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Kraftzentren des Reichs
Der Rhein war die wichtigste Verkehrsader des Heiligen Römischen Reichs. Nicht zufällig entwickelten sich die drei am Strom liegenden Städte Mainz, Worms und Speyer zu zentralen Schauplätzen. Weltliche und geistliche Macht trafen dort aufeinander.
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Es fällt auf, wie intensiv die Geschichte der drei rheinischen Städte Mainz, Speyer und Worms mit der Machtpolitik der fränkischen und deutschen Könige und Kaiser in Früh- und Hochmittelalter verbunden war. Für das Spätmittelalter gilt das weniger, denn die wichtigsten Zentren der in dieser Zeit das Königtum tragenden Familien (Habsburger, Luxemburger, Wittelsbacher) lagen eher im Osten. Aber für die Phase von etwa 800 bis 1200 ist der Befund eindeutig.
Nicht immer war diese Verbindung spannungs- und reibungsfrei. Im Gegenteil: Die politische Gemengelage im Aufeinandertreffen von Stadtbürgern, Bischöfen und Königen war kompliziert und schwierig. Doch keine Frage: Immer wieder spiegelte sich gerade an diesen Orten die besondere Machtsymbolik des mittelalterlichen Kaisertums. Es war das Merkmal dieser Symbolik, dass sich Weltliches und Sakrales untrennbar miteinander zu verschränken schienen – auch über den „Investiturstreit“ zwischen Kaiser und Papst hinaus.
Warum gerade Mainz, Speyer und Worms? Das hat verschiedene Gründe. Auch Zufälliges war im Spiel. Etwa die Tatsache, dass jene Adelsfamilie, die seit dem 12. Jahrhundert als „die Salier“ bezeichnet worden ist und die von 1024 bis 1125 vier römisch-deutsche Könige und Kaiser stellte, genau in dieser Region ihre Wurzeln und frühen Besitzungen hatte. Wichtig ist vor allem, dass diese Städte – um es ein wenig zuzuspitzen – überhaupt Städte waren, das heißt, dass sie in einer Welt, in der es bis dahin kaum nennenswerte städtische Kultur und Qualitäten gab, den jeweiligen Machthabern als Kraftzentren zur Verfügung standen – natürlich auch, weil es alte Bischofsstädte waren. Sie lagen kaum zufällig alle am Rhein.
Der Rhein war die geheime Kraftachse des Reiches, auf die sich lange Zeit vieles, was wichtig war, auszurichten schien – nicht zuletzt aufgrund der einzigartigen Vorteile, die der große Fluss als unüberbietbar günstiger Verkehrsweg für Menschen und Waren bot. Die größte Kraft (maxima vis imperii) des Reiches liege am Oberrhein, meinte der Geschichtsschreiber Otto von Freising im 12. Jahrhundert. Auch wenn in der Epoche der Ottonen, die aus dem Norden des heutigen Deutschland stammten, mit dem Harzraum eine neue Königslandschaft entstanden war, verschoben sich spätestens mit den Saliern im 11. Jahrhundert die Akzente wieder in Richtung Rhein.
Die „goldene Stadt Mainz“ wird schon von Karl dem Großen für Versammlungen genutzt
Ganz oben steht Mainz, jene Stadt, die sich in Entsprechung zur „goldenen Stadt Rom“ schon früh als „goldene Stadt Mainz“ (Aurea Moguntina) bezeichnet hat. Eine Stadt aus der Antike: Mainz war als römisches Legionslager Mogontiacum gegründet worden und wurde später zur Hauptstadt der Provinz Germania superior. Im 7. und 8. Jahrhundert missionierten Benediktinermönche aus England wichtige Teile des heutigen Deutschland. Der bedeutendste darunter, der aus Wessex in Südwestengland stammende Winfried-Bonifatius (672 oder 673 – 754 oder 755), trieb 744 erfolgreich die Absetzung des Mainzer Bischofs voran und übernahm dieses Amt 746 selbst. Bonifatius starb bei der Friesenmission den Märtyrertod. Unter seinem Nachfolger Lullus (Lul) wurde das Bistum Mainz um 780/782 zum Erzbistum erhoben. Dieser Status ging erst 1803 wieder verloren.
