Dieser Frage geht der Band „Kriegsniederlagen“, von Horst Carl, Hans-Henning Kortüm, Dieter Langewiesche und Friedrich Lenger herausgegeben, nach. Er vereint in 24 Beiträgen Ergebnisse gleich dreier Sonderforschungsbereiche und ist dementsprechend erfreulich breit angelegt. Das Themenspektrum reicht von den Kriegen des Deutschen Ordens über reformatorische Auseinandersetzungen in der Reichsstadt Rottweil und die Verarbeitung der Französischen Revolution durch ihre Gegner bis hin zu den großen Kriegsniederlagen 1918 und 1945 aus der Sicht der Verlierer.
Als Strategien der Verarbeitung, so zeigen die Beiträge, überwiegen zu allen untersuchten Zeiten Heldenkult und die Suche nach Sündenbök-ken, religiöse oder säkulare Erlösungshoffnungen sowie die Mobilisierung von Revanchegelüsten. Erkennbar wird also eher der Versuch, die Niederlagen historisch zu relativieren oder umzudeuten; grundsätzliche Reflexionen angesichts einer Erfahrung, die aufrütteln könnte, unterbleiben fast durchgängig.
Rezension: Talkenberger, Heike





