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Langfristige Folgen – weltweit
Aus den Friedensverhandlungen von 1763 gingen besonders Großbritannien und Preußen gestärkt hervor. Der Siebenjährige Krieg setzte Entwicklungen in Gang, die zur Französischen Revolution und zum amerikanischen Unabhängigkeitskrieg führen sollten.
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Aus dem Siebenjährigen Krieg hätte auch ein vier- oder fünfjähriger Krieg werden können. Bereits nach wenigen Kriegsjahren artikulierte sich allerorten der Wunsch nach Frieden. Greifbar nah schien ein Friedensschluss im Sommer 1761, als in Augsburg ein gesamteuropäischer Friedenskongress den Krieg beenden sollte. Unter den erwarteten Teilnehmern waren so unterschiedliche Charaktere wie der Göttinger Starjurist Gottfried Achenwall oder der venezianische Abenteurer Giacomo Casanova, der Portugal vertreten sollte. Doch daraus wurde nichts. Der Kongress fand nicht statt. Zu zögerlich waren verschiedene Kriegsparteien, die angesichts jüngster militärischer Erfolge lieber auf eine sich noch verbessernde Verhandlungsposition spekulierten.
Erst Mitte des Jahres 1762 verdichteten sich die Zeichen für einen endgültigen Frieden. Am5. Mai schlossen Preußen und Russland in St. Petersburg einen Friedensvertrag. Nur wenige Wochen später folgte am 22. Mai in Hamburg ein Friedensvertrag Preußens mit Schweden. In Fontainebleau verhandelten Briten und Franzosen vom 14. September bis zur Unterzeichnung am 3. November 1762 einen Präliminarfrieden. Damit war der Weg für definitive Friedensverträge geebnet.
Verhandelt wird in Hubertusburg und Paris
Die beiden miteinander verschlungenen Konfliktlinien, die den Siebenjährigen Krieg zu einem Konflikt globalen Ausmaßes gemacht hatten, wurden in den Friedensschlüssen wieder klar getrennt. Während Preußen, Sachsen und Österreich von Dezember 1762 bis Februar 1763 im sächsischen Hubertusburg verhandelten, trafen die Vertreter Frankreichs, Großbritanniens, Spaniens und Portugals in Paris zusammen. Am 10. Februar 1763 unterzeichnete man den Frieden von Paris, am 15. Februar den Frieden von Hubertusburg. Damit war der Siebenjährige Krieg formal beendet, doch seine Folgen beschäftigten die Menschen noch für Jahrzehnte.
Der Pariser Friedensvertrag umfasste 27 Haupt- und drei Separatartikel. Frankreich verzichtete auf sämtliche Gebietsansprüche in Nordamerika, den französischen Bewohnern Kanadas wurden freie Religionsausübung und einige Fischereirechte zugesichert. In der Karibik wechselten etliche Inseln wieder die Besitzer; so blieben Guadeloupe und Martinique im Besitz Frankreichs, während die Briten unter anderem Grenada und Tobago erhielten.
An der westafrikanischen Küste erhielten die Franzosen die Insel Gorée zurück, und in Südindien kam es zu einer Wiederherstellung des Besitzstandes vom Jahr 1749. Mit Blick auf Bengalen hatten sich die Lobbyisten der britischen Ostindien-Kompanie durchgesetzt, die jedwede militärische Präsenz Frankreichs unterbanden.
Zwischen Großbritannien und Spanien wurden britische Holzabbaurechte in Honduras gesichert, Kuba ging zurück an Spanien, dafür traten die Spanier Florida an die Briten ab und erhielten von Frankreich den westlichen Teil Louisianas. Von der britischen Einnahme Manilas war zu diesem Zeitpunkt in Europa noch gar nichts bekannt. Im Vergleich zu Frankreich hielten sich die territorialen Verluste Spaniens in überschaubaren Grenzen.
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Innerhalb von nur sechs Wochen hatte man auch im sächsischen Hubertusburg ein Friedenswerk ausgearbeitet. Hart gerungen wurde um die Rückgabe der von Österreich gehaltenen schlesischen Grafschaft Glatz. Am Ende einigten sich Preußen und Österreich auf 21 Artikel und zwei Geheimartikel. Im Wesentlichen stellte der Vertrag den status quo ante bellum, alsoden Zustand vor Kriegsbeginn, wieder her. Gleichzeitig erneuerten Preußen und Sachsen den Dresdner Frieden von 1745.