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Die Erhebung von Mainz zum Erzbistum war eine der folgenreichsten Voraussetzungen für die Verteilung der kirchenpolitischen Macht im späteren mittelalterlichen Reich. Mainz entwickelte sich zur größten Kirchenprovinz nördlich der Alpen. Diese reichte vom Bremer Raum im Norden bis in die heutige Schweiz im Süden und im Osten bis nach Olmütz im heutigen Tschechien. Erzbistum und Stadt Mainz waren nie ein und dasselbe, im Gegenteil: Oftmals waren sich beide Größen spinnefeind. Dennoch bestand eine Wechselwirkung: Die Größe der Kirchenprovinz hob auch die Bedeutung der Stadt hervor.
Bereits für Karl den Großen war die Region Mainz von großer Bedeutung. In der Nähe von Mainz, in Ingelheim, errichtete Karl eine seiner wichtigsten Kaiserpfalzen, ein sehr repräsentativer Bau. Karl hielt in Mainz mehrere Versammlungen ab. Die Tradition wurde noch Jahrhunderte weitergeführt. 1077 etwa benutzte Rudolf von Schwaben, „Gegenkönig“ zu Heinrich IV., die Mainzer Bischofspfalz. 1115 erwartete Heinrich V., der letzte König und Kaiser aus dem Haus der Salier, die Teilnehmer eines Hoftags in einem Gebäude, das in den Quellen als palatium bezeichnet wird.
Das Hochmittelalter erwies sich als eine turbulente Zeit für die Mainzer Erzbischöfe. Jahrelang waren sie aus der Stadt vertrieben, Aufstände der immer selbstbewusster werdenden Bürger waren fast die Regel. Für das Kaisertum aber stellte Mainz im ausgehenden 12. Jahrhundert zweimal eine geradezu ideale Kulisse dar – für die höfische Repräsentation und für das politische Handeln in der Öffentlichkeit.
Riesiges Fest und Einschwören auf den Kreuzzug: Barbarossas Hoftage
1184 hielt der staufische Kaiser Friedrich „Barbarossa“ in Mainz einen großen Hoftag ab. Dieser hat sich auf besondere Weise in die Erinnerung eingeprägt. Ein Betonrelief am Gebäude der Hochschule Mainz in der Rheinstraße 19 erinnert bis heute an den Hoftag. Jeder kann sehen, wie prächtig damals in Mainz gefeiert wurde – und wie wichtig die Stadt war. Weit mehr als andere Hoftage wurde der Mainzer Hoftag als glanzvolles Fest abgehalten. Er war außergewöhnlich gut besucht: sechs Erzbischöfe, 19 Bischöfe, zwei Äbte von Reichsklöstern, neun Herzöge, vier Markgrafen, drei Pfalzgrafen, der thüringische Landgraf und viele mehr sind als Teilnehmer ausgewiesen – ein Stelldichein derjenigen, die damals Rang und Namen hatten.
Der logistische Aufwand muss enorm gewesen sein. Rechtsrheinisch bei Kostheim, dort wo Rhein und Main zusammentreffen, war eigens eine Stadt aus Zelten und Hütten aufgebaut worden. Prächtige Einzüge, Festessen, das Versehen der Hofämter (Marschall, Kämmerer, Mundschenk) durch die Großen des Reiches – alles war dabei. Eine hochadlige höfische Gesellschaft feierte sich selbst – und stellte das Reich und was es zusammenhielt öffentlich dar. Große Worte fielen: Der Dichter Heinrich von Veldeke, als Gast dabei, verglich das Fest mit der Hochzeit von Aeneas und Lavinia, beides Figuren der griechisch-römischen Mythologie. Hinter – zum Teil auch vor – den Kulissen des Festes ging es auch um Rang- und Machtfragen unter den Fürsten, typisch für die besondere Natur vormoderner Politikformen.
