Wer sich mit der Weimarer Klassik beschäftigt, konzentriert sich zumeist auf die literarischen, kunsttheoretischen und geschichtsphilosophischen Werke von Goethe und Schiller, Herder und Wieland. Die große Sonderausstellung im Frühjahr 2012 erschließt die Weimarer Klassik nun erstmals jenseits ihrer literarisch-ideellen Dimension als eine spezi¬fische »Kultur des Sinnlichen«. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen drei Kulturpraktiken: Wohnen, Sammeln und Schreiben. Sie vergegenwärtigen, mit welchem Anspruch man im klassischen Weimar die sinnliche Erfahrung zum Maßstab einer neuen Wohnkultur und zur Richtschnur einer reflektierten Kunstbetrachtung erhoben hat. Ausgestellt werden Kunst-, Natur- und Alltagsgegenstände, die einen faszinierend neuen Blick auf das scheinbar so vertraute Epochenphänomen »Weimarer Klassik« eröffnen. Ein Booklet, dessen Gestaltung von den charakteristischen Materialqualitäten der Exponate inspiriert wurde, begleitet die Besucher durch die Ausstellung. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist eine 3D-Simulation, die erstmals verschiedene Einrichtungssituationen in Goethes Wohnhaus am Frauenplan rekonstruiert. Die Ausstellung geht aus einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt hervor, das die Klassik Stiftung in Kooperation mit dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris realisiert hat.
Zu der Ausstellung ist im Deutschen Kunstverlag ein reich bebilderter Katalog erschienen, der die Erträge des Projekts bündelt und dessen Lektüre bzw. staunende Betrachtung sich auch unabhängig vom Besuch der Ausstellung lohnt.