Auch das Reich und die jeweiligen Verbündeten wurden in die Geltung des preußisch-österreichischen Vertrags miteinbezogen. In den zwei geheimen Zusatzartikeln garantierte Friedrich II. die preußische Stimme für die Wahl Erzherzog Josephs zum Oberhaupt des Reichs und unterstützte die Erbfolge der Habsburger im Herzogtum Modena. Am 27. März 1764 wurde Joseph II. in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt, ein Jahr später rückte er nach dem Tod seines Vaters Franz I. Stephan zum Kaiser auf.
Ein Kontinent atmet auf: In ganz Europagibt es Freudenfeste und Feuerwerk
Die öffentliche Verkündigung der Friedensschlüsse sorgte in ganz Europa für Erleichterung. Mit aufwendigen Festen feierte man allerorten von März bis Juni den Frieden. Doch wer in den aufwendigen Inszenierungen nur den Ausdruck höfischer Rokoko-Ästhetik sieht, täuscht sich. Glockengeläut, Feuerwerk und Kanonendonner rahmten in Paris und London, Wien und Berlin ganz unterschiedliche politische Botschaften.
Obwohl der Krieg kaum Verlierer zu kennen schien, waren nicht alle gleichermaßen mit dem Ergebnis einverstanden. In London, der Stadt der Sieger, verkündete man den Frieden am 22. März; jedoch erst am 5. Mai erfolgte der offizielle Jubeltag mit Kanonendonner aus dem Tower und öffentlichen Gottesdiensten. Doch viele Briten waren keineswegs erfreut über den Friedensschluss und hielten ihn angesichts der militärischen Erfolge für viel zu milde.
Neben zahlreichen Karikaturen und Pamphleten brachte dieses Gefühl auch einer der ersten Science-Fiction-Romane zum Ausdruck. Ein anonymer Autor entwarf in „The Reign of George VI, 1900 –1925“ ein, aus britischer Sicht, Schreckensszenario am Beginn des 20. Jahrhunderts, einer Zeit, als Frankreich als Weltmacht herrschen und erst vom fiktiven König Georg VI. bezwungen werden würde.
In Paris, der Hauptstadt der europäischen Macht mit den größten territorialen Verlusten, feierte man den Frieden erst vom 20. bis zum 22. Juni 1763. Im Zentrum stand am 20. Juni die Einweihung eines neuen Reiterstandbilds für König Ludwig XV., gefolgt von Freudenfeuern und Illuminationen in den Tagen darauf.
Davon, dass Festkonzerte und Feuerwerke in diesen Tagen heftigen Gewittern zum Opfer fielen, las man in den Zeitungen nichts. Für viele Zeitgenossen zeigte es jedoch untrüglich, das hier etwas buchstäblich ins Wasser gefallen war. Voltaire mokierte sich: „Man wagt, in Paris Feste zu geben; ich weiß wirklich nicht, warum. Mir scheint, es wäre an den Engländern und gewissen Fürsten in Deutschland, Feste zu veranstalten.“ Zu diesen zählte ohne Zweifel Friedrich II. Doch dieser brüskierte die Berliner Öffentlichkeit, indem er sich rarmachte. Während den Berlinern am 5. März, passend zum Namenstag des Königs, der Frieden verkündet wurde, kehrte Friedrich II. selbst erst am Abend des 30. März nach Berlin zurück. Er ließ die freudig zum Einzug Spalier stehenden Bürger schlicht stehen und begab sich auf Nebenwegen in sein Schloss.
Friedrich II. freut sich im Stillen über seine Erfolge
Die Enttäuschung war riesengroß, doch Friedrichs symbolische Botschaft ebenso klar. Es gab hier äußerlich nichts zu feiern, obwohl er innerlich erleichtert über den Frieden war. Gegenüber seinem Verhandlungsführer Ewald Friedrich von Hertzberg äußerte er: „Es ist doch ein gutes Ding, um den Frieden, den wir abgeschlossen haben, aber man muß sich das nicht merken lassen.“
Friedrich II. machte sich bereits gleich nach der Rückkehr aus dem Feld an die Abfassung einer Geschichte des Kriegs, die aber erst postum veröffentlicht wurde. Auch viele Memoiren von Kriegsteilnehmern erschienen erst nach dem Tod des großen Königs 1786, da dieser mit Erfolg darüber wachte, welche Narrative über den Krieg kursierten.