Der Hoftag zur Pfingstzeit war als ritterliches Fest stilisiert und dauerte zwei Tage. Im Mittelpunkt stand die Schwertleite der Söhne des Kaisers, des späteren Königs und Kaisers Heinrich VI. und Herzog Friedrichs von Schwaben. Zum Fest gehörte ein großes Reiterspiel, ein gyrum (lateinisch: Reitbahn). Eigentlich war geplant, dass anschließend im nahegelegenen Ingelheim noch ein Ritterturnier stattfinden sollte, doch aufgrund eines sommerlichen Unwetters, das auf die Festgesellschaft niederging und mehrere Todesopfer forderte, wurde das Turnier ausgesetzt.
Der Hoftag, den Barbarossa vier Jahre später, im April 1188, in Mainz abhielt, hatte vollständig anderen Charakter. Er war als „Hoftag Jesu Christi“ stilisiert. Ein knappes Jahr zuvor hatte Sultan Saladin das Königreich Jerusalem besiegt und die Heilige Stadt erobert. Die Nachricht schockierte die europäischen Reiche. Papst Gregor VIII. rief daraufhin zum neuen Kreuzzug auf. Friedrich Barbarossa, für die damalige Zeit mit Mitte 60 bereits ein alter Mann, schwor den Hoftag auf den Kreuzzug ein und versprach selbst seine Teilnahme.
Worms: gleich zweimal zentraler Schauplatz des Investiturstreits
Auch Worms war ein ebenso uralter kirchlicher wie königlicher Ort. Immer wieder war die Stadt einer der Schauplätze des Mittelalters überhaupt. Die Geschichte von Kirche und Reich verschränkten sich hier immer wieder: Auf der Wormser Synode vom Januar 1076 wurde der „Investiturstreit“ gleichsam eröffnet, und 1122 wurde dieser Streit auf der Laubwiese vor der Stadt durch das berühmte Konkordat zwischen Kaiser Heinrich V. und Papst Calixt II. auch beigelegt.
Eine Wormser Bischofsliste setzt mit dem 7. Jahrhundert ein. Das Bistum selbst ist aber viel älter. Es reicht wohl zurück bis in die Spätantike. Auch gilt als erwiesen, dass in Worms schon im 8. Jahrhundert eine Pfalz gestanden hat. Wahrscheinlich hat sie aber schon viel früher bestanden, denn wir wissen, dass sich 613 Brunichilde, Regentin des Burgund, mit den Söhnen Theuderichs II. in Worms aufhielt und im innerfränkischen Machtkampf von hier aus den Widerstand gegen den König Chlothar II. organisieren wollte.
Einer der wichtigsten frühen Repräsentanten der Familie der Salier war Konrad, mit dem Beinamen „der Rote“, der Sohn eines Grafen namens Werner. In den Quellen erscheint Konrad im Besitz von Grafschaften im Nahegau, Wormsgau und Speyergau, alles gelegen im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz.
955, unter Kaiser Otto I., fiel Konrad in der Schlacht auf dem Lechfeld im Kampf gegen die Ungarn. Otto ordnete an, dass Konrad ein besonders ehrenvolles Begräbnis erhalten sollte – und zwar im Wormser Dom. In der Krypta ist sein Grab bis heute zu finden. Das Begräbnis im Dom wird von der Geschichtsforschung deswegen als etwas Besonderes eingestuft, weil man in dieser Zeit die Bestattung in einem Bischofsdom nur Bischöfen oder Königen – also in beiden Fällen geweihten Personen – zubilligte.
Mit dem Grab Konrads im Dom der Bischöfe wurde der Stellenwert der Stadt Worms nicht nur als eines, sondern als des Zentrums der adligen Herrschaft der frühen Salier gleichsam bestätigt und nochmals besonders hervorgehoben. An der Stelle des späteren Stifts St. Paul besaß die Familie eine Burg. Diese ist nach Meinung der Historiker Peter Classen und Stefan Weinfurter identisch mit der alten karolingischen Königspfalz. Werner und Konrad der Rote verfügten zudem über umfangreiche Besitzungen in der Stadt.
