das römische Kaisertum im Übergang von der kollabierenden Tetrarchie zur Wiederkehr des dynastischen Prinzips und der Einkaiserherrschaft in den Geschichtsbüchern. So aber wurde er zu dem Herrscher, der das Imperium noch einmal stabilisierte und dem Christentum den endgültigen Durchbruch ermöglichte. Konstantin gehört als Produkt seiner Zeit und Mitgestalter der Zukunft Europas zum Kanon historischer Bildung, zugleich steht vor allem sein Verhältnis zum Christentum nach wie vor im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Debatte. Zwei gute Gründe, mit einem einführenden Buch über ihn die neue, vielversprechende Reihe „Geschichte kompakt“ bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft zu eröffnen. Karen Piepenbrink hat eine knappe, gut verständliche und durch Zeittafeln, Begriffserklärungen und ausgewählte Quellen didaktisch geschickt gestaltete Darstellung vorgelegt. Sie vermittelt Basiswissen, skizziert aber auch offene Fragen der Forschung, die mit Hilfe der kommentierten Literaturhinweise vertieft werden können. Die Frage nach der persönlichen Konfession des Kaisers wird differenziert behandelt, da sie letztlich nicht sicher zu beantworten ist und das komplexe Geflecht von Kontinuität und Wandel im Verhältnis der Staats- macht zu den Religionen des Reiches und zu der später einzigen Religion ohnehin unzulässig vereinfacht. Für Studierende und Lehrer bietet der Band einen fundierten Einstieg.
Rezension: Walter, Uwe





