Daß es, sieht man vom 20. Jahrhundert einmal ab, so viel weniger bildende Künstlerinnen als Künstler gibt, diente in hoffentlich vergangenen Zeiten oft als Argument für die Behauptung, Männer seien auch deshalb das überlegene Geschlecht, weil sie schöpferisch tätig sein könnten, während Frauen lediglich zur Reproduktion fähig seien. Tatsächliche Gründe für die verhältnismäßig geringe Anzahl von Künstlerinnen sind dagegen in der Organisation des Handwerks in Gilden und dem Zugang zu einer regelrechten Malerausbildung zu suchen. Beides war für Frauen erheblich erschwert. Dennoch werden seit dem 16. Jahrhundert Malerinnen und ihr Werk greifbar. Die meisten wuchsen in Künstlerhaushalten auf, in denen ihr Maltalent eine Förderung erfahren konnte. Wer sie waren und was ihre Bilder auszeichnet, kann man jetzt in dem Bildband von Elke Linda Buchholz “Künstlerinnen. Von der Renaissance bis heute” nachvollziehen. Der Band stellt 50 Malerinnen vor, die auch überregional zur Geltung gelangen konnten, von der Antwerpenerin Catharina von Hemessen bis zur Performance-Künstlerin Vanessa Beecroft. Ein “Steckbrief” bringt eine Kurzcharakteristik jeder Künstlerin; dazu tritt für jedes Jahrhundert eine knappe Skizzierung der künstlerischen Tendenzen und ein “Kulturkalender” mit einigen orientierenden Daten. Für jede Malerin muß der straffen Konzeption des Buchs wegen eine Doppelseite genügen. Das kann nur unbefriedigend ausgehen, sind doch die Komplexität des Werks und Bedeutung der einzelnen Künstlerinnen höchst unterschiedlich. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht auch nur ein Gemälde der jeweiligen Malerin. So eignet sich dieser Band vor allem als erster Einstieg in das Thema. Um so bedauerlicher ist deshalb, daß es keine Liste mit weiterführender Literatur gibt.
Rezension: Talkenberger, Heike