Der Dom zu Speyer: ein besonderes Anliegen mehrerer Herrscher
Schon frühzeitig spielten auch die Stadt und das Bistum Speyer in den Überlegungen der Salier eine herausragende Rolle. Ist es nur „topisch“, nur ein mit literarischen Mitteln stilisierter Gemeinplatz, wenn eine Quelle vom Ende des 11. Jahrhunderts (Norbert von Iburg) hervorhebt, die Stadt insgesamt und die Kirche von Speyer seien zu Beginn der Regierung Konrads alt und baufällig gewesen? Bereits am 11. September 1024 machten der frisch zum König gewählte Konrad II. und seine Gemahlin Gisela der Bischofskirche in Speyer eine Schenkung. Er und seine Frau – so heißt es in der Urkunde – hätten vor der Königswahl ein Gelübde über diese Schenkung abgelegt. Noch 1025 wurde in Speyer mit dem Bau des Doms begonnen. Um etwa die gleiche Zeit wurde die hoch über der Rheinebene gelegene und heute noch als Ruine beeindruckende Limburg an der Hardt in ein Kloster umgewandelt.
Doch wichtiger noch als das Kloster in den Wäldern der Hardt wurde im Lauf der Zeit der Speyerer Dom – unten im Dunst der Rheinebene. Der Dom kann als eines der bedeutendsten baulichen Zeugnisse nicht nur der Salierzeit, sondern des gesamten europäischen Mittelalters angesehen werden.
Selbst in der – nach den Zerstörungen im Pfälzischen Krieg des 17. Jahrhunderts – im 19. Jahrhundert wiederhergestellten Form ist er ein Bauwerk, das Staunen hervorruft. Wie sehr man sich, als moderner Mensch nüchtern und kritisch geworden, auch sträuben mag, in Bauwerken Inkarnationen bestimmter Ideen zu sehen, im Speyerer Dom müsste man sie wohl sehen: Salisches Hausbewusstsein und die Kaiseridee spiegeln sich in ihm wider.
Was lässt sich zur Konzeption des Doms sagen? Während die ältere Forschung noch davon ausging, dass von Konrad II. Kloster Limburg als Grablege seiner Familie vorgesehen war, geht die neuere Forschung seit einiger Zeit davon aus, dass Konrad von Anfang an den Dom zu Speyer als seine Grablegekirche vorgesehen hatte. Auch nach dem Tod Konrads II. 1039 ließ die Familie weiter an dem Dom bauen, ließ ihn verändern – was in der Regel hieß: erweitern.
Sein Sohn und Nachfolger, Kaiser Heinrich III. (1039 –1056), besaß ein besonderes Nahverhältnis zu Speyer. Der Speyerer Dom mit einer Länge von 134 und einer Breite von 33 Metern wurde unter ihm zur größten Kirche der europäischen Christenheit. Wichtiger noch als die schiere Größe des Doms scheinen die Veränderungen im Bereich der Krypta: Heinrich III. ließ die beiden Zugänge zur Vorkrypta auffüllen. Stattdessen wurden neue Stiegen zur Krypta in die Seitenschiffe gelegt. Vor allem aber wurde etwa ein Drittel des Langhauses abgegrenzt. Damit entstand eine Fläche von neun mal 21 Metern, „ein riesiges Gräberfeld, auf dem die Könige noch in Jahrhunderten hätten begraben werden können“ (Stefan Weinfurter). Damit der
Charakter einer Bischofskirche nicht allzu sehr entwertet wurde, ging man – nach dem Tod Heinrichs III. – rasch daran, dieses riesige Gräberfeld wieder zu verkleinern.
Ein solches Bauwerk war der ideale Ort für eindrucksvolle symbolischer Kommunikation: Als Konrad II. am 4. Juni 1039 in Utrecht gestorben war, wurde er in einem prunkvollen Zug über Köln, Mainz und Worms nach Speyer überführt. In der damals noch unvollendeten Kathedrale von Speyer wurde Konrad vor der Abschlusswand der Vorkrypta beigesetzt.