In Wien stand indes alles ganz im Zeichen religiöser Dankesfeste. Aus der Zeitung erfuhren die Wiener am5. März von der Ratifikation des Friedens. Es gab mehrtägige Prozessionen, öffentliche Gebete und ein Te Deum im Stephansdom unter Anwesenheit der kaiserlichen Familie und von Vertretern der geistlichen und weltlichen Eliten.
Im Reich folgten in den nächsten Monaten allerorts dezentrale Friedensfeste, in manchen Orten veranstaltete gar jede Korporation ihr eigenes Fest – eine bemerkenswerte Abkehr von einer rein obrigkeitlich verordneten Festkultur, die anzeigte, wie das städtische Bürgertum immer selbstbewusster und selbständiger seine patriotischen Gefühle zum Ausdruck brachte.
Egal, ob studentische Landsmannschaften in Jena, die jüdische Gemeinde in Berlin oder Zünfte in Halle, sie alle richteten Friedensfeiern aus, die eine symbolische Teilhabe am Frieden reklamierten. Der europaweite „Freudenlärm“ transportierte mithin ganz unterschiedliche Botschaften.
Wie berechtigt die Freude über das Ende des Krieges war, zeigt ein Blick auf die erlittenen Verluste. Die Forschung schätzt heute die Opfer des Krieges auf über eine Million, darunter rund 550 000 europäische Soldaten, während die Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung nur wenig geringer ausfielen. Obwohl der Krieg in die Zeit der aufkommenden Statistik fiel, sind exakte Zahlen schwer zu ermitteln. Die Bevölkerungsverluste außerhalb Europas werden meist gar nicht mit einberechnet.
Autoren verarbeiten das Kriegstrauma
Von einem eingehegten Krieg, der nur Kombattanten betraf, kann also keine Rede sein. Die meisten Opfer forderten jedoch nicht direkte physische Waffengewalt, sondern Krankheit und Hunger. In Europa war die unmittelbare Nachkriegszeit von Finanzkrisen, Wiederaufbau und Reformen geprägt. Sparsamkeit und Schlichtheit wurden zu aufgeklärten Maximen, die die Not zur Tugend machten.
Die Zustände einer Nachkriegsgesellschaft fanden ihren Ausdruck auch in Kunst und Literatur. Am 30. September 1767 wurde in Hamburg das Lustspiel „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“ aus der Feder Gotthold Ephraim Lessings uraufgeführt. Ein der Bestechlichkeit beschuldigter Major Tellheim kämpft darin um seine Ehre und seine Verlobte bzw. eher sie um ihn. Goethe bezeichnete das Stück später als die „wahrste Ausgeburt des Siebenjährigen Krieges“.
Mit bissiger Ironie hatte Voltaire in seinem „Candide oder der Optimismus“ bereits 1759 die sinnlosen Gemetzel des Krieges als Karikatur der besten aller möglichen Welten aufs Korn genommen. Eine originelle Verarbeitung der globalen Ausmaße des Krieges lieferte der irische Novellist Charles Johnstone mit seiner Satire „Chrysal, or the Adventures of a Guinea“ (1760 –1765). Das dem Genre sogenannter it-narratives zugehörige Werk folgt den verschlungenen Wegen einer beseelten Münze, die während des Krieges um die Welt zirkuliert.
Der Ausgang des Siebenjährigen Krieges zog demnach nicht nur territoriale Grenzen neu, er hatte auch nachhaltige machtpolitische, ökonomische und kulturelle Folgewirkungen. Preußen war nun Teil einer europäischen Pentarchie, in der auch Russland weiter an Einfluss gewann. Im Reich zementierte sich ein innerdeutscher Dualismus zwischen Preußen und Österreich, und die europäischen Kolonialreiche begannen, sich neu zu ordnen. Frankreich verlor seinen Einfluss in Nordamerika und fokussierte sich fortan eher auf Lateinamerika (Guyana) und Afrika. Das britische Empire dehnte sich immer weiter aus. Die East India Company war in Südasien auf dem Weg von der Handelskompanie zum Territorialherrn, doch in den nordamerikanischen Kolonien regte sich auch zunehmende Unzufriedenheit.
