Dass unter vormodernen Bedingungen die Lebensmittelversorgung keine Trivialität war und mit wachsender Macht Roms komplexer wurde, dürfte klar sein. Die Quellen legen denn auch nahe, dass die Versorgung durch vermeintliche Kleinigkeiten ins Kippen kam. Seltsamerweise spielten Versorgungsprobleme bei antiken Autoren keine tragende Rolle, auch wenn sie immer wieder Erwähnung fanden. Und überraschenderweise hatten Kaiser mit guter Presse in den Quellen erstaunlich oft mit schlechtem Wetter zu tun.
Von diesen letzten drei Beobachtungen nimmt Thomas Gartmanns Dissertation ihren Ausgang. Zunächst erarbeitet der Autor in angemessener Ausführlichkeit die Voraussetzungen der Lebensmittelversorgung Roms. Der „Normalfall“ einer funktionierenden Versorgung erweist sich als ein labiles Gleichgewicht der Faktoren.
Geht es um die Darstellung der Ursachen von Versorgungsproblemen in den Quellen, so bevorzugen die antiken Autoren einfache Erklärungen und die Suche nach Schuldigen. Oft dient die Schuldzuschreibung einem moralischen Urteil über Akteure – was das Paradox von gutem Kaiser und schlechtem Wetter erhellt: „Schlechte“ Kaiser werden nicht als inkompetent oder Pechvögel, sondern als böswillig geschildert, wenn es unter ihrer Herrschaft zu Versorgungsproblemen kam. Das Wetter durfte hier nicht als Ausrede dienen; für einen „guten“ Kaiser aber schon.
Überhaupt dient die Darstellung von Versorgungskrisen in den Quellen verschiedenen Erzählfunktionen; etwa können sie in einer Ballung von Unglücken, die Gartmann Krisencluster nennt, aufgezählt werden, womit die Stimmung für eine besonders schlechte Lage bereitet wird.
Nicht alle Ergebnisse mögen überraschen, aber Gartmann gelingt eine überzeugende Darstellung des Themas, wie sie in der – reichhaltigen und von ihm auch gründlich ausgewerteten – Forschungsliteratur ihresgleichen sucht. Als Appendix bietet er zudem seine Quellenstellentabelle zum Download an – ein willkommenes Hilfsmittel für weitere Forschungen zum Thema!
Autor: Dr. Philipp Deeg





