Der mittelalterliche Krieg führte längere Zeit sowohl in der Forschung als auch in der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein. Doch mittlerweile hat sich dies längst geändert. In letzter Zeit sind mittelalterliche kriegerische Konflikte wiederholt Gegenstand auch der deutschen mediävistischen Forschung geworden, wovon auch das vorliegende Buch Zeugnis ablegt. Häufig sind es jüngere Mediävisten wie der an der Berliner Humboldt-Universität lehrende Malte Prietzel, die sich jetzt des Themas in kulturgeschichtlicher Perspektive annehmen. Man wird dem in der Einleitung formulierten Bekenntnis des Autors nur zustimmen können: „Krieg ist Teil der Kultur. Sinnvolle Kriegsgeschichte ist Kulturgeschichte“. In insgesamt neun umfangreichen Kapiteln widmet sich der Autor zentralen Aspekten des mittelalterlichen Krieges. Die Darstellung beginnt mit der Karolingerzeit im 8. Jahrhundert und endet mit dem 15. Jahrhundert. Fast alle wichtigen Strukturen des mittelalterlichen Krieges werden behandelt. Besonders gelungen erscheint die Konzentration auf einzelne Kriege. Ganz bewußt ist dar-auf verzichtet worden, einen den Leser nur ermüdenden enzyklopädischen Überblick über sämtliche mittelalterliche kriegerische Auseinandersetzungen zu bieten. Die Schwerpunkte liegen auf den Kriegen des Heiligen Römischen Reiches, aber auch der Großkonflikt des Spätmittelalters, der sogenannte Hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich, wird ausführlich behandelt. Sympathisch mutet der bewußt einfach gehaltene Sprachduktus an, der auch dem Laien die Einarbeitung in dieses komplexe Thema erleichtert. Hohe Anschaulichkeit bieten insbesondere das Strukturkapitel über „Befestigungen und Belagerungen“ und ein Abschnitt des achten Kapitels über „Armbrust und Langbogen“. Hier wird ganz konkret durch den Einbezug von Realien die Alltagswirklichkeit des Krieges rekonstruiert: Welcher konkrete personelle und finanzielle Aufwand mußte getrieben werden, um eine Burg bauen zu können? Wie hat man sich das Spannen einer Armbrust vorzustellen? Vorzüglich ausgewählte, zahlreiche Abbildungen in hoher Qualität runden den eindrucksvollen Band ab, dem man gern viele Leser wünschen möchte.
Rezension: Kortüm, HansHenning