Der Siebenjährige Krieg gilt in der US-amerikanischen Geschichte als Wegbereiter des Unabhängigkeitskrieges. Eine direkte Kausalität ist schwer zu belegen, doch sprechen viele Faktoren für einen Zusammenhang. Kriege kosteten Geld und führten zu erhöhten Steuern; das Zahlen von Steuern weckte jedoch auch den Wunsch nach angemessener politischer Partizipation. Diverse Steuern schürten die Unzufriedenheit (Sugar Act 1764, Stamp Act 1765) bis zu den Eskalationen des Boston Massacre (1770) und der berühmten Bostoner Tea Party (1773).
Auch waren die Franzosen gerne bereit, sich militärisch auf der Seite der „Rebellen“ für die vergangene Schmach zu revanchieren. Kulturell schuf der „French and Indian War“, wie man den Krieg in den Kolonien nannte, ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl, während die Londoner Regierung die Kolonisten eher als kostspielige troublemaker (Störenfriede) wahrnahm. Ein eurozentrischer Blick, der auch die historische Aufarbeitung lange lenkte.
Gedachte man der Opfer, kamen zunächst die Bewohner Schlesiens, Pommerns oder der Mark Brandenburg in den Sinn, weniger aber die Indigenen in Nordamerika, die Sklaven afrikanischer Herkunft oder die chinesischen Lohnarbeiter auf den Philippinen. Sie waren die langfristig Leidtragenden der Konflikte zwischen Briten, Franzosen und Spaniern.
Die Indigenen spielen bei den Verhandlungen keine Rolle
Die Stämme Nordamerikas waren in die Pariser Friedensverhandlungen überhaupt nicht einbezogen worden. Ihre Unzufriedenheit mit der brutalen Siedlungspolitik und der Vertragsbrüchigkeit der Siedler entlud sich im sogenannten Pontiac-Krieg (1763 –1766).
Zwar schlossen im Oktober 1763 die Potawatomi, Anishinabe und Wyandot einen Frieden mit den Briten, mit dem eine königliche Grenzlinie vereinbart wurde, die entlang der Wasserscheide von Alleghenies und Appalachen europäisches von indigenem Land trennte. Die Siedler hielten sich jedoch nicht daran. Sie wollten die Kosten des Kriegs durch eine Erweiterung ihres Territoriums wettmachen. Der Konflikt trug insgesamt zur Entfremdung der Kolonisten vom Mutterland bei.
Erst 1767 konnten die Konföderation der Irokesen und eine Reihe weiterer indigener Nationen einen Friedensvertrag aushandeln, der den Pariser Vertrag an ihre Rechtsvorstellungen anpasste. Der mit äußerster Härtegeführte Pontiac-Krieg – die amerikanische Forschung bezeichnet die britischen Aktionen mit Begriffen wie „ethnische Säuberung“ und „Genozid“ – brachte keine klare Niederlage der Ureinwohner und zeugte von ihrer Fähigkeit zum gemeinsamen Widerstand.
Es wurde zwar eine Art Patt erreicht, aber langfristig verschlechterte sich die Lage für die indigenen Stämme eindeutig. Die Verschiebung der „Frontier“ nach Westen wurde für sie bald zum Existenzkampf.
Blieb die britische Einnahme Kubas 1762 eine Episode von weniger als einem Jahr, so intensivierten sich in der Folge bereits vorhandene ökonomische Strategien kolonialer Ausbeutung, zu denen auch eine weitere Intensivierung des Sklavenhandels seitens der Spanier zählte.
In einer ökonomisch wie politisch immer enger verflochtenen Welt blieb der konfliktträchtige Zusammenhang Gewalt und Globalisierung eine der schweren Hypotheken des Siebenjährigen Krieges für die Zukunft. Bereits 1757 räsonierte Friedrich II.: „Dank der Staatskunst unseres Jahrhunderts gibt es aber gegenwärtig keinen Streit in der Welt, so klein er auch sei, der nicht in kurzer Frist die gesamte Christenheit zu ergreifen und zu entzweien vermöchte.“ Einen solchen Weltenbrand mit einem Frieden wieder zu löschen, sollte fortan noch viele Generationen vor schwer zu bewältigende Herausforderungen stellen.
Autor: Prof. Dr. Marian Füssel
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