1043, beim Begräbnis der Kaiserin Gisela, der Gemahlin Konrads und Mutter Heinrichs III., legte Heinrich im Dom allen königlichen Ornat ab. Der Chronist Bern von Reichenau schildert uns die Szene ausführlich. Mit nackten Füßen, im härenen Büßergewand, lag er mit ausgebreiteten Armen in der Kathedrale und bekannte seine Schuld.
Gerade Heinrich III. förderte den Speyerer Dom über alle Maßen und beschenkte die Speyerer Kirche immer wieder reich. Als Heinrich III. am 5. Oktober 1056, erst 39-jährig, in der Pfalz Bodfeld im Harz gestorben war, wurde sein Leichnam ebenfalls nach Speyer überführt. Er wurde dort am Tag der Heiligen Simon und Judas (28. Oktober) im Dom an der Seite seines Vaters beigesetzt.
Das Widmungsbild des von Heinrich gestifteten Speyerer Evangeliars (des „Codex Aureus“, der heute im Escorial in der Nähe von Madrid aufbewahrt wird) zeigt, wie Heinrich III. ein prachtvoll ausgeschmücktes Evangeliar an die heilige Maria, die Patronin des Speyerer Doms, übergibt. Mit auf dem Bild dargestellt ist die Kaiserin Agnes von Poitiou, die zweite Gemahlin Heinrichs III. Die Gottesmutter legt Agnes segnend die Hand auf. Im Hintergrund aber, als wuchtige Kulisse, ist deutlich sichtbar der Speyerer Dom abgebildet.
Auch Heinrich IV. (1056 –1105), der „Canossagänger“, widmete sich Speyer. Bereits erste Maßnahmen des noch jungen Herrschers galten der Sorge um das Seelenheil des Vaters. Er ließ die bischöfliche Kirche von Speyer und das Domkapitel reich beschenken. In einer der großen Eskalationsphasen seiner Ära, nach der Wormser Fürstenversammlung vom Oktober 1076, zog sich der vom Papst exkommunizierte Heinrich IV. nach Speyer zurück. Er wollte sich an diesem besonderen Ort durch Bußübungen auf die Absolution, das heißt auf die Freisprechung vom Bann vorbereiten.
Am 7. August 1106 starb Kaiser Heinrich IV. in Lüttich; schon seit geraumer Zeit hatte er mit Aufständen seiner Söhne gegen ihn zu tun gehabt. Der tote Kaiser wurde, seinem Wunsch gemäß, nach Speyer gebracht. Als der Leichnam in die Stadt kam, zeigten Speyerer Bürger spontan ihre Trauer. Man wollte Heinrich IV. sogleich im Dom beisetzen, aber Heinrich V. (seit 1106 römisch-deutscher König, 1111–1125 Kaiser), der rebellische Sohn, verhinderte dies. Er ließ den Gebannten in ungeweihter Erde vor den Toren der Stadt bestatten.
Im August 1111, fünf Jahre später, kam Heinrich V. nach Speyer. Er war gerade als Kaiser aus Italien zurückgekehrt, wo Heinrich IV. inzwischen die Absolution zuteilgeworden war. Erst jetzt ließ der Sohn den Vater inmitten der königlichen Familie im Dom beisetzen. Er stellte – in genau diesem Zusammenhang – am 7. August 1111 den Speyerer Bürgern eine Urkunde aus, in der er sie von allen alten Abgaben befreite und auch den unfreien Bewohnern freies Erbrecht verbriefte. Als Dank dafür mussten die Speyerer Bürger jährlich am Todestag Heinrichs IV. für dessen Seelenheil beten. Zudem sollte jedes Haus den Armen ein Brot geben. Der Wunsch der Salier nach Memoria, ehrender Erinnerung, städtische Rechte und die christliche Pflicht zur Armenfürsorge verschmolzen in Speyer so zu einer Einheit.
Autor: Prof. Dr. Jörg Schwarz
